ÜBERGRIFFE: Zuger Polizei nimmt Köln zur Kenntnis

Viele Zuger fühlen sich nicht erst seit Silvester unsicher. Stimmt deren Gefühl – und wie lauten mögliche Rezepte dagegen?

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Wo viele Menschen nahe beieinander sind, ist auch Vorsicht geboten. (Archivbild Werner Schelbert)

Wo viele Menschen nahe beieinander sind, ist auch Vorsicht geboten. (Archivbild Werner Schelbert)

Charly Keiser

Das Sicherheitsempfinden der Zugerinnen und Zuger ist in den letzten Jahren drastisch gesunken. Dieses Gefühl zeigt sich häufiger an Anlässen, an denen es um die Flüchtlings- und Asyl- sowie die dazugehörenden Sicherheitsfragen geht. So zum Beispiel an einem Anlass Ende Jahr in Unterägeri, als viele zusätzliche Stühle in der Ägerihalle aufgestellt werden mussten. Gründe für dieses Gefühl dürften unter anderem die starke Zuwanderung und die gestiegene Zahl der Sexualstraftaten sein (Tabelle).

Verunsicherung ist gross

«Wir schaffen das.» Dieser Satz von Angela Merkel zur Flüchtlingskrise werde in die Geschichte eingehen und habe sie bewogen, das besagte Referat von Publizist Toni Stadler und die Podiumsdiskussion zur Flüchtlingskrise zu organisieren, verrät FDP-Kantonsrätin und Präsidentin der Staatswirtschaftskommission Gabriela Ingold. Schon zuvor im Nationalratswahlkampf habe sie eine grosse Verunsicherung im Volk ausgemacht, sagt die Unterägererin: «Genau genommen habe ich auf der Strasse nichts anderes gehört als: ‹Bitte räumt endlich beim Zuger Sexskandal auf – und nehmt euch des Asylproblems an.›» Es sei doch einfach naiv zu glauben, man könne Hunderttausende junge Männer importieren und meinen, es entstünden dadurch keinerlei Probleme, erklärt Ingold. «Wir müssen in unserem Handeln und im Umgang mit Asylbewerbern restriktiver werden. Wir müssen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge in ihrer Region in menschenwürdigen Lagern betreut werden.»

An Brisanz gewinnt der von Ingold organisierte Anlass nun noch wegen der Vorfälle an Silvester in Köln oder Zürich, an denen laut polizeilicher Aussagen möglicherweise auch Flüchtlinge beteiligt waren. Es stellen sich deshalb jetzt nicht nur für viele Zuger Fragen zur Sicherheit. Dies unter anderem auch in Bezug auf die rund je 100 Flüchtlinge oder Asylbewerber, die im Salesianum in Zug und in Baar Aufnahme finden werden – und aufgrund der beginnenden Fasnacht.

«Erkenntnisse berücksichtigt»

Die Zuger Polizei habe die Geschehnisse in Köln zur Kenntnis genommen, sagt die Mediensprecherin der Zuger Polizei, Judith Aklin. Es handle sich hierbei um massive Übergriffe auf Frauen. Dieses Phänomen sei auch für die Polizei neu. «Das Geschehene wird analysiert und auch in die laufende Lagebeurteilung einfliessen», sagt Aklin. «Berücksichtigt werden auch die Analyse beziehungsweise die Erkenntnisse der deutschen Polizei.» Sie würden zwar lediglich eine Jahresstatistik und keine «Fasnachtsstatistik» führen, ergänzt die Medienchefin. «Wir stellen während der Fasnacht keine Häufung von Anzeigen wegen Sexualstraftaten fest.» Dominierende Delikte an der Fasnacht seien: Tätlichkeiten, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, Ruhestörungen, Sachbeschädigungen sowie Urinieren in der Öffentlichkeit.

So schützt man sich vor Gewalt

Tippskk. Die Polizei gibt folgende Tipps zum Schutz vor sexueller Gewalt durch Fremde:

  • Angriff abwehren: Als wirksame Gegenwehr gelten beispielsweise lautes Schreien, sich losreissen, Boxen oder Fusstritte.
  • Wer alleine zu Hause ist, sollte keinesfalls Fremde in die Wohnung lassen. Türspion und/oder Gegensprechanlage benutzen. Die Wohnungstür nur mit Sperrbügelschloss öffnen.
  • Nachts alleine nur auf gut beleuchteten Wegen und belebten Strassen gehen. Dazu sollten ruhig auch Umwege in Kauf genommen werden.
  • Passantinnen ansprechen und gemeinsam mit diesen den Heimweg antreten.
  • Nicht auf Pfiffe und Zurufe reagieren.
  • Nicht in Fahrzeuge Fremder einsteigen.
  • Keinen Autostopp machen.
  • Kontakt mit Betrunkenen meiden.
  • Eigenen Alkoholkonsum nicht übertreiben, denn dieser kann Unvorsichtigkeit bewirken.
  • Bei der Rückkehr zum Auto und auf dem Heimweg die Schlüssel bereithalten.
  • Darauf achten, dass kein Fremder folgt.