Umfahrung Cham-Hünenberg benötigt viel mehr Land als geplant

Das Strassenprojekt soll deshalb erneut vor das Volk kommen, so die Forderung von linker Seite.

Zoe Gwerder
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Im Jahr 2007 hatte das Zuger Stimmvolk die Umfahrung Cham-Hünenberg gutgeheissen und für das Projekt 230 Millionen Franken gesprochen. Heute, 12 Jahre später, ist klar, dass mit dem Projekt über ein Fünftel mehr Land überbaut wird, als ursprünglich geplant war. Und es wird 22 Millionen Franken teurer. Dies schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf die Interpellation «Projektänderungen der Umfahrung Cham-Hünenberg».

Der Vorstoss stammt von drei ALG-Kantonsräten. Unter ihnen Ivo Egger. Er fordert, dass die Bevölkerung die Möglichkeit erhalten soll, erneut über die Umsetzung der Umfahrung Cham-Hünenberg abzustimmen. «Mit all den zusätzlichen Massnahmen ist es nicht mehr das Projekt, über welches wir abgestimmt hatten. Nach 12 Jahren stimmt einiges nicht mehr.» Egger meint damit die Kosten sowie den zusätzlichen Landbedarf. Letzterer steigt gemäss der Regierung von den ursprünglichen 9,9 Hektaren auf 12,1 Hektaren – um 22 Prozent. Dies sei auf mehrere Punkte zurückzuführen.

Der grösste Anteil fällt auf die «vom Kantonsrat bewilligte Projektänderung Brücke Gibelfeld». Dort benötige es 1,27 Hektaren zusätzliches Land. Zudem gebe es verschiedene «marginale Projektanpassungen» welche die zusätzlichen 0,93 Hektaren ausmachen, heisst es in der Antwort. Der Regierungsrat gibt als Beispiele den Rad- und Fussweg entlang der Knonauerstrasse, der neu abgesetzt von der Strasse entstehen soll, ökologische Ausgleichsmassnahmen, welche ausserhalb des Strassenperimeters liegen, sowie einen Bypass beim Kreisel Teuflibach an. «Dies sind alles Zusatzmassnahmen, die schleichend eingeplant wurden», so Ivo Egger.

Baudirektor Florian Weber nimmt zur Interpellationsantwort nur schriftlich Stellung. Auf die Frage, wieso die Anpassungen gemacht, beziehungsweise nötig wurden, schreibt er knapp: «Jedes Bauprojekt unterliegt einer Entwicklung. Ausgehend vom generellen Projekt ergeben sich naturgemäss Projektkonkretisierungen.»

Zusätzlicher Landbedarf ist gemäss Weber «marginal»

Die Forderung nach einer erneuten Abstimmung über das Projekt bezeichnet Weber als «unberechtigt». Er führt an, dass die Projektänderung bei der Brücke Gibelfeld, welche den grössten Anteil an zusätzlichem Land ausmacht, vom Kantonsrat bewilligt worden war. «Ansonsten hat sich der Landbedarf mit zusätzlichen 0,93 Hektaren lediglich marginal verändert.» Gleichzeitig habe der projektierte vorübergehende Landbedarf während der Bauphase um 0,9 Hektaren abgenommen.

Dass die Umfahrung Cham-Hünenberg mehr kostet, habe jedoch nicht nur damit zu tun. Gemäss dem Regierungsrat führte insbesondere ein Entscheid des Kantonsrates dazu, dass sich die Ausgaben für das Land mehr als verdoppelten: von 5,6 Millionen auf 12,2 Millionen Franken.

So bestimmte der Kantonsrat vor 10 Jahren, dass bei Landkäufen für kantonale Bauvorhaben in der Landwirtschaft künftig anstatt 20 Franken neu 80 Franken pro Quadratmeter gezahlt werden sollen.

Zusätzlich wird sich der Kanton an der flankierenden Massnahme «Strassenraumgestaltung Autoarmes Zentrum» in Cham mit 7,6 Millionen Franken beteiligen. Weitere 7,9 Millionen fliessen ausserdem in die Entschädigung der Gemeinden Cham, Hünenberg und Risch für die Abklassierung von Kantonsstrassen zu Gemeindestrassen.

Indes rechnet die Regierung vor, dass der bewilligte Rahmen- und Objektkredit von 230 Millionen Franken in Anbetracht der Teuerung – hier der gestiegene Baupreisindex – heute, 12 Jahre später, 273 Millionen Franken entspreche. Die zusätzlichen 22 Millionen, die das Projekt voraussichtlich kosten werde, sind gemäss der Regierung zwar im bewilligten Rahmenkredit erhalten, jedoch noch nicht freigegeben. Sie kündigt an, voraussichtlich im nächsten Jahr eine weitere Tranche des Rahmenkredits zur Bewilligung dem Kantonsrat vorzulegen.

Die Regierung stellt einen Baustart der Umfahrung Cham-Hünenberg frühestens ab 2022 in Aussicht. Vorausgesetzt die noch vor Bundesgericht hängigen Einsprachen werden erledigt.