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Wenn Kerzen Chriesi schützen: Zuger Bauern rechnen trotz Frostschäden mit einer guten Ernte

Viele Chriesibäume im Kanton Zug stehen nun in voller «Bluescht». Die Frostnächte in den ersten Aprilwochen haben ihnen zugesetzt – allerdings sind die Ernteausfälle weit weniger gross als erwartet, auch dank dem Einsatz von Frostkerzen.
Laura Sibold

Es sieht aus, als würde in Baar bereits ein Osterfest gefeiert – mit Hunderten kleinen Osterfeuern. Auf dem Hotzenhof in Deinikon zündete Landwirt Philipp Hotz am vergangenen Wochenende knapp 200 grosse Frostkerzen an, um seine 800 Chriesibäume in den Morgenstunden vor der Kälte zu schützen:

Das sei diesen Monat nun schon das vierte Mal nötig gewesen, damit die Blüten durch den Frost nicht noch mehr zerstört werden, so Hotz. Die ersten beiden Aprilwochen waren für die Zuger Chriesibauern eine harte Zeit. «Wir mussten jede Nacht mit Frost rechnen, die Temperaturen alle paar Stunden kontrollieren und bei Bedarf Frostkerzen anzünden», erklärt der Baarer Bauer. Zudem gingen die kalten Nächte auch ins Geld: Fast 5000 Franken kosten 350 Kerzen, die nötig sind, um die Kälte zehn Stunden in Schach zu halten.

Grosser Ausfall bei nicht beheizten Bäumen

Dieser Aufwand hat sich laut Philipp Hotz gelohnt. Bei der täglichen Blütenkontrolle habe sich gezeigt, dass bei den «beheizten» Chriesibäumen nur einzelne Blüten abgestorben sind. Ohne Kerzen ist der Schaden jedoch gross. Dies zeigt eine Parzelle mit 20 frei stehenden Chriesibäumen, die neben den beheizten Bäumen stehen. Hier verzeichnet der Baarer Landwirt einen Totalausfall, Kostenpunkt rund 3000 Franken. Bei diesen Chriesibäumen habe sich der Aufwand mit den Kerzen nicht wirklich gelohnt, da die Bäume dem Wetter ausgesetzt und nicht mit Regenschutzfolie geschützt sind.

Der Baarer Bauer Philipp Hotz musste seine Chriesibäume in gewissen Nächten mit Frostkerzen warmhalten. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 16. April 2019)

Der Baarer Bauer Philipp Hotz musste seine Chriesibäume in gewissen Nächten mit Frostkerzen warmhalten. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 16. April 2019)

Trotz erster Ernteausfälle ist Philipp Hotz zuversichtlich. Die Ausfälle seien weniger gross als erwartet, zudem steigen die Temperaturen wieder an. «Ab etwa zwölf Grad ist es warm genug, dass die Bienen ausfliegen und die Blüten bestäuben können. Und die Temperaturen stimmen auch, dass die Befruchtung der Blüten stattfinden kann», erklärt Hotz. Ähnlich klingt es aus der Region Ennetsee. Sepp Burri, der auf dem Hubel auf rund drei Hektaren Chriesibäume bewirtschaftet, hat dieses Jahr ganz auf den Einsatz von Frostkerzen verzichten können. Abgesehen von den frühesten Chriesiblüten sei nichts verfroren. Burri hat mit seinen Plantagen am Hang mehr Glück gehabt als Hotz in der Talgegend, weil das Frostrisiko in der Ebene grösser ist und die Knospen früher treiben. Dennoch betonen beide Landwirte, dass sie noch immer mit einer guten bis sehr guten Chriesiernte rechnen.

Bis zu den Eisheiligen bleibt die Lage kritisch

Auch Markus Hunkeler, der für die Spezialkulturen im Kanton zuständig ist, gibt vorerst Entwarnung. Die Frostschäden seien bei weitem nicht so grossflächig wie im Extremjahr 2017, wo der Grossteil der Chriesi erfror. «Zahlen zu aktuellen Ernteausfällen können wir noch nicht beziffern. Die kleinen Früchte sind ebenfalls noch kälteanfällig», so Hunkeler. Bis zu den Eisheiligen Mitte Mai behalte man die Situation im Auge. Für die nächste Woche können die Chriesibauern allerdings vorerst aufatmen. Frostnächte sind bis auf weiteres keine in Sicht, die Kerzen können gelöscht bleiben.

Dank Blütentelefon zur Zuger Chriesibluescht

Wer das Blütentelefon von Zug Tourismus unter 041 723 68 00 anruft, erfährt, wo die Chriesibäume in voller Blüte stehen. Laut Zug Tourismus ist dies zurzeit in Zug, Baar sowie in den Gebieten Blasenberg, St. Verena und Gubel der Fall. In Menzingen und dem Ägerital rechnet man ab Ostersonntag mit der Chriesibluescht. Für den Ennetsee liegen keine Daten vor. (ls)

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