Traditionsreicher Raum für neue Ideen in Menzingen

Mit der Fertigstellung des Umbaus der Kantonsschule Menzingen konnte das grösste kantonale Bauvorhaben der letzten Jahre abgeschlossen werden. Nun ziehen die Schüler ein – und mit ihnen ein neues Unterrichtskonzept.

Carmen Rogenmoser
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Analoge Wandtafeln neben interaktiven Boards: Die KSM hat aufgerüstet. (Bild: Christian H. Hildebrand (Menzingen, 16. August 2018))

Analoge Wandtafeln neben interaktiven Boards: Die KSM hat aufgerüstet. (Bild: Christian H. Hildebrand (Menzingen, 16. August 2018))

Am Montag gehts los: Rund 460 Schülerinnen und Schüler werden die neuen Räume der Kantonsschule Menzingen (KSM) einnehmen. Bald werden überall Rucksäcke, Jacken, Trinkflaschen und Laptops zu sehen sein, die Wände werden erste Schrammen abbekommen, die Böden werden von regennassen Schuhen verschmutzt, in der Mensa wird der erste Teller zu Bruch gehen. Vorfälle, die die Verantwortlichen des Neu- und Umbaus vielleicht schmerzen. Das bringt ein Neubau oder eine Neuanschaffung mit sich. Der Schmerz wird aber wohl schnell vergehen, denn erst mit den Schülern kehrt auch das Leben in den geschichtsträchtigen Campus zurück.

Gestern hat Baudirektor Urs Hürlimann (FDP) den Gebäudekomplex offiziell an Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP) übergeben. Hürlimann sprach dabei von einem Freudentag für Menzingen und den ganzen Kanton. «Es ist ein schönes Ensemble, das hier entstanden ist.» Er sei stolz, der grosse Aufwand habe sich gelohnt. 35 Monate lang wurde gebaut. Der Auftrag der Architekten war herausfordernd. Denn der denkmalgeschützte Bestand des ehemaligen Lehrerinnenseminars Bernarda und die neuen Elemente sollten miteinander verbunden werden. Alt und Neu sollten sich nicht voneinander abheben, sondern ergänzen. Das ist auf eindrückliche Art gelungen: Der siebengeschossige Schulneubau übernimmt weitgehend die Volumetrie des früheren Wohngebäudes, die Zweifachturnhalle wurde unterirdisch angeordnet.

Raum und Freiraum für die Bildung

Die bestehenden Bauten wurden in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege sorgfältig saniert und dem Schulbetrieb angepasst. Rund 111 Millionen Franken kostete das ganze Projekt (inklusive Provisorium während der dreijährigen Bauzeit und Landerwerb). «Der Eröffnungstermin sowie die Kostenvorgabe konnten eingehalten werden», sagte Kantonsbaumeister Urs Kamber an der gestrigen Veranstaltung. Auch er verwies auf die geschichtsträchtige Vergangenheit des Schulstandorts in Menzingen: Die Schulanlage des Lehrerinnenseminars, die 1958 eröffnet wurde, sei einzigartig gewesen: Modern, hell, grosszügig mit schönen Innen- und Aussenräumen. «Die Schwestern haben die Anlage sorgfältig gepflegt», ergänzte Kamber. «Die Geschichte dieses speziellen Ortes wird mit der umfassenden Sanierung sinnhaft weitergesponnen.»

Das neue Raumangebot bietet Platz für maximal 28 Klassen mit insgesamt 500 Schülern und 70 bis 80 Lehrpersonen. Die KSM kann also noch wachsen. Ebenso wie der Kantonsbaumeister und zuvor Urs Hürlimann verwies auch Stephan Schleiss auf die Vergangenheit: «Bildung braucht Raum und Freiraum», sagte er. Das habe in Menzingen eine lange Tradition und finde heute seine Fortsetzung. Neben den Grundlagen- und Profilfächern haben an der KSM insbesondere Theater- und Kunstprojekte weiterhin einen festen Platz im Stundenplan. Der neue Theatersaal sowie die grosse Mediathek und die Malateliers zeugen davon. «Gleichwertig aber andersartig, so sollen die Zuger Gymnasien sein», erklärte Schleiss. Unter den geladenen Gästen fanden sich denn neben Kantonsräten, Gemeinderat und der Lehrerschaft auch Menzinger Schwestern. Für die ökumenische Segnung des Campus waren Gemeindeleiter Christoph Arnold und Pfarrerin Barbara Baumann zuständig.

Rund 500 Laptops starten auf einmal

Zwar nicht offiziell zu Wort gekommen aber nicht minder begeistert war auch Rektor Markus Lüdin. Er hat den Umbau von Anfang an begleitet und sprach von einer «einmaligen Chance, eine Schule neu aufbauen und einen passenden Schulbau mitplanen zu können». Sein grosser Tag allerdings steht noch bevor: der Schulbeginn am Montag. Dann speisen sich fast 500 Personen gleichzeitig ins schulische WLAN ein. «Ob das Netz wohl hält?», witzelte der Rektor. Tatsache aber ist, dass mit den neuen Gebäuden auch das neue Informatikmodell umgesetzt wird. Nach dem Konzept «Bring your own device» (kurz: BYOD) bringt jeder Schüler seinen eigenen Laptop oder sein Tablet mit Tastatur mir – ein Novum im Kanton. Nach einem Einführungstag ins neue Modell soll der Schulunterricht am Dienstagmittag dann vollends starten – mit allem, was dazugehört.

Hinweis

Am Samstag, 22. September, findet von 10 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür in der KSM statt.