Sie pflegen eine typisch eidgenössische Tradition

Am Samstag traf sich die nationale Steinstoss-Elite im Herti in Zug. Es winkte die Qualifikation fürs eidgenössiche Schwing-und Älplerfest im nächsten Jahr – dem Anlass, wo Helden geboren werden.

Nils Rogenmoser
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Daniel Liechti.(Bilder: Maria Schmid, 22. September 2018)
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 Urs Hasler.
Martin Laimbacher.
Urs Hasler.
Martin Jakober.
Andi Imfeld aus Zug.
Urs Hasler.

Daniel Liechti.

(Bilder: Maria Schmid, 22. September 2018)

Die Steine liegen auf der Wiese – andächtig und bereit, gestossen zu werden. Gestossen wird in den Steingewichten 20 Kg, 40 Kg und mit dem 83,5 Kg schweren Unspunnenstein, dem König aller Steine. Mancher Laie hätte bereits beim Umgang mit dem Leichtesten der Steine Mühe. Die Kraftprotze, die sich am Samstag in der Zuger Allmend versammelt haben, stossen professionell und haben die Qualifikation zum Wettkampf der Wettkämpfe, dem Eidgenössischen Schwing und Älplerfest (ESAF) 2019 in Zug vor.Pro Steingewicht qualifizieren sich 24 Athleten, wobei die Qualifikation am Samstag die erste von drei Daten gewesen ist.

In wenigen Minuten finden für Martin Jakober und Martin Laimbacher die ersten Qualifikationsstösse mit dem legendären Unspunnenstein statt. Davor erläutern sie die Faszination des Sports und welche Eigenschaften für den Erfolg unabdingbar sind. Jakober meint: «Der Ablauf vom Aufheben des Steins, über den Anlauf bis zum Abstossen dauert in der Regel knapp eine Minute. In dieser Zeitspanne muss man Kraft, Geschicklichkeit, Ausdauer sowie Schnellkraft vereinen, was eine enorme Kunst ist. Jede Körpergrösse bringt verschiedene Vorteile mit sich – grosse Athleten haben in der Regel eher Mühe mit dem Aufheben des Steins, können ihn aber kraftvoller stossen, was den Sport sehr interessant macht.»

Von 100 auf 178 in zehn Sekunden

Es gebe jährlich um die 15 bis 20 Wettkämpfe, wobei traditionsgemäss die meisten an Schwing- und Älplerfesten stattfänden, so Laimbacher: «In der Schweiz haben wohl nur etwa 40 bis 50 Leute die Fähigkeit, den Unspunnenstein sauber zu stossen, da dies eine Höchstbelastung aller Muskeln mit sich bringt. Spannend ist, dass der Unspunnenstein als Unikat in einer Schliessvitrine unter Hochsicherheit aufbewahrt wird und nur an eidgenössischen Anlässen ans Tageslicht kommt.» Abschliessend verrät Jakober eine eindrückliche Anekdote: «Ich habe einmal meinen Puls während eines Stosses gemessen – in zehn Sekunden ging der von 100 auf 178 hoch.»

Bei den Stössen wird klar, dass die Elite am Werk ist – spektakulär übertrumpfen sich die Kraftpakete mit fabelhaften Weiten. Sepp Roos, Vize Chef vom OK Steinstossen, zeigt sich mit dem Anlass weitgehend zufrieden, wünscht sich aber etwas mehr Anerkennung für das Steinstossen: «Es ist schade, dass der Sport allgemein eher wenig Aufmerksamkeit geniesst und oft im Zusammenhang mit der Popularität des Schwingsports etwas untergeht. Wir unternehmen aber viel, um den Sport der Gesellschaft näherzubringen und konstatieren zufrieden, dass tendenziell sich immer mehr für diesen tollen Sport interessieren.» Eine derartige Qualifikation wie heuer habe es noch nie für ein ESAF gegeben, so Roos: «Wir erhoffen uns dadurch ein steigendes Niveau an den Wettkämpfen. Den heutigen Anlass nutzen wir als Miniatur-Standortbestimmung im Hinblick auf das ESAF. Alle Helfer und Kampfrichter arbeiten zuverlässig und sorgen für faire Bedingungen. Dies schätzen auch die Athleten, welche die Anlage und die Festwirtschaft loben.» Der Mythos Steinstossen lebt – der Grundstein zum nächsten Heldenkapitel ist vielleicht schon am vergangenen Samstag gelegt worden.