U18-WM: Warum zeigt die Stadt nicht Flagge?

In Zug und Luzern treffen sich gerade die besten Youngsters des Eishockeys. Abseits der Stadien merkt man davon aber kaum etwas.

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Die Luft ist raus: Nicht einmal 
das Riesen
maskottchen
warb am 
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spielfreien Tag 
für den Event. (Bild Stefan Kaiser)

Die Luft ist raus: Nicht einmal das Riesen maskottchen warb am gestrigen spielfreien Tag für den Event. (Bild Stefan Kaiser)

Seit rund zehn Tagen sind sie hier, die Youngsters des Eishockeys. Denn seit dem 16. April laufen in Zug und Luzern die Spiele der Eishockey-U-18-Weltmeisterschaft. Heute Abend steht der Schweizer Nachwuchs in der Zuger Bossard-Arena gegen Russland auf dem Eis. Für die Schweizer könnte das der letzte Auftritt an dieser Weltmeisterschaft sein. Während die Stimmung – vor allem bei Spielen der Heimmannschaft – im Stadion kocht, spürt man ausserhalb der Arena kaum etwas von dem Grossanlass. So empfängt die Stadt Zug ihre Gäste weder mit Flaggen noch finden sich im Zentrum Plakate oder andere Hinweise darauf, dass in Zug gerade eine Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Einzig auf dem Arenaplatz deuten eine grosse Figur und ein Souvenirwagen das Geschehen an.

Infrastruktur fehlt

Warum gibt man sich so zurückhaltend? Warum putzt sich die Stadt für die Gäste aus aller Welt nicht heraus und hisst die Fahnen? «Das Problem ist, dass derzeit die Voraussetzungen für eine Beflaggung nicht gegeben sind», sagt Regula Kaiser, Beauftragte für Stadtentwicklung und Stadtmarketing. Man wolle dies seitens der Stadt ändern. Sie habe vor kurzem den Auftrag gefasst, sich mit dem Thema zu befassen. «Wir müssen das Ganze nun von Grund auf angehen.» Als Erstes gilt es, eine Bestandesaufnahme zu machen. «Wir müssen klären, wo in der Stadt heute schon Kandelaber stehen, an denen sogenannte Knatterfahnen angebracht werden können», führt Kaiser aus. Nach Möglichkeit wolle man dann die alten Kandelaber durch solche ersetzen, an denen eine Beflaggung angebracht werden könne. «Es wäre schöne, wenn wir gerade im Bereich des Hafens entlang der Chamerstrasse beispielsweise die Flaggen der 26 Kantone und an anderer Stelle jene der elf Gemeinden für spezielle Anlässe anbringen könnten», erklärt Kaiser. Bis es aber soweit ist, müssten noch einige Abklärungen gemacht werden. «Es geht um eine Standortbestimmung. Dann müssen finanzielle und logistische Fragen geklärt werden und schliesslich braucht die Stadt ein Konzept, das regelt, wann und wo Flaggen angebracht werden können», führt Kaiser aus.

Rüsten für die Zukunft

Auch Stadtpräsident Dolfi Müller würde es begrüssen, wenn Zug künftig vermehrt Flagge zeigen könnte. «Wir haben dabei auch das eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 im Auge. Bis dahin sollten wir gerüstet sein», so Müller. Grundsätzlich wolle man die Beflaggung aber auch mit Bedacht einsetzen. «Darum brauchen wir ein Konzept, das diesen Einsatz definiert», so der Stadtpräsident. Dass die aktuelle WM ausserhalb der Stadien kaum präsent ist, begründet Müller auch damit, dass es sich bei dem Anlass nicht um einen «hausgemachten» handle. Zug und Luzern seien Austragungsorte. «Das ist kein Ereignis, das aus Zug heraus entstanden ist, wie etwa die Streethockey-Weltmeisterschaft, die im Juni stattfindet und von Oberwil aus organisiert wird», sagt Müller. Die werde eher zum Volksfest.

Dem stimmt auch Kim Haldemann, Eventmanagerin der Streethockey-Weltmeisterschaft zu. Die Organisatoren planen, die Stadt während des Anlasses mit Fahnen zu schmücken. «Wir werden im Bereich der Bossard-Arena sowie in der Vorstadt Flaggen anbringen. Ausserdem werden bei den Einfahrten in die Stadt Plakate aufgestellt», sagt Haldemann. Daneben setzen die Veranstalter auch auf ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm unter anderem mit Konzerten. «Streethockey ist eher eine Randsportart. Wir hoffen darum auch, durch ein attraktives Rahmenprogramm Leute anzuziehen. Es soll ein Fest für alle werden.»

Zufrieden mit den Zahlen

Und was sagen die Veranstalter des aktuellen Anlasses zur fehlenden Präsenz abseits vom Eis? «Wir hätten gerne mehr Werbung gemacht oder Flaggen aufgehängt», sagt Peter Lüthi, OK-Chef der Eishockey-U-18-WM. Allerdings sei das auch eine Frage der Finanzen. «Wir haben schlicht nicht das Budget für mehr Aktivitäten», so Lüthi weiter. Trotzdem sind die Veranstalter mit den Zuschauerzahlen bisher zufrieden. So hätten sich über 5000 Personen das Spiel der Schweiz gegen Kanada angesehen. Grundsätzlich seien es nicht die klassischen Eishockeyfans, die sich für eine Juniorenweltmeisterschaft interessierten. «Ich würde sagen, wir haben jene, die die Spiele sehen wollen, auch mit wenig Werbung erreicht», so Lüthi weiter. Hinzu komme, dass gerade in den europäischen Ländern im Gegensatz zu Nordamerika vor allem die Heimspiele der Juniorenmannschaften ein Publikumsmagnet seien. «Ich glaube darum nicht, dass wir mit Fahnen mehr Zuschauer an andere Spiele gebracht hätten.»

Samantha Taylor