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Traditionsgeschäft schliesst in Cham

Das Schuhgeschäft Gretener muss seine Kräfte bündeln und will sich künftig auf das Hauptgeschäft in Zug konzentrieren. Das Muttergeschäft in Cham wird Guido Gretener Ende Jahr aufgegeben.
Zoe Gwerder
Guido Gretener im Mutterhaus Cham, welches Ende Jahr geschlossen wird. (Bild: Stefan Kaiser, 13. Mai 2019)

Guido Gretener im Mutterhaus Cham, welches Ende Jahr geschlossen wird. (Bild: Stefan Kaiser, 13. Mai 2019)

Nach 112 Jahren ist Schluss: Das Schuhgeschäft Gretener schliesst sein Mutterhaus in Cham. Für Geschäftsführer und Mitinhaber Guido Gretener war es kein einfacher Entscheid – seine Grossmutter hatte das Schuhgeschäft 1907 in Cham gegründet. «Es ist das Lebenswerk meiner Familie und mir», so der 65-Jährige. «Als sich der Entscheid vor rund einem halben Jahr abzeichnete, hatte ich ziemlich zu beissen. Aber wenn es keine Zukunftsaussichten gibt, muss man harte Entscheide fällen.»

Gemäss Gretener habe das Geschäft in Cham in den vergangenen fünf Jahren nie mehr den Umsatz des jeweiligen Vorjahres erreicht. Den Beginn des Rückgangs datiert Gretener jedoch schon früher. 2011, als der Onlinehändler Zalando in den Schweizer Markt eintrat. «Die Jungen haben einfach ein anderes Kaufverhalten als die ältere Generation.» 2015 habe dann der Frankenschock, als der Euro erstmals gleich viel wert wie der Franken war, den Rest getan. Damals nahm der Einkaufstourismus im nahen Ausland markant zu. Hinzu komme der Umstand, «dass man als modisches Schuhgeschäft eine riesen Auswahl für immer weniger Kunden bieten muss». Dies habe nur dank dem Hauptgeschäft in Zug geklappt.

«Viele Parkplätze nützten nichts»

Auch die Personalkosten zu reduzieren sei nur bedingt möglich gewesen: «Wenn man auf zwei Stockwerken verkaufen will, benötigt es mindestens zwei Personen im Verkauf. Insbesondere, wenn man sich das Bedienen der Kundschaft auf die Fahne geschrieben hat.» Zudem merke man, dass der Standort in Cham am Kirchenplatz etwas ausserhalb der Einkaufsmeile liege. «Da haben uns auch die vielen Parkplätze nichts genützt.»

Das Geschäft in Cham wird erst Ende Jahr schliessen. «Wir haben noch ein grosses Lager mit mehreren Tausend Paar Schuhen, welches wir abbauen wollen», weshalb man sich für die «lange Version» entschieden hat. Denn auch der Verkauf der Chamer Ware in Zug sei keine Option gewesen. «Wir möchten unseren Kunden aktuelle und neue Modelle bieten.» Zudem sei es gefährlich, zu viel Ware auf Lager zu haben und das Geschäft damit zu überstocken.

Guido Gretener will die Kräfte jetzt in Zug bündeln und sein Unternehmen schlanker machen. Und auch in Zug müsse man Änderungen an die Hand nehmen, um eine Zukunft zu haben. «Die Zeiten des Wachstums sind vorbei», sagt Gretener. Es gebe auch dort Einbussen. Derzeit stehe er auch in Verhandlungen mit dem Vermieter. «Zudem hoffen wir, dass wir den Umsatz von Cham nach Zug transferieren können. Dass wir also unsere Kundschaft dazu bewegen können, die sechs Minuten mit der S-Bahn auf sich zu nehmen, um zu uns nach Zug zu kommen.»

Drei Verkäuferinnen verlieren ihre Stelle

Eine Vollzeit-Mitarbeiterin sowie zwei Teilzeitmitarbeiterinnen verlieren nun ihre Stelle. Die Lehrtochter kann gemäss Gretener ihre Lehre im Sommer ordentlich abschliessen. «Dies ist das Schwierigste an der Situation. Gerade weil langjährige Mitarbeiterinnen vor existenziellen Fragen stehen.» Man werde sie bei der Stellensuche unterstützen und sie allenfalls temporär auch in Zug einsetzen – wenn sich die Möglichkeit ergeben würde.

Für den 65-jährigen Geschäftsmann geht es bei seinem Vorhaben nicht nur um den Erhalt des Ladens in Zug. Denn obwohl er das Pensionsalter erreicht hat, kann er sich nicht einfach zurücklehnen. «Von unseren drei Kindern will keines das Geschäft übernehmen – und ich weiss auch nicht, ob ich ihnen ein Unternehmen in einem solch schwierigen Umfeld zumuten möchte.» Wie Guido Gretener sagt, ist es das Ziel der nächsten Jahre, das Schuhgeschäft Gretener wieder jung, schlank und ertragreich zu machen, und einen Käufer zu finden.

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