Überbauung der SBB-Gleise in Zug bleibt ein Traum

Am Dienstagabend tagt der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug. Unter anderem debattiert er über die Antwort des Stadtrats zu einem Postulat zur Planung und Entwicklung des Güterbahnhofareals. Skeptisch steht der Stadtrat einer Idee der Postulanten gegenüber.

Charly Keiser
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An der Sitzung vom Dienstag, 19. März, des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug (GGR) wird nebst dreizehn anderen Traktanden das höchst interessante Postulat zur Planung der SBB auf dem Areal Güterbahnhof behandelt. In diesem forderten die Gemeinderäte Philip C. Brunner (SVP), Roman Burkard (FDP), Martin Eisenring (CVP) und David Meyer (GLP) den Stadtrat auf, die SBB im Bezug auf die Entwicklung des Güterbahnhof-Areals anzugehen. Insbesondere platzierten die vier Parlamentarier die spektakuläre Idee zur Überbauung der Gleise und forderten zudem zusätzliche Verbindungen zwischen Ost und West.

Jein heisst die Antwort des Stadtrats auf das Begehren. «Für die weitere Entwicklung der Stadt Zug ist es von grosser Bedeutung, dass die beiden Areale Landis & Gyr und Güterbahnhof in den kommenden Jahren entwickelt, überbaut und einer vielseitigen, neuen Nutzung zugeführt werden können, unter anderem mit preisgünstigen Flächen für Wohnen sowie Gewerbe und Dienstleistungen», schreibt der Stadtrat. Einer Überbauung der Gleisanlagen stehe er hingegen aus städtebaulicher und wirtschaftlicher Sicht aus heutiger Perspektive kritisch gegenüber, heisst es weiter. «Zumal genügend Entwicklungsflächen in der unmittelbaren Umgebung sowie in weiteren Gebieten der Stadt Zug zur Verfügung stehen.»

Eine Überbauung der Gleise steht und fällt aber wohl mit dem Willen der SBB, die Gratisfläche überhaupt beanspruchen zu wollen. Doch die Empfehlung im SBB-Bericht «Randbedingungen der Infrastruktur für die Überbauung des Gleisbereiches und des Freiverlades» verheisst diesbezüglich nichts Gutes: «Die SBB äusserte sich kritisch, signalisierte aber, für Lösungen Hand zu bieten, beginnt das Papier. Konkret werde in Aussicht gestellt, die Randbedingungen aus Sicht der SBB Infrastruktur darzulegen. Die generelle Feststellung ganz zum Schluss ist deutlich: «Entscheidend ist, dass auch der Umschlag schwerer Güter mit einem Pneukran und entsprechendem Ausleger ausgeführt werden könne. Eine Überbauung sollte deshalb grundsätzlich vermieden werden. Sollte eine Überbauung dennoch in Betracht gezogen werden, ist eine Beurteilung des BAV auf der Basis eines Projektentwurfes einzuholen.»

Neue Verbindungen erwünscht

Im Gegensatz zur Überbauung der Gleise unterstützt der Stadtrat das Anliegen der Postulanten, die Quartiere westlich und östlich der Gleise besser miteinander zu verbinden. «Weil die Gleisanlagen auf einem Hochdamm liegen, bieten sich ebenerdige Unterführungen an. Diese Verbindungen sind hindernisfrei – allenfalls mit flachen Rampen – rasch und einfach benutzbar, sowohl von Fussgängern wie auch von Radfahrern», schreibt der Stadtrat. Eine Gleisüberbauung biete hingegen keine optimale Verbindung. Die Höhendifferenz von bis zu 17 Metern, ab Stadtniveau bis EG Gleisüberbauung, müsste mit Treppen oder Liftanlagen überwunden werden, argumentiert der Stadtrat weiter. «Eine ebenerdige Unterführung ist für die kurze Strecke des Gleisfelds von lediglich 55 Metern attraktiver und komfortabler.» Bereits in Planung befinde sich die Unterführung Guthirt, die möglichst gleichzeitig mit der Entwicklung der Areale Landis & Gyr und Güterbahnhof erstellt werden solle. Sie diene einerseits als Quartierverbindung Ost-West für Fussgänger und Radfahrer und ermöglicht andererseits einen neuen Bahnhofzugang am nördlichen Ende der Perronanlagen. Zudem ist kurz- bis mittelfristig eine Aufwertung der Unterführung Gubelstrasse, also des Gubellochs, für Fussgänger sowie Radfahrer, und langfristig eine weitere Unterquerung der Gleise auf Höhe Theilerstrasse-Äussere Güterstrasse gemäss kommunalem Richtplan vorgesehen.

Städtischer Nutzungsmix

Der Stadtrat nimmt einige Anliegen der vier bürgerlichen Politiker auf, die Folgendes forderten: Für das Areal soll ein städtischer Nutzungsmix mit Bildung, Kultur und Unterhaltung angestrebt werden, der ein Wohnungsangebot inklusive preisgünstiges Wohnen enthält. Es sei eine längerfristige städtebauliche Perspektive zu verfolgen, insbesondere mit einer Verbindung zwischen den westlichen und östlichen Stadtteilen, und mittelfristig eine Immobilien-Nutzung des Gleisraums im Sinne einer Überdachung ins Auge zu fassen. «Dazu sollte in den entsprechenden Studien und Masterplan-Arbeiten der Bereich vom Bahnhof bis zur Feldstrasse einbezogen werden.» Zusammenfassend verlangten sie vom Stadtrat, dass eine städtebauliche Gestaltung so anzustreben sei, dass die neuen Bauten ein Zug angemessenes Eingangstor der Stadt von Norden her darstellen würden.

«Der Stadtrat und die SBB gehen mit den Postulanten einig, dass auf dem Areal Güterbahnhof eine Bebauung mit einem vielfältigen, städtischen Nutzungsmix entstehen soll», steht in der Antwort. Dazu gehörten unter anderem auch preisgünstige Flächen für Wohnen sowie Dienstleistungen und Gewerbe. «Das städtebauliche architektonische Konzept ist Hand in Hand mit dem Nutzungskonzept zu erarbeiten – mit Einbezug des Quartiers und der Öffentlichkeit.» Nur so könne ein stimmungsvoller, flexibler und langfristig funktionierender Quartierteil entstehen. Der genaue Ablauf der Planung und der Mitwirkung werde in den kommenden Monaten von Stadt und SBB erarbeitet.

Hinweis:
Die Sitzung vom Dienstag, 19. März 2019, des Stadtparlaments beginnt um 17 Uhr und findet im Kantonsratssaal statt.