Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Leserbrief

Umfahrung Cham Hünenberg: Es braucht dringend eine Kurskorrektur

«Strassenprojekt vor Gericht hängig», Ausgabe vom 12. Juli

In der «Zuger Zeitung» vom 12. Juli wurde von der Interpellation zur Umfahrung Cham Hünenberg (UCH) der grünen Kantonsräte berichtet. Leider vermisse ich im Artikel eine Information zum Inhalt und dem Grund, warum sie eingereicht wurde. Ich möchte hier ein paar Fakten aufzeigen, die mehr Klarheit zu dieser Angelegenheit bringen könnten.

2007 hat die Zuger Stimmbevölkerung in einem einstufigen Verfahren mit 50,3 Prozent der Planung und Realisierung der UCH für 180 Millionen Franken plus 50 Millionen Reserve zugestimmt. Im Abstimmungsbüchlein hatte der Kanton ein klar definiertes Projekt vorgestellt, obwohl wir über dessen Planung abstimmten. Die einzige mir bekannte Basis für die Berechnung des Preises war der Richtplan. Gemäss diesem Richtplan soll 111 000 Quadratmeter Landwirtschaftszone durch eine zweispurige Strasse überbaut werden. Kaum war die Abstimmung durch, wurde ein brisantes Detail nach dem andern publik. Zuerst haben die Planer gemerkt, dass der Kreisel Lindencham überlastet sein werde, und haben ihn kurzerhand vergrössert und eine Brücke gebaut. Dafür wurden vom Kantonsrat 15 Millionen Franken von der Reserve freigegeben.

Dann hat man bemerkt, dass der grosse Teil des Verkehrs in Cham hausgemacht und kein Durchgangsverkehr ist. Anschliessend wurden durch die Chamer sämtliche Begleitmassnahen bekämpft, bis der Regierungsrat mit der Bevölkerung eine neue aus dem Hut zauberte, die nichts mit den versprochenen Massnahmen im Abstimmungskampf zu tun hatte. 2014 kam mit dem Auflageprojekt der Umweltverträglichkeitsbericht an die Öffentlichkeit. Wie stark sich das Projekt verändert hat, zeigt eine Zahl deutlich: Der Landwirtschaftslandverbrauch stieg auf 186 000 Quadratmeter oder 70 Prozent mehr als im Richtplan vorgesehen. Müsste da nicht auch der Preis für die Umfahrung steigen? Der Regierungsrat weigert sich, eine neue Kostenberechnung vorzunehmen und diese dem Kantonsrat zur Genehmigung vorzulegen.

Dass die UCH massiv teurer wird, zeigt der Vergleich mit der Tangente Zug Baar (TZB), die in Bau ist. Sie soll für 200 Millionen Franken auf einer Fläche von 77 000 Quadratmeter realisiert werden. Die gesamte Fläche der UCH liegt bei 215 000 Quadratmeter und soll für nur 195 Millionen gebaut werden. Die Spezialbauwerke der TZB sind nicht grösser, komplizierter oder mehr. Ein solches Projekt hätte heute vor dem Souverän keine Chance zu bestehen. Zu viel unbebautes Land wird überbaut, die Kosten sind zu hoch und die Verkehrszunahme zu gewaltig. Doch bleibt der Bevölkerung wegen des einstufigen Verfahrens, das es nur in Zug gibt, praktisch keine Korrekturmöglichkeit mehr. Es braucht dringend eine Kurskorrektur vom einstufigen zum zweistufigen Verfahren, damit wir in Zukunft wissen, über was wir abstimmen.

Philipp Kissling, Vorstandsmitglied Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), Sektion Zug

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.