Über 70 Wildtiermeldungen im Kanton Zug sind bereits eingegangen

Auf der neuen Plattform zug.wildenachbarn.ch beteiligen sich Bürger rege. Das möglicherweise auch dank der Coronakrise.

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Ein junger Fuchs versteckt sich im Unterholz.

Ein junger Fuchs versteckt sich im Unterholz.

Bild: Jan Steiner/PD

(bier) Die neue Tierbeobachtungsplattform hat seit der Einführung besonders viele Meldungen verzeichnet. «Es wurden bereits über 70 Wildtierbeobachtungen im Kanton Zug erfasst. Diese Zahl ist sehr hoch, wenn wir bedenken, dass zug.wildenachbarn.ch nur wenige Tage vor dem Lockdown lanciert wurde», wird die Wildtierbiologin Anouk Taucher in einer Medienmitteilung zitiert.

Dies sei wohl darauf zurückzuführen, dass Menschen im Moment aufmerksamer sind für die Natur und sich mehr als sonst zuhause im Garten oder in der Natur aufgehalten haben. Die Wildtierbiologin und ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen von der Wildtier-Forschungsgemeinschaft Swild in Zürich gehen nicht davon aus, dass sich in den letzten Wochen mehr Wildtiere als sonst in die Städte gewagt haben. Anpassungen von Wildtieren an veränderte Umweltbedingungen geschehen normalerweise nicht innert weniger Tagen oder Wochen. «Wir können uns aber gut vorstellen, dass sich zum Beispiel nach einem halben Jahr Quarantäne die Wildtiere vermehrt auch tagsüber zeigen würden», sagt Taucher.

Chamer Zusatzprogramm «Igel gesucht»

Zusätzlich zum Projekt «Wilde Nachbarn Zug» wird in Cham das Schwerpunktprogramm «Igel gesucht» durchgeführt. Dabei werden Igel-Daten in Cham systematisch erhoben. Das Projekt kann trotz Corona – unter Einhaltung der Weisungen und Sicherheitsempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) – durchgeführt werden, schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. «Wir haben in Cham 20 Freiwillige gefunden, die beim Projekt mitmachen und sind startklar. Im Juni 2020 geht es los», berichtet Manuela Hotz, die Projektleiterin Umwelt der Einwohnergemeinde Cham.

«Die Freiwilligen sind alleine oder als Paar unterwegs und betreuen während sechs frei wählbaren, aufeinanderfolgenden Tagen jeweils rund zehn Spurentunnels. Diese werden mit Farb- und Papierstreifen ausgerüstet und in Privatgärten und Grünflächen platziert. Geht ein Igel durch einen solchen Spurentunnel, hinterlässt er seine Pfotenabdrücke. So wird sichtbar, wo Igel unterwegs sind», führt Hotz aus. Weitere Anfragen zum Projekt beantwortet sie gerne telefonisch oder per E-Mail (Manuela Hotz, Tel. 041 723 87 77, manuela.hotz@cham.ch).

Die Bevölkerung hilft mit

Im Rahmen des Projektes «Wilde Nachbarn Zug» sind die Organisatoren ebenfalls an Igel- Beobachtungen aus dem ganzen Kanton Zug interessiert. Mithilfe der Bevölkerung «Wilde Nachbarn Zug» und das Schwerpunktprogramm «Igel gesucht» sind klassische «Citizen Science Projekte», bei denen die Bevölkerung mithilft, Daten zu erheben. Sie leisten einen wichtigen Beitrag dazu, herauszufinden, wie es um die Wildtierpopulationen in den Gemeinden des Kantons Zug steht, heisst es in besagter Mitteilung weiter.

«Der Artenschutz bietet viel Potenzial für den Miteinbezug der Bevölkerung», ist Stefan Rey, Projektleiter Artenschutz des Kantons Zug, überzeugt. Sämtliche Daten der Projekte werden übrigens in die nationale Datenbank eingespeist und stehen den Behörden, aktiven Naturschutzkreisen und der interessierten Bevölkerung zur Verfügung.

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