Der Golfpark Holzhäusern soll offiziell mit Trinkwasser bewässert werden

Die bis heute praktizierte Bewässerung des Golfparks mit Leitungswasser ist seit langem unzulässig. Der Kanton Zug drohte der Betreiberin trotzdem nie Konsequenzen an. Vielmehr hat er einen neuen Weg initiiert.

Raphael Biermayr
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Der Golfpark Holzhäusern wurde vor 24 Jahren eröffnet und 1998 um eine 9-Loch-Anlage erweitert. (Bild: Stefan Kaiser, 22. März 2019)

Der Golfpark Holzhäusern wurde vor 24 Jahren eröffnet und 1998 um eine 9-Loch-Anlage erweitert. (Bild: Stefan Kaiser, 22. März 2019)

Der Golfpark Holzhäusern soll offiziell mit Trinkwasser bewässert werden dürfen. Worum in einem derzeit aufliegenden Baugesuch ersucht wird, ist schon seit der Eröffnung der Anlage Tatsache – seit 21 Jahren aber unzulässig: Der Kanton Zug erliess bei der Erweiterung der Anlage im Jahr 1998 die Auflage, dass nur Seewasser zur Bewässerung zulässig ist. Dies, nachdem die Umweltorganisationen WWF Schweiz, WWF Zug und Pro Natura Zug gegen die Trinkwasserbewässerung vorgegangen waren. Die Sicherstellung der Seewasserentnahme hatte binnen eines Jahres nach Inbetriebnahme des zusätzlichen Golfplatzes zu erfolgen. Bis heute ist die Situation aber unverändert. Gegenwärtig liegt bei der Gemeinde Risch das erwähnte Baugesuch der Betreiberin des Golfparks, die Genossenschaft Migros Luzern (GML), auf. Darin fordert sie die Aufhebung der Auflage aus dem Jahr 1998 beziehungsweise eine Neuformulierung derselben: «Zur Bewässerung soll See- anstatt Trinkwasser verwendet werden, sobald es die Situation zulässt. Dies ist regelmässig zu prüfen.» Diese Sätze stammen von den erwähnten Umweltverbänden.

Gegenwärtig liegt bei der Gemeinde Risch das erwähnte Baugesuch der Betreiberin des Golfparks, die Genossenschaft Migros Luzern (GML), auf. Darin fordert sie die Aufhebung der Auflage aus dem Jahr 1998 beziehungsweise eine Neuformulierung derselben: «Zur Bewässerung soll See- anstatt Trinkwasser verwendet werden, sobald es die Situation zulässt. Dies ist regelmässig zu prüfen.» Diese Sätze stammen von den erwähnten Umweltverbänden.

Neun Projekte sind gescheitert

Diese Formulierung ist der Vergangenheit geschuldet. Denn die GML hat versucht, den Golfpark nicht (nur) mit Trinkwasser zu bewässern. Sage und schreibe neun Projekte, die im Zeitraum von 1993 bis 2007 verfolgt wurden, sind im umfangreichen Begleitbericht zum Baugesuch aufgeführt. Sie reichten von der Entnahme von Meteorwasser von der Autobahn über Grundwasserentnahme mit Hilfe eines Rutengängers über ein Seewasserkraftwerk bis hin zum Bau von Speicherbecken. Sämtliche Projekte scheiterten, sei es an zu geringen Wassermengen, am Widerstand involvierter Grundeigentümer, oder aus anderen Gründen.

Die erwähnten Umweltverbände anerkennen diese Bemühungen, geht aus zwei Schreiben vom Oktober 2017 hervor, die dem Baugesuch beiliegen. Kurz zuvor hatte die GML den WWF und Pro Natura über die gescheiterten Versuche informiert. Dies war also noch vor dem Hitzesommer 2018, in dem der Wasserverbrauch im Golfpark explodierte, wie im Bericht zum Baugesuch ausgewiesen ist. 67512 Kubikmeter Trinkwasser wurden verbraucht, das entspricht mehr als der doppelten Menge des Durchschnitts der Jahre 2006 bis 2017.

Geschätzte Wassermenge oft unterschritten

Allerdings seien just im Jahr 2018 grosse Flächen angesät worden, die besonders viel Wasser benötigten, geht aus dem Bericht hervor. In der erwähnten Verfügung von 1998 wurde übrigens eine Menge von «circa 40000 Kubikmetern» Wasser pro Jahr für die Bewässerung festgehalten. Mit Ausnahme der Jahre 2008, 2009 und 2018 wurde diese Marke seit 2006 unterschritten. Der Verbrauch wäre höher, hätte der Golfpark nicht Massnahmen dagegen ergriffen. So habe er beispielsweise Gräser angepflanzt, die weniger Wasser benötigen würden, oder habe Bodensensoren installiert, die die Feuchtigkeit messen, um so gezielt zu bewässern. Und es wird zum Beispiel das Dachwasser verschiedener Gebäude gesammelt, um dieses zu nutzen.

Wie stehen die Umweltverbände zum Baugesuch? «Da die Migros mit unserer vorgeschlagenen Formulierung einverstanden ist, werden wir keine Einsprache mehr machen», sagt WWF-Zug-Präsidentin Barbara Gysel. Das Büro von Pro Natura Zug war bis zum Abschluss dieses Artikels nicht zu erreichen.

Auf die Frage, welche konkreten Anstrengungen die GML unternehmen wird, um in Zukunft eine Seewasserbewässerung zu erreichen, wiederholt sie lediglich die angestrebte Neuformulierung der Auflage. Darüber hinaus bietet die Betreiberin an, im Erfolgsfall den Schwarzbach, der auf dem Golfpark-Gelände fliesst, teilweise freizulegen. Er soll auf einer Länge von 70 Metern «renaturiert», also unter anderem verbreitert werden.

Die Rolle des Kantons während all der Jahre

Diese sogenannte Kompensationsmassnahme geht auf eine Anregung der kantonalen Baudirektion zurück, schreibt jene auf Anfrage. Der Kanton hat der GML, obschon die Forderung nach Seewasserbewässerung in 21 Jahren nicht umgesetzt wurde, nie Konsequenzen angedroht; er ist aber nicht untätig geblieben. Angaben der Golfpark-Betreiberin zufolge hätten die Behörden nämlich «immer eine Lösung gefordert». Aus dem Scheitern der Projekte schloss die Baudirektion letztlich, dass «die Lösung des Problems nicht in der Hand der Migros liegt», teilt der Baudirektor Florian Weber mit. Im November 2016 hätten die involvierten Ämter an einer Sitzung beschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen, dieser spiegelt sich im derzeit aufliegenden Baugesuch wider.

Gesetzt den Fall, das Gesuch wird abgelehnt: Wird die Baudirektion der Golfpark-Betreiberin ein Ultimatum stellen, damit diese die Bewässerung mit Trinkwasser beendet? «Diese Frage kann zum heutigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden», schreibt Weber hierzu.