Kolumne

Über das Klischee von Männer- und Frauenarbeit

Tijana Nikolic, Redaktorin der «Zuger Zeitung», kann dem Satz «Das ist doch Männerarbeit» nicht viel abgewinnen.

Tijana Nikolic
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Letzte Woche, nichts ahnend auf dem Zugerberg, hörte ich diesen verhassten Satz wieder: «Das ist doch Männerarbeit.» Ja, tatsächlich, und das von einer meiner besten Freundinnen. Wir machten gerade eine Pause bei einem Grillplatz, der eigentlich geschlossen wäre und schauten einem Mami dabei zu, wie sie verschiedene Grillwaren auf den öffentlichen Grill legte. Ich verpasste der Freundin einen bösen Blick und verdrehte danach demonstrativ die Augen.

Redaktorin Tijana Nikolic.

Redaktorin Tijana Nikolic.

Bild: Maria Schmid (Zug, 31. März 2020)

Noch nie habe ich verstanden, warum Arbeit auf Geschlechter aufgeteilt werden soll. Noch weniger in Zeiten der Emanzipation. Meine Kollegin ist ansonsten sehr pfiffig und es gäbe keine Arbeit, die ich ihr nicht zutrauen würde. Deswegen überraschte mich dieser Satz umso mehr. Danach erzählte sie mir, dass sie Feuer machen könnte. Das Fleisch richtig zu grillieren, sollten aber Männer übernehmen. Beinhaltet das eine ständige Männerbegleitung bei Ausflügen, fragte ich mich später.

Bei der Beobachtung des grillierenden Mamis liess sie es sich aber nicht nehmen, zu kommentieren, dass man die Würste nicht gleichzeitig mit dem Fleisch auf den Grill legen könne und die Frau das falsch mache. Ich gab wenigstens ehrlich zu, dass meine Fleischkünste vom Grill an Schuhsohlen erinnern. Aber wahrlich nicht, weil ich eine Frau bin.

Solche Bezeichnungen gab es früher bei meiner Familie zu Hause nicht. Da galt: Jeder kann alles. Ich war sowieso, wenn man es klischeemässig ausdrücken will, eher burschikos und wild und mein Bruder eher sanft und verletzlich als Kind. Deswegen habe ich solche Gedankengänge nie und bin umso mehr erstaunt über solche Aussagen. Früher hab ich in meiner Empörung noch endlose Diskussionen darüber geführt. Heute weiss ich es besser. Denn wie bei Gesprächen über Politik und Religion kommt man auch bei diesem Thema, nicht auf einen gemeinsamen Nenner.

Man muss auch nicht immer gleicher Meinung sein. Ich akzeptiere Positionen, solange sie nicht zu extrem in gewisse Richtungen rutschen. Das ist doch das Schöne an der Vielfältigkeit auf dieser Welt. Wir bleiben trotzdem befreundet, auch wenn wir manchmal nur den Kopf über einander schütteln können.