Über dem Nebel auf dem Zugerberg

Dank der Standseilbahn gelangt man in wenigen Minuten von Zug auf den Zugerberg (925 Meter), von wo aus man bei schönem Wetter einen herrlichen Blick in die Voralpen hat. Auch das Angebot an Wander- und Bike-Routen kann sich sehen lassen.

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Der Zugerberg ragt aus dem Herbstnebel. (Bild: Keystone / Sigi Tischler)

Der Zugerberg ragt aus dem Herbstnebel. (Bild: Keystone / Sigi Tischler)

Friedemann Bartu

Hase, Fuchs oder Hirsch? Das ist hier die Frage. Denn auf dem Zugerberg steht jedes dieser Waldtiere für einen bestimmten Rundwanderweg: der Hase für eine kurze, eindreiviertel Stunden dauernde Rundtour, die sich vor allem für Familien mit kleinen Kindern eignet. Der Fuchs für einen zweieinhalbstündigen Marsch durch eine schöne Moorlandschaft. Und der Hirsch für eine vierstündige Wanderung, die sich auch gut als Ganztagesausflug gestalten lässt. Dazu kommen im Sommer weitere fünfzehn unterschiedliche Touren, einschliesslich eines knapp fünfstündigen Aufstiegs zum Wildspitz und zum dort 2002 neu eröffneten Berggasthaus.

Hervorragende Beschilderung

Im Winter dagegen reduziert sich das Angebot auf drei bis vier gepfadete Winterwanderwege über dem Nebel sowie diverse Langlauf- und Schneeschuhtouren. Wann genau der Winter beginnt, hängt jeweils vom Wetter ab. Heuer lag bereits Ende Oktober für einige Tage beinahe ein halber Meter Neuschnee auf dem Zugerberg – eine rekordverdächtige Menge, die aber in der Folge rasch wieder dahinschmolz. Ergo war bei unserem Besuch Anfang November kaum mehr etwas von dieser weissen Pracht zu sehen. Immerhin war der von uns gewählte Rundweg Nummer 4 – im Zeichen des Hirsches – stellenweise recht matschig; doch nirgends versperrte Neuschnee den Weg.

Und auch Verirren ist ausgeschlossen, denn sämtliche Wanderwege sind hervorragend markiert. Sie verlaufen auf mehrheitlich flachem Terrain und führen durch herrlich duftende Wälder, vorbei an Hochmooren, Weiden und Wiesen. Auch wenn die Stadt Zug heutzutage zu den reichsten Gemeinden der Schweiz zählt und sich einen Namen als Standort internationaler Rohwarenhändler gemacht hat, so gilt für den Kanton wohl noch immer, was der Sozialwissenschafter Werner Fritschi vor mehr als zwei Jahrzehnten gesagt hat: «Im Zugerland regiert nicht Hermes, der Handelsgott. Es herrscht Demeter, die Göttin des Ackerbaus.» Diesen Eindruck gewinnt, wer vom Zugerberg hinab in die rurale Ebene blickt.

Dass die Zuger aber gute Geschäftsleute sind, davon zeugt die alte Sage vom «Zuger Alpli», welches auf der Route hinauf zum Wildspitz liegt. Der Legende nach soll sich die Gemeinde Ägeri vor Urzeiten einmal Geld bei der Stadt Zug geliehen und als Sicherheit ebendiese Alp am Rossberg eingebracht haben. Als später der Zeitpunkt zur Rückzahlung dieser Schulden kam, machte sich eine Gruppe Männer aus Ägeri mit dem Geld auf den Weg nach Zug. Unterwegs wurden die Schuldner aber von ihren Gläubigern überrascht, welche ihnen in einem Lokal unterwegs grosszügig Speis und Trank offerierten.

So gelang es den Zugern, zu verhindern, dass die Männer aus Ägeri – wie vertraglich vereinbart – vor Sonnenuntergang in Zug eintrafen, um die Schulden zu begleichen. Und so konnte Zug die Alp behalten, während die Herren aus Ägeri unverrichteter Dinge mit ihrem Geld nach Hause zurückkehren mussten. «Üch blibt s Gäld, üs aber s schöne Alpli», sollen ihnen die Zuger damals erklärt haben.

Eine Zusatzschlaufe

Einen Hinweis auf dieses «Alpli» findet man heute etwa beim Wegweiser an den Fiselstuden (970 Meter). Von diesem Platz aus mit gedecktem Unterstand und offener Feuerstelle, den man nach gut einer Stunde Wanderung ab der Bergstation erreicht, führt ein Weg hinauf zum Alpli. In Fiselstuden verabschiedet sich auch der Hirsch vom Fuchs, nachdem bereits zuvor der Hase seinen Rückweg angetreten hat. Viel später, bei der Feuerstelle Ewegstafel, werden sich die drei unterschiedlichen Pfade allerdings erneut vereinen.

Während der Weg des Fuchses nun schnurstracks zum Buschenchäppeli und weiter zum gemütlichen Restaurant Pfaffenboden mit der herrlichen Sonnenterrasse führt, legt die Route des Hirsches eine ausgiebige Zusatzschleife bis zum Aussichtspunkt Grossmattstolle ein, dem mit 1097 Metern wahrscheinlich höchsten Punkt dieser Rundtour.

Die Forstverwaltung hat offensichtlich nicht damit gerechnet, dass hier an diesem Wochenende Wanderer unterwegs sein könnten. Auf einer Strecke von rund hundert Metern blockieren plötzlich grosse gefällte Nadelbäume den Wanderweg, so dass akrobatische Ausweichmanöver nötig werden.

; . Das erwähnte Restaurant Pfaffenboden ist bis und mit 15. November geschlossen.