Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Hier stehen einem Flüchtling Türen und Fenster offen

Für die berufliche Grundausbildung von Flüchtlingen oder vorläufig aufgenommenen Personen wird im Kanton Zug eine Integrationsvorlehre (Invol) angeboten. Michael Ghebrengius absolviert diese bei der Schmidiger AG, Fenster Türen Innenausbau, in Baar.
Vanessa Varisco
Bei Franz Schmidiger arbeitet Michael Ghebrengius aus Eritrea. Der junge Flüchtling absolviert eine Vorlehre im Schreinerbetrieb. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 15. November 2018)

Bei Franz Schmidiger arbeitet Michael Ghebrengius aus Eritrea. Der junge Flüchtling absolviert eine Vorlehre im Schreinerbetrieb. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 15. November 2018)

Es wird geschliffen, gesägt, angepasst. Die Maschinen dröhnen, weswegen die Mitarbeiter im Maschinenraum alle einen Gehörschutz tragen, solange sie konzentriert an der Arbeit sind. Mitten im geschäftigen Treiben der Schmidiger AG, welche Fenster und Türen produziert sowie Innenausbauten vornimmt, ist Michael Ghebrengius mit einigen Schleifarbeiten beschäftigt. Seit September ist der eritreische Flüchtling hier angestellt. «Die Arbeit mit Holz gefällt mir sehr; vor allem auch, dass ich mit den Händen etwas herstellen kann», erklärt er auf Standarddeutsch. Geschäftsführer Franz Schmidiger führt aus: «Michael hat in letzter Zeit Fortschritte gemacht; sprachlich als auch handwerklich.»

Vor einiger Zeit habe sich Michael aus Eritrea beim Betrieb beworben und Arbeitsluft geschnuppert. «Es stand schnell fest, dass er handwerkliches Flair besitzt und fleissig arbeiten kann», erinnert sich Franz Schmidiger. «Allerdings war sein Deutsch nicht gut genug für eine Lehre.» Denn im Betrieb wie auch in der Schule müsse er die Sprache besser beherrschen und in der Lage sein, beispielsweise auch Aufsätze zu verfassen. Deshalb wurde der Entschluss gefasst, stattdessen vorerst auf eine Integrationsvorlehre auszuweichen. Die Invol bietet anerkannten Flüchtlingen sowie vorläufig aufgenommen Personen die Möglichkeit, eine einjährige Vorlehre zu absolvieren mit der Absichtserklärung, später eine zweijährige Lehre EBA oder eine vierjährige Lehre EFZ in Angriff zu nehmen. «Deshalb arbeitet Michael aktuell drei Tage im Betrieb und verbringt zwei Tage pro Woche in der Schule», berichtet Franz Schmidiger. Dort erwirbt er Grundkenntnisse in Mathematik sowie Informatik und verbessert seine Deutschkenntnisse, sodass er nächstes Jahr eine Lehre im Betrieb starten kann.

Erster Schritt in Richtung Ziel

«Die Zusammenarbeit mit Michael klappt sehr gut. Er ist engagiert, hat eine Aufgabe und kann sich dort verbessern», so Franz Schmidiger. «Anfangs war die Sprache ein Hindernis, inzwischen geht sie mir leichter von der Hand, das gilt sowohl für die Schule als auch für die Arbeit», erklärt Michael. «Auch die Mitarbeiter sind alle freundlich zu mir und greifen mir unter die Arme, wenn ich Hilfe benötige.» Das bestätigt der Geschäftsleiter ebenfalls: «Dass man sich gegenseitig unterstützt, ist uns ein Anliegen. Michael wird nicht ausgegrenzt, sondern integriert.» Eben jene Integration sei ihm wichtig, denn davon würden auch die Mitarbeiter profitieren. «Wenn Flüchtlinge gerne arbeiten möchten, ist Invol eine wunderbare Möglichkeit, den ersten Schritt in Richtung Ziel zumachen. Für uns war sofort klar, dass wir dieses Angebot nutzen wollen. Denn es ist einfach eine tolle Sache – auch weil dadurch Hemmschwellen abgebaut werden.» Jungen Flüchtlingen würde damit die Gelegenheit geboten, sich ein selbstständiges Leben in der Schweiz aufzubauen.

Ein Mehraufwand

Er habe ebenfalls einen anderen Mitarbeiter aus Eritrea im Betrieb, welcher auch ohne abgeschlossene Schreinerlehre grossen Einsatz und Geschick zeigen würde. «Statt nur immer gegen die Flüchtlinge zu wettern, könnte man einfach einen Schritt auf sie zugehen», findet Franz Schmidiger. Und die Invol sei seiner Meinung nach ebenfalls für andere Betriebe eine Chance. Aber obgleich diese Chancen überwiegen, entstünde dennoch ein Mehraufwand. «Dass Michael aus einer anderen Kultur kommt, ist spürbar. Die Qualitätsansprüche und Arbeitsweisen sind teilweise anders», stellt Franz Schmidiger fest, «Doch auch hier lernt er viel dank der Unterstützung des Teams.»

Michael ist jedenfalls nach wie vor motiviert. «Ich würde sehr gerne weitermachen», äussert er sich. Das ist schliesslich auch das Ziel der Invol; nach dieser einjährigen Einführung in den Beruf an eine Lehre anzuknüpfen. «Ihm stehen die Türen danach offen», schildert Franz Schmidiger. So könne er beispielsweise nach dieser Lehre EBA noch eine verkürzte dreijährige Lehre EFZ anhängen. Damit würde seine Berufsausbildung insgesamt ein Jahr länger dauern als üblich. «Doch das ist ein Weg der sich lohnt», ist der Geschäftsführer überzeugt. Eine Lehre EBA als auch EFZ könne er, bei entsprechender Qualifikation und Eignung, bei der Schmidiger AG absolvieren.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.