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Triton möchte schwimmen gehen

HINGESCHAUT Einst stand unmittelbar beim feudalen Wohnhaus Hammergut in Cham ein bemerkenswertes Wasserspiel, für das ausgediente Bauteile des Hauses verwendet worden sind. Nach zweimaliger Verschiebung hat die Brunnenanlage ihren Platz am Ende des Parks gefunden.
Andreas Faessler
Romantisch gelegen: das Wasserspiel im Hammergut unweit des Lorzenweges. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 26.10.2018)

Romantisch gelegen: das Wasserspiel im Hammergut unweit des Lorzenweges. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 26.10.2018)

Der seit 1995 bestehende Industriepfad Lorze führt in Cham an bedeutenden Zeitzeugen des Wirtschaftsaufschwungs vorbei. Einer davon ist das sogenannte Hammergut, eine Schmiede aus dem 17. Jahrhundert, welche im 19. Jahrhundert von einem betuchten Zürcher Eisenhändler namens Johann Jakob Vogel zu einem feudalen Fabrikantensitz mit Parkanlage um- und ausgebaut worden ist. Vogels Urenkelin Emy Naville liess die Villa in den Jahren 1929 und 1930 gänzlich erneuern und den Garten durch ihren mit der Landschaftsarchitektur bestens vertrauten Onkel Richard Vogel zu einem Park im engischen Stil umwandeln.

«Störende» Wasserfontänen

Mitten auf der gepflegten Rasenfläche südlich der Villa platzierte Vogel ein sogenanntes Wasserspiel, eine dekorative Brunnenanlage, die mit Fontänen das Gesamtbild auflockerte. Doch sollen die Wassersäulen der Überlieferung zufolge den Besitzer allmählich genervt haben – angeblich, weil sie den freien Blick vom Haus zum Parkanfang störten. So soll die Brunnenanlage hinter den angrenzenden Pferdestall verlegt worden sein, wo sie die folgenden Jahrzehnte verblieb – bis das Hammergut 1984 einen neuen Besitzer fand, der das Wohnhaus abermals umgestaltete und das Wasserspiel an seinen heutigen Standort ganz am nördlichen Ende des Grundstückes verlegen liess. Es befindet sich somit zwar verhältnismässig weit weg von der ursprünglichen Stelle, doch kommt das der Öffentlichkeit insofern zugute, als das Wasserspiel nun vom Lorzenuferweg aus betrachtet werden kann. Zusätzliche Ästhetik an diesem Ort entsteht durch den Umstand, dass direkt hinter der Brunnenanlage am Waldrand eine alte Mauer als Überbleibsel einstiger Gesteinsabbauaktivität den Park begrenzt.

Ein bisschen Barock, ein bisschen südländisches Flair

Das Wasserspiel im Hammergut zitiert zum einen die Formen barocker Brunnenanlagen, vor allem durch den seitlich geschwungenen, ansteigenden Rand des Sandsteinbeckens. Fast möchte man den ebenfalls mit Wasserspielen ausgestatteten Kaskadenbrunnen im Wiener Belvederegarten als entferntes Vorbild vermuten. Das Brunnenbecken steht vor einer geraden Reihe von vier toskanischen Säulen, die mit ihrem architravartigen Aufsatz aus Holz zum anderen südländische Gartenromantik vermitteln. Die Säulen stammen von der Hammer-Villa und sind im Zuge des zweiten Umbaus dort entfernt und für den Brunnen neu verwendet worden. Auch hier gibt es unter anderem eine konkrete Parallele nach Wien, wo im Falle der berühmten Gloriette in Schönbrunn – man könnte dem Chamer Wasserspiel eine ähnliche ästhetische Funktion zuschreiben – nicht mehr gebrauchte Säulen eines Renaissanceschlosses am Südostrand der Stadt verbaut worden sind.

Ein Meeresgott gesellt sich dazu

Im Jahr nach dieser zweiten Umplatzierung wurde die Zürcher Künstlerin Sophie Lechner beauftragt, eine Brunnenfigur für das Chamer Wasserspiel zu schaffen. Ihre Wahl fiel auf Triton, ein Meeresgott der griechischen Mythologie. In mehreren Teilen fertigte sie die Keramikfigur an, welche darauf mittig an der höchsten Stelle des Brunnenbassins platziert wurde. Der leicht karikaturhaft anmutende, aber stilistisch ins Bild passende Triton scheint schalkhaft über den Beckenrand in den Brunnen steigen zu wollen. Er dient zugleich als Wasserspeier.

Der Meeresgott Triton. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 26.10.2018)

Der Meeresgott Triton. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 26.10.2018)

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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