TUGIUM: Zuger Geschichte ist auch ohne Schlachten interessant

Am Donnerstag ist in den Räumen des ehemaligen Kantonsspitals an der Artherstrasse der 33. Band des «Tugium» vorgestellt worden. Einmal mehr gelingt es den Autoren zu zeigen, dass Zuger Geschichte auch ohne Schlachten interessant sein kann.

Drucken
Teilen
Bildungsdirektor Stephan Schleiss (rechts) und «Tugium»-Redaktionsleiter Beat Dittli mit dem neuen «Tugium». (Bild: Maria Schmid (Zug, 5. Oktober 2017))

Bildungsdirektor Stephan Schleiss (rechts) und «Tugium»-Redaktionsleiter Beat Dittli mit dem neuen «Tugium». (Bild: Maria Schmid (Zug, 5. Oktober 2017))

Einen Kriminalroman oder ­einen Klassiker auf einem Tablet oder einem E-Book zu lesen, mag noch angehen. Bei einem Erzeugnis wie dem «Tugium» muss Papier aber immer noch die erste Wahl sein. Das zeigt die jüngste Ausgabe der Jahresschrift einmal mehr. Die 33. ist gestern Abend in den Räumen des Türkischen Vereins auf dem Gelände des ehemaligen Kantonsspitals vorgestellt worden.

Das Jahrbuch des Staats­archivs des Kantons Zug, des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie, des Kantonalen Museums für Urgeschichte und des Museums Burg Zug ist aber mehr als nur ein Rechenschaftsbericht darüber, womit sich die obgenannten Einrichtungen im Laufe des Jahres befasst haben.

Ein Beil und eine bisher unbekannte Geschichte

Es versteht sich von selbst, dass die in der Zuger Riedmatt gefundene jungsteinzeitliche Beilklinge in dieser Schrift Erwähnung findet. Es ist die Rede von einem «Schlüsselfund». Mehr noch: Auch beim weltbekannten Ötzi, der Mumie vom Tisenjoch, ist eine solche Beilspitze gefunden worden. Und vielleicht werden die Leute auch einmal Schlange stehen, um die über 5000 Jahre Zuger Beilklinge zu sehen, wie beim Südtiroler Archäologie-Museum in Bozen, wo der Ötzi zu besichtigen ist.

Wie schon in den letzten «Tugium»-Ausgaben ist dem Kanton Zug während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) viel Platz eingeräumt worden. Ignaz Civelli, der Leiter des Staatsarchivs, schreibt über Internierte im Ersten Weltkrieg. Ein Aufsatz, der viel Neues bietet. Civelli erzählt, dass zuerst die Frage im Raum gestanden sei, ob es überhaupt Internierte im Kanton Zug gegeben habe. Es hat sie gegeben. Speziell dabei ist, dass in Zug sowohl Zivilisten wie auch Soldaten lebten. Civelli hat dann der Forschereifer gepackt: «Je mehr ich mich mit dem Thema befasst habe, hat es immer wieder neue Fragestellungen ge­geben.» Wie im «Tugium» zu lesen ist, hat es in Zug Internierte aus Frankreich, Deutschland und solche aus dem Gebiet der Habsburger-Monarchie gegeben. Auf dem Felde Feinde, ­hätten diese Menschen in der Schweiz friedlich zusammen­gelebt. Die Internierten haben in Dependancen von Zuger Hotels gewohnt. Verwundete sind im Bürgerspital gepflegt worden. Die Kosten für Kost und Logis seien, so Civelli, gut gewesen. Das Geld haben die Hotels gerne genommen, denn nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist der Tourismus regelrecht eingebrochen. Was Civellis Bericht besonders lesenswert macht, ist der Beizug von Zeitungszitaten, welche die Stimmung im Kanton Zug zu dieser Zeit gut abbilden. Aber auch die Metallwaren­fabrik Zug hat, wie in einem anderen «Tugium»-Artikel zu lesen ist, unter dem Krieg gelitten. Ein Drittel der Belegschaft – meist Italiener – sind in ihr Heimatland zu den Waffen zurückgekehrt.

Da das Budget für die Publikation fixiert ist, haben viele ­Autoren für «Tugium» auch Fronarbeit geleistet. Doch wer Ignaz Civelli reden hört, spürt, dass es ihm auch Spass gemacht hat. Und er hat auch mit seinem Team schon weitergeforscht. Das Ergebnis davon ist dann am Zuger Archivtag am 18. November zu sehen.

Das «Tugium» erscheint in einer Auflage von 1400 Exemplaren und kann in den Buchhandlungen bezogen werden. Wie der «Tugium»-Redaktionsleiter Beat Dittli sagt, wird bald auch der Band 32 online gestellt und kann gratis gelesen werden. Aber den «Schatz, der Zinsen abwirft», wie der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss das «Tugium» bezeichnet hat, bietet auf Papier immer noch den grösseren Lesegenuss.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch