UMFRAGE: Katzenjammer nach dem Trump-Triumph

Wie reagieren Menschen in Zug auf den Überraschungssieger bei den US-Präsidentschaftswahlen? Die Meinungen tönen gleich: Begeistert ist offenbar niemand.

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Mit seinem Ford Mustang: Robert Gottschalk aus Hagendorn. Bild: PD

Mit seinem Ford Mustang: Robert Gottschalk aus Hagendorn. Bild: PD

«Ich bin deprimiert», bekennt Roger Brooks, Präsident des International Men’s Club in Zug. Obwohl er einräumt, dass er die Wahl bis gestern nicht für entschieden eingeschätzt hat, überrascht ihn das Ergebnis gleichermassen. «Die einzige Hoffnung ist jetzt, dass die Suppe nicht so heiss gegessen wird, wie sie gekocht wurde», so Brooks. Immerhin habe Trump in seiner «Acceptance Speech» gestern Morgen Hillary Clinton für ihre Verdienste für die USA gedankt, anstatt wie im Wahlkampf ihr mit Gefängnis zu drohen. «Ich weiss allerdings nicht, wie weit Trump mit seiner Versöhnungspolitik gehen kann, will er seine Wählerschaft nicht vergraulen.» Wobei Roger Brooks klarstellt, dass Politiker ihre Wahlversprechen selten einhalten würden.

Auf den Strassen in Zug herrschte gestern Mittag ebenfalls Konsternierung. «Schlechter kanns nicht kommen, ich werde eine Kerze anzünden», sagt Tanja Iten (45) aus Zug. Und sie begründet ihre Ressentiments: «Seine Aussagen sind haarsträubend, genau wie seine Frisur.»

Auch ihre Kollegin Melanie Leber (23) ist gar nicht begeistert vom Ergebnis der Wahlen und ergänzt: «Wir haben heute am 9. 11. das umgekehrte Datum von den Terroranschlägen am 11. 9. Es ist erneut ein schwarzer Tag für die amerikanische Geschichte. Ich hoffe aber, Amerika macht das Beste daraus.»

Ein Passant eilt vorbei, meint, es sei ihm egal, da es ihn ja eh nicht betreffe. Ein anderer sagt, er habe keine Zeit. Und etwas abschätziger: «Für Trump sowieso nicht.»

Alles andere als egal ist die Wahl Trumps hingegen Miriam Stutler (16). Sie stammt aus South Carolina und lebt derzeit in Zug. Sie erklärt, dass im republikanischen Staat viele für Trump gestimmt hätten. «Nun da wir aber an diesem Punkt angelangt sind, fangen viele an, diese Tat zu bereuen. Wir wissen nicht, was er wirklich für uns tun kann, und das macht auch etwas Angst.» Sie gehe nun im kommenden Jahr wieder zurück in die USA und wisse nicht, was sie dann erwarte.

Weniger erschüttert ist hingegen Andreas Landolt (56) aus Zug. Er sei zwar überrascht über den Ausgang der Wahlen. «Ich habe aber keine Angst vor der Zukunft.» Er denke, dass es nicht so extrem rauskommen werde, wie viele das befürchten. «Ich denke, das politische System in den USA ist ein ziemlich grosser Apparat. Da würde es mich sehr überraschen, wenn da einfach einer kommen könnte, um alles über den Haufen zu werfen.»

Auch Zugs Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel ist überrascht. «Zu diesem Ergebnis beigetragen haben sicher die anders lautenden Umfrageergebnisse im Wahlkampf.» Die Erklärung fürs Resultat müsse in den USA selber gesucht werden: «Ein Grund scheint mir zu sein, dass Herr Trump es besser verstanden hat, die emotionale Seite abzuholen und mit Emotionen auch seine Anhänger zu mobilisieren.»

«Ein wütendes Volk hat Dampf abgelassen»

Bei den Auswirkungen für Zug ist der FDP-Regierungsrat vorsichtig. «Ganz direkt erwarte ich keine Auswirkung auf Zug – eine solche wäre zu befürchten, wenn eine allgemeine Stagnation oder gar Wirtschaftskrise folgen würde. Doch schon wenigen Stunden nach der ersten Schockreaktion an den Börsen scheinen sich diese – wegen der ersten moderaten Töne des Gewählten – wieder zu beruhigen.» Gleiches erhoffe er sich vom Wechselkurs Dollar–Franken. Bereits die Psychologie des moderat gehaltenen Sieges des neuen Präsidenten habe offenbar gewirkt. Michel: «Doch allein mit Reden und Psychologie ist es nicht getan.»

Clinton-Wähler Robert Gottschalk aus Hagendorn, schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger, fühlt sich nach dem Trump-Triumph «sprachlos» und sagt dann doch: «Eine meiner Töchter ist in Tränen ausgebrochen, die andere war wuterfüllt.» Amerikanische Freunde würden sich schämen für Trump und wollten auswandern, so «Mustang»-Fan Gottschalk: «Es ist ein Armutszeugnis, so jemanden zu wählen – aber ein wütendes Volk hat Dampf abgelassen.»

Zoe Gwerder und Wolfgang Holz