UMFAHRUNG CHAM-HÜNENBERG: Am Perimeter hängen 36 Bundesmillionen

124 Einsprachen sind gegen das Umfahrungsprojekt eingegangen. In einem Punkt hat jetzt ein Bundesamt eine klare Ansage gemacht.

Samantha Taylor
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Befürchten, dass sie durch den Perimeter abgeschnitten werden: die Geschäfte an der Zugerstrasse. (Bild Maria Schmid)

Befürchten, dass sie durch den Perimeter abgeschnitten werden: die Geschäfte an der Zugerstrasse. (Bild Maria Schmid)

Samantha Taylor

Gleich zwei grosse Umfahrungsprojekte stehen im Kanton Zug in den nächsten Jahren auf dem Programm. So einerseits die Tangente Zug/Baar und andererseits die Umfahrung Cham–Hünenberg (UCH). Während bei der Tangente bereits in diesem Jahr grosse Schritte anstehen – mit den Arbeiten soll im Sommer begonnen werden – steht man im Ennetsee an einem ganz anderen Punkt. Insgesamt 124 Einsprachen sind im August 2015 gegen das Projekt eingegangen. Seitens der Baudirektion hiess es im Sommer, man wolle diese nun prüfen und kategorisieren. Unterteilen wollte man die Einsprachen in solche, die man gutheissen könne, solche rein technischer Natur und solche politisch-technischer Natur. «Wir haben in den vergangenen Wochen die Triage vorgenommen und entsprechende Diskussionen geführt», sagt Baudirektor Heinz Tännler auf Anfrage. Zu den Details könne man allerdings aufgrund der laufenden Verhandlungen nichts sagen.

Geringere Verkehrsreduktion

Allerdings: Beim wohl grössten Streitpunkt hat das Bundesamt für Raumplanung (ARE) gesprochen. Die Rede ist vom Perimeter der Kameraüberwachung. Zur Erinnerung: Der Chamer Gewerbeverband will, dass dieser ausgedehnt wird. In diesem Perimeter gilt ein Verbot für die Durchfahrt. Diese ist mit dem Auto nämlich dann erlaubt, wenn man sich mindestens 10 Minuten im Zentrum aufhält. Damit soll verhindert werden, dass die Strasse durchs Zentrum weiterhin zur Durchfahrt genutzt wird. Ausserdem soll der Verkehr so auf die Umfahrung gelenkt werden.Der Perimeter bildet zusammen mit einer Tempo-30-Zone die flankierenden Massnahmen zur Beruhigung des Dorfzentrums. Der Gewerbeverband hatte die Ausdehnung des Perimeters gefordert, damit die Geschäfte an der Zugerstrasse Richtung Alpenblick – die aktuell ausserhalb des Perimeters liegen – nicht von der Durchfahrt abgeschnitten würden.

«Das ARE unterstützt einzig den ursprünglich vorgesehenen Perimeter gemäss dem Bau- und Auflageprojekt», sagt Heinz Tännler. Einen erweiterten Perimeter lehne es ab, so der Baudirektor weiter. Das habe sich bei Abklärungen, die man mit dem ARE getroffen habe, gezeigt. «Das ARE begründet seine Haltung unter anderem damit, dass bei einer Erweiterung des Perimeters die Reduktion der Verkehrsbelastung deutlich geringer sei, als beim aufgelegten engeren Perimeter. Ausserdem müsste bei einer Ausdehnung bei deutlich mehr untergeordneten Strassen ein Kontrollsystem eingeführt oder die Zufahrt unterbunden werden», so der Baudirektor weiter.

Bund könnte aussteigen

Dass das ARE dem Perimeter zustimmt, ist zentral. Denn der Bund bezahlt an die UCH einen Beitrag von rund 36 Millionen Franken aus dem Agglomerationsprogramm Zug 1. Generation. «Ein Projekt mit jeglicher Erweiterung des Perimeters ist nicht bewilligungsfähig», betont Heinz Tännler und führt aus: «Erweitern wir den Perimeter, würde das bedeuten, dass der Bund das Projekt nicht mehr mitfinanziert, und die 36 Millionen Franken gingen verloren.» Dies sei keinesfalls im Interesse des Kantons. Seitens des ARE erklärt man, dass die flankierenden Massnahmen eine Bedingung für die Mitfinanzierung der UCH durch den Bund sind. «Wird der Perimeter ausgedehnt, verliert die Massnahme ihre Wirkung. Darum lehnt das ARE eine Vergrösserung des Perimeters ab», sagt Lukas Kistler, Kommunikationsbeauftragter des ARE.

Der Baudirektor ist allerdings zuversichtlich, dass man mit allen Einsprechern eine einvernehmliche Lösung finden werde. «Die Umfahrung Cham–Hünenberg ist ein viel zu wichtiges Projekt, um es scheitern zu lassen.» Wann die Einsprachen bereinigt sein werden und wann mit dem Bau der UCH begonnen werden kann, ist noch nicht abschliessend geklärt. Angestrebt wird laut Tännler nach wie vor ein Baustart in den Jahren 2019/20.