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Über 4000 Betreuungstage im Baarer Tagesheim

Das Tagesheim im Pflegezentrum verzeichnet eine so hohe Nachfrage wie noch nie seit der Eröffnung. Der Leiterin zufolge gibt es nach wie vor Angehörige von Demenzkranken, die zu lange warten, bis sie Hilfe suchen.
Raphael Biermayr
Unter anderem mittels Bildkarten wird das Gedächtnis trainiert. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 24. April 2019)

Unter anderem mittels Bildkarten wird das Gedächtnis trainiert. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 24. April 2019)

Das Thema in der Gesprächsgruppe im Baarer Tagesheim ist der Frühling. Im Hintergrund erklingt Vivaldis gleichnamiges Stück aus den «Vier Jahreszeiten» und in der Mitte des Tischs liegt ein achtteiliges Puzzle, das die Senioren, die hier «Gäste» genannt werden, gerade gelöst haben. Nun hält die Gesprächsleiterin ein Bild von einem Paar vor einer Vespa in die Höhe und fragt nach den Gefühlen, die die Anwesenden damit assoziieren. Es bleibt ruhig, ehe die Gesprächsleiterin die Gruppe daran erinnert, dass kurze Zeit zuvor beim Betrachten des genau gleichen Bilds unter anderem das Wort «Freiheit» geäussert worden ist.

Es sind in der Regel Demenzkranke, die im Tagesheim Baar, das eine eigene Abteilung mit mehreren Räumlichkeiten im Pflegezentrum bildet, Aktivitäten nachgehen. Vereinzelt werden auch Menschen mit Parkinson oder MS-Betroffene betreut. Seit dem Sommer 2018 zeichnet Kerstin Kläy für die Leitung des Tagesheims verantwortlich. Sie hat kürzlich die Medien über die Höchstbelegung seit der Eröffnung vor 15 Jahren informiert: Im Jahr 2018 verzeichnete man über 4000 Gästebetreuungstage. Diese verteilten sich auf etwa 65 Personen, die von Montag bis Freitag mindestens einen Tag pro Woche dort verbrachten. Dadurch erhalten die Angehörigen Entlastung, was zentral ist. Denn, das hat die Erfahrung gezeigt, wer als Angehöriger besser mit seinen Energiereserven haushaltet, kann länger für den Betroffenen daheim sorgen. Dadurch kann ein Eintritt ins Pflegeheim herausgezögert werden. Es besteht auch die Möglichkeit zu tageweisen Aufenthalten mitsamt Übernachtungen und zu wochenweisen Aufenthalten in sogenannten Ferienbetten.

«Die Anzeichen frühestmöglich erkennen»

Die Buchungsbestmarke im Tagesheim sei vor allem durch eine grosse Nachfrage im zweiten Halbjahr 2018 zu Stande gekommen. Kerstin Kläy führt das auf herbstliche Veranstaltungen wie die Zuger Messe zurück, dank derer das Thema «Demenz» wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden sei. Mit besagter Medienmitteilung will sie dazu beitragen, dass das so bleibt. Nach wie vor warteten Angehörige oft zu lange, bis sie beim Hausarzt oder bei der Alzheimervereinigung Zug um Beratung bitten. «Es geht darum, die Anzeichen frühestmöglich zu erkennen und Hilfe zu suchen», führt sie aus. Typische Anzeichen seien Schwierigkeiten mit der Orientierung sowie eine anhaltende Schwäche des Kurzzeitgedächtnisses.

Kläy wird bei ihren Ausführungen von einer Betreuerin unterbrochen. Ein Gast ist gestürzt und klagt jetzt über Schmerzen in einer Hand. Kläy erklärt der Betreuerin routiniert, was zu tun ist: Umgehend die Kinder der Frau informieren und sie zur Kontrolle der Hand ins Spital bringen. Möglich, dass die Frau bald vergessen hat, was ihr zugestossen ist.

Eine der vielen Herausforderungen für die fachlich hervorragend ausgebildeten Mitarbeiterinnen im Tagesheim stellen die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Krankheit und deren Auswirkungen unter den Betroffenen dar. Bei der Zusammensetzung der Gruppen vor dem Eintreffen der Senioren – maximal acht Personen finden sich in einer – wird auch darauf Rücksicht genommen. Man versucht, so gut wie möglich auf die individuellen Bedürfnisse des Gasts einzugehen.

Kerstin Kläy erwähnt das während der Führung durch das Tagesheim mehrmals. «Beim Eintrittsgespräch und den Folgegesprächen mit den Gästen und deren Angehörigen finden wir heraus, was ihnen im Leben Freude bereitet hat oder wichtig war, und welche noch vorhandenen Ressourcen erhalten oder gefördert werden sollen. Wir richten unsere Gruppenaktivitäten danach aus.» Was aber, wenn jemand ein Einzelgänger ist? Auch darauf werde Rücksicht genommen, sagt Kläy. Dank mehrerer Räumlichkeiten kann auch dem Bedürfnis nach Ruhe Rechnung getragen werden.

Eine Menge Zeit im Tagesablauf nimmt das Gedächtnistraining ein. Doch nicht nur die geistige Beweglichkeit soll möglichst erhalten bleiben: Das gilt auch für die körperliche. Darüber hinaus steht den Tagesheimgästen ein grosszügiger, geschützter Garten zur Verfügung, der auch für die geleiteten Aktivitäten genutzt wird. Dass der Garten einen Rundgang enthält, ist weder dem Zufall noch ästhetischen Überlegungen geschuldet. «Demenzkranke haben aus einer inneren Unruhe heraus oft das Bedürfnis, sich ausgiebig zu bewegen. Hier ist sichergestellt, dass sie immer weiter gehen können», erklärt Kläy.

Tagesbetreuung: neuer Anbieter
in Baar

Auch im Pflegezentrum Ennetsee in Cham gibt es seit längerem ein Tagesheim, im Gegensatz zum Pflegezentrum Baar ohne gesonderte Abteilung. Sie werden also in den Regel-Pflege-Betrieb eingegliedert. Ab 1. Januar besteht zudem auch in den Altersheimen Martinspark und Bahnmatt in Baar die Möglichkeit zu Tages- und Mehrtagesaufenthalten. Es werden die gleichen Leistungen geboten wie im Pflegezentrum Ennetsee. Im Gegensatz dazu ist das Angebot aber wahlweise von 8 bis 19 Uhr täglich sowie an Wochenenden erhältlich. Gemäss dem Geschäftsführer der Altersheime Baar, Johannes Kleiner, ist die Schaffung von Tagesaufenthalten Teil der allgemeinen Entwicklung weg vom klassischen, rein stationären Pflegeheim hin ambulanten Angeboten.

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