Kommentar

Übertourismus

«Overtourism» (Übertourismus) ist ein offener Konflikt zwischen Einheimischen und Besuchern an stark besuchten Zielen. Ein Problem, das der Kanton Zug nicht hat, schreibt Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung». International steht Zug im Ruf mehr Wirtschaftsstandort als Feriendestination zu sein. Das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben.

Harry Ziegler,
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Harry Ziegler

Harry Ziegler

Zu viele Touristen – darüber klagte jüngst der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi. Er musste in einem beliebten Zentralschweizer Skiort für seinen Geschmack etwas lange am Lift warten. Die Zeit nutzte er für eine Attacke auf Twitter. Diese wiederum löste Diskussionen unter Tourismusfachleuten aus. «Overtourism» (Übertourismus) ist ein offener Konflikt zwischen Einheimischen und Besuchern an stark besuchten Zielen.

Übertourismus: Das ist ein Problem, das Zug (noch) nicht kennt. Auch wenn der Kanton als Wirtschaftsstandort international bekannt ist, der Ruf als Feriendestination hält sich in überschaubaren Grenzen. Das zeigt unter anderem auch die Logiernächtestatistik, die Zug Tourismus an der Generalversammlung präsentierte. 2018 musste ein Rückgang von 0,9 Prozent auf 302 196 Logiernächte gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden.

Eigentlich war geplant, Zug bis 2025 zu einer klassischen Tourismusdestination im Voralpengebiet zu machen. Dieser Plan ist mittlerweile der Ernüchterung gewichen, dass Zug eben doch mehr Wirtschaftsstandort denn Tourismusdestination ist. Entsprechend werden nun wieder kleinere Brötchen gebacken, auch wenn noch nicht ganz klar ist, wie klein sie denn tatsächlich werden sollen. Tatsache ist, dass der Schweizer mit 37,6 Prozent der Logiernächte die bedeutendste Gästegruppe ist. Und die will entsprechend gepflegt sein. Da hat die Geschäftsführerin von Zug Tourismus schon einige Ideen. Das Potenzial, im Kanton mehr Tourismus zu generieren, sei vorhanden. Und die Chance, sich der Schweiz zu präsentieren, auch: das Esaf. Aber auch damit dürfte «Overtourism» im Kanton Zug auf absehbare Zeit kein ernsthaftes Problem werden.