Über 5000 Zuger Firmen meldeten seit Anfang Jahr Kurzarbeit an

Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons gibt Auskunft über die Anzahl der Kurzarbeitsgesuche seit dem Lockdown Mitte März.

Tijana Nikolic
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Die Wirtschaft leidet unter der Coronakrise. Noch nie gab es so viele Firmen, die Kurzarbeit beantragen mussten. Nach den ersten Lockerungsmassnahmen in der Schweiz kehrt nun die Zuversicht zurück. Doch wie viele Kurzarbeiter gibt es momentan tatsächlich im Kanton Zug? Eine definitive Antwort kann die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zug zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben. Denn die aktuell vorhandenen Daten betreffen die Voranmeldungen von Kurzarbeit, welche im Amt Wirtschaft und Arbeit bearbeitet werden. «Die Anmeldung beinhaltet nur selbsteinschätzende Angaben des Betriebs über den möglichen Umsatzeinbruch, gemessen an der Unterbeschäftigung für die kommenden Monate, welche nicht genau angegeben werden müssen. Demnach ist es eine Schätzung», erklärt die Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut.

Zahlenmässig sehe diese Schätzung wie folgt aus: Im Januar und Februar, also vor der Einführung der Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, beantragten laut der Statistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) im Ganzen lediglich neun Zuger Unternehmen, mit insgesamt 55 Angestellten, Kurzarbeit. Im März, als sich das Virus bereits im ganzen Land ausgebreitet hatte, meldeten sich 3945 Unternehmen mit total 39050 Mitarbeiter für die Kurzarbeit an. Im April waren es nochmals 1077 Firmen mit 5146 Angestellten, was ein Total von 5031 Unternehmen und 44251 Angestellten in den letzten vier Monaten macht.

Dreimonatige Verzögerung

Die effektiv ausbezahlten Fehlstunden werden von der Arbeitslosenkasse berechnet. «Da aber die Firmen nach Abschluss eines Monats drei Monate Zeit haben, die Fehlstunden einzureichen, wird die Statistik vom Seco mit dreimonatiger Verzögerung publiziert», kommentiert Silvia Thalmann die Zahlen. Demnach seien am 7. Mai die definitiven Januarzahlen publiziert worden, nicht aber die provisorischen Daten vom Februar bis April.

Zug habe eine überdurchschnittliche Anzahl Betriebe sowie Arbeitnehmende, da Betriebe das Hauptsitzprinzip wählen könnten, erklärt die Volkswirtschaftsdirektorin weiter. «Das sind beispielsweise Schweizer Unternehmen, die in fast allen Kantonen der Schweiz eine Niederlassung haben, jedoch sämtliche Niederlassungen über Zug laufen lassen», erläutert die Regierungsrätin. Dies schlage sich demnach auch auf die Zuger Daten nieder. In Zug sei eine hervorragende Wirtschaftssituation durch die Coronakrise abrupt gebremst worden.

Die Zuger Volkswirtschaftsdirektion stelle des Weiteren fest, dass die Unternehmen die Öffnungsschritte verantwortungsbewusst mittragen. Es sei das Ziel aller, rasch wieder die gewohnten Umsätze zu erreichen. «Aufgrund der Einschränkungen ist dies mit den bisherigen Angeboten nicht immer möglich, weshalb neue Angebote entwickelt werden», so Thalmann.

Unterschiedlich betroffen von den Massnahmen

Zudem stelle man fest, dass die Branchen sehr unterschiedlich von den einschränkenden Massnahmen betroffen seien. «Der Detailhandel wurde ab dem 16.März beispielsweise stark eingeschränkt. Wir gehen heute davon aus, dass die Anzahl Anträge für Auszahlungen von Kurzarbeitsentschädigungen für die Monate April und Mai gegenüber dem März ansteigen und dann wieder zurückgehen werden», erläutert die Regierungsrätin weiter. Den Rückgang würde die Direktion aufgrund der Öffnungsschritte vom 27. April und vom 11. Mai erwarten.

Viele Faktoren würden mit der schrittweisen Rückkehr zur neuen Normalität auf das Wiedererstarken der Wirtschaft einwirken. Es sei deshalb angezeigt, die kommenden Monate mit unterschiedlichen Szenarien zu planen.

«Im dritten Quartal werden wir klarere Hinweise haben, wie stark die Krise auf die Wirtschaft einwirkt.»

Da im Kanton Zug viele international tätige Unternehmen ihren Sitz haben, spiele zudem die Entwicklung des Weltmarkts eine tragende Rolle.

Arbeitslosenquote ist bereits gestiegen

«Bereits heute stellen wir einen Anstieg der Arbeitslosenquote fest», verrät Thalmann. Auch hier reagiere man situationsgerecht auf die Veränderung, in dem die Volkswirtschaftsdirektion das Team im Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) nur soweit ergänze, wie dies nötig sei. «Bis in das Jahr 2021 rechnen wir bei heutigem Kenntnisstand mit einem starken Anstieg der Arbeitslosenzahl, einer Stabilisierung im Verlauf des Jahres und einem Rückgang in der zweiten Jahreshälfte», prognostiziert Silvia Thalmann abschliessend.