UHRENHANDEL: Millionen für ein Zuger Start-up

Die junge Firma Chronext will den Online- Handel von Luxusuhren revolutionieren. Ihr Wachstum bis jetzt ist enorm.

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Die Chronext-Gründer Ludwig Wurlitzer (links) und Philipp Man. Das Bild entstand vor zwei Wochen bei einem Aufenthalt in Zürich. (Bild: pd)

Die Chronext-Gründer Ludwig Wurlitzer (links) und Philipp Man. Das Bild entstand vor zwei Wochen bei einem Aufenthalt in Zürich. (Bild: pd)

Maurizio Minetti

Am Grafenauweg 10 in Zug ist eine Firma beheimatet, die bislang in der Schweiz unter dem Radar der Öffentlichkeit blieb. In Deutschland hingegen hat sie schon für viel Aufsehen gesorgt. Die Rede ist von Chronext, die einen gleichnamigen Online-Marktplatz für Luxusuhren betreibt. Erst 2013 gegründet, hat Chronext bisher umgerechnet 18 Millionen Franken an Risikokapital angehäuft. Erst vergangene Woche hat das Start-up eine weitere Finanzierung in der Höhe von 11 Millionen Euro abgeschlossen.

Uhrenliebhaber am Küchentisch

Dass Chronext bei unserem nördlichen Nachbarn eine starke Beachtung geniesst, liegt daran, dass die beiden Gründer Deutsche sind. Der 24-jährige Ludwig Wurlitzer stammt aus Nürnberg, der 25-jährige Philipp Man aus Köln. Letzterer wohnte eine Zeit lang in Küssnacht und hat derzeit in Rotkreuz eine Bleibe. Wobei der CEO aber kaum dort anzutreffen ist. «Heute bin ich in London, morgen fliege in nach Köln, um danach weiter nach München zu reisen; am Donnerstag und Freitag bin ich in Zürich und am Wochenende wieder in London», sagte Man gestern im Gespräch. «Und das, obwohl ich gar nicht gern fliege.» Reisen gehört für ihn aber zum Geschäft. 60 Prozent des Umsatzes generiert Chronext mit Kunden aus dem deutschsprachigen Raum. Der Rest kommt hauptsächlich aus England. Zukünftig soll der grösste Markt die USA sein.

Die Geschäftsidee für Chronext entstand vor vier Jahren in der Küche einer Londoner Wohnung. «Wir sind Uhrenliebhaber aus Passion», sagt Man, der an der Cambridge Judge Business School eine Abschlussarbeit über den Luxusuhrenmarkt verfasst hat. Doch den Markt kennt er nicht nur in der Theorie: «Ich habe rund ein halbes Jahr in einem Luxusuhrengeschäft gearbeitet. Uns war klar, dass hier ein grosses Potenzial besteht, die bestehenden Vertriebskonzepte auf den Kopf zu stellen.»

Die Branche, in der sich die beiden Jungunternehmer bewegen, ist milliardenschwer. Und die Margen sind im Vergleich mit anderen Sektoren üppig. Hinzu kommt, dass bisher gemäss Kennern erst 1 bis 2 Prozent des weltweiten Luxusuhrenhandels online stattfinden. Das Potenzial scheint also tatsächlich riesig. So überrascht es nicht, dass neben Chronext in den letzten Jahren einige weitere Online-Händler entstanden sind. Bekannte Namen sind Chrono24 aus Karlsruhe sowie Montredo und Watchmaster aus Berlin.

Europaweit 100 Leute beschäftigt

Das Wachstum von Chronext ist indes beeindruckend: Schon im ersten Jahr betrug der Umsatz 1 Million Euro. Letztes Jahr wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 380 Prozent auf einen zweistelligen Millionenbereich. «Dieses Jahr erwarten wir ein Wachstum von 600 Prozent, wobei wir 2017 die Grenze von 100 Millionen Franken knacken werden», sagt Philipp Man zuversichtlich. Weil es am Grafenauweg langsam eng wird, zügelt Chronext demnächst an die Gotthardstrasse. Derzeit arbeiten acht Personen bei Chronext in Zug. Sie kümmern sich hauptsächlich um Marketing und Administration. Europaweit beschäftigt das Start-up knapp 100 Leute.

Rund 15 000 Uhren führt Chronext aktuell, darunter die bekanntesten Marken wie Rolex, Breitling oder IWC. 60 Prozent des Sortiments umfassen neue Uhren, der Rest sind gebrauchte Exemplare. «Wer bei uns eine Uhr kauft, schliesst den Kaufvertrag direkt mit uns ab», sagt Man. Durch die Beschaffung über Händler und Hersteller könne man bessere Preise als die stationäre Konkurrenz anbieten. Anfänglich sei es zwar nicht einfach gewesen, an den offiziellen Vertriebswegen vorbei die Ware zu beschaffen. «Mittlerweile haben wir aber eine Grösse erreicht, bei der man uns nicht ignorieren kann», sagt Man.

Nicht nur online

Wie stark ist die von Deutschen geführte und von internationalen Investoren gestützte Firma in der Schweiz verankert? «Wir sehen uns ganz klar als Schweizer Firma», sagt Man. Als es 2013 darum ging, eine Hauptniederlassung zu suchen, habe man sich schnell für Zug entschieden. «Es war klar, dass wir in der Schweiz sein wollten, weil die Uhrenindustrie hier zu Hause ist», so Man. Da die Miete in Zürich zu teuer war, entschied man sich für Zug, wo man über Bekannte ein sehr gutes Angebot fand. Für ihn war es somit auch eine Rückkehr, hat er doch zuvor für die Boston Consulting Group in Baden sowie bei Glencore in Zug gearbeitet. Ende 2015 hat Chronext einen ersten Flagship-Store in London eröffnet. Dort können Kunden online bestellte Ware abholen oder einzelne Exemplare anschauen. Weitere eigene Läden sind derzeit nicht geplant, doch Philipp Man sagt: «Sollten wir in der Schweiz einen eigenen Laden eröffnen, würden wir wahrscheinlich nach Zug gehen.» In Luzern, so sagt der Uhrenliebhaber, gebe es schon genug Läden.