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Umfrage vor den Wahlen: Das beschäftigt die Zuger am stärksten

Wo sehen die Bürgerinnen und Bürger die grössten politischen Herausforderungen? Eine Umfrage gibt Antworten.
Harry Ziegler
Im schnell wachsenden Kanton Zug zählt auch die Zuwanderung zu den grossen politischen Herausforderungen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 10. Mai 2019)

Im schnell wachsenden Kanton Zug zählt auch die Zuwanderung zu den grossen politischen Herausforderungen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 10. Mai 2019)

Grundsätzlich sorgen sich die Zugerinnen und Zuger um dieselben Themen wie die restlichen Schweizerinnen und Schweizer. Sie gewichten diese nur etwas anders. Dies zeigt eine im Auftrag unserer Zeitung durchgeführte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sotomo. Dieses Institut hat auch die Umfrage zur Ständeratswahl im Kanton in unserem Auftrag durchgeführt. Befragt wurden im Zeitraum zwischen dem 9. und 30. September rund 700 Stimmberechtigte online.

Top-Thema der Zugerinnen und Zuger ist laut Umfrageergebnis die Reform der Altersvorsorge. 38 Prozent der Befragten setzten dies an die erste Stelle der politischen Herausforderungen in Zug. An zweiter Stelle (37 Prozent) rangiert die Sorge um den Klimawandel. Und mit je 34 Prozent beschäftigen auch die Beziehungen zur EU und die Zuwanderung. Kaum erstaunlich ist, dass die Steuerbelastung und die Staatsausgaben die Zugerinnen und Zuger mit lediglich 4 Prozent beschäftigen (siehe Grafik). Dies wohl auch unter dem Eindruck, dass für die Jahre bis 2023 Gewinne von jeweils weit über 100 Millionen Franken abgeliefert werden dürften. Und bekannt ist ja hinlänglich, dass Zug im Vergleich zu anderen Kantonen über äusserst wettbewerbsfähige Steuersätze verfügt.

Krankenkassenprämien beschäftigen in Zug weniger

«Die Top-5-Themen im Kanton Zug stimmen mit denjenigen in unserer schweizweiten Befragung überein», sagt Bruno Wüest vom Meinungsforschungsinstitut Sotomo. Es sind in dieser Reihenfolge schweizweit die Altersvorsorge, der Klimawandel, die Beziehungen zur EU, die Zuwanderung und die Krankenkassenprämien. «Was sich unterscheidet, ist die Reihenfolge. Das heisst die Zugerinnen und Zuger priorisieren gewisse Herausforderungen unterschiedlich», erläutert Wüest. «Während die Reform der Altersvorsorge für die Zuger oberste Priorität geniesst, folgt dieses Thema national betrachtet erst an vierter Stelle. Die Krankenkassenprämien, national das Top-Thema, beschäftigen die Zugerinnen und Zuger jedoch vergleichsweise wenig.»

Bürgerliche Dominanz als Erklärungsansatz

«Die Reform der Altersvorsorge ist ein klassisches Thema für die FDP und die wirtschaftsliberalen Flügel der CVP und SVP», führt der Experte aus. «Eine mögliche Interpretation des Unterschieds wäre deshalb, dass durch die Dominanz der bürgerlichen Parteien, deren wirtschaftsliberale Flügel im Kanton Zug ja traditionellerweise stark sind, dieses Thema auch unter den Stimmbürgerinnen und -bürgern in den Vordergrund rückt.»

Etwas anders sieht die Themenverteilung nach Parteien aufgeschlüsselt aus.

FDP: Sorge ums Klima nur ein Wahlkampfvehikel?

Für die Befragten mit FDP-Präferenz steht die Reform der Altersvorsorge mit 45 Prozent an erster Stelle der politischen Herausforderungen, knapp gefolgt von den Beziehungen zur EU (44 Prozent). 38 Prozent beschäftigen die Krankenkassenprämien. Für den Freisinn eher wenig sind die 29 Prozent, die sich um die Wettbewerbsfähigkeit und die Wirtschaft sorgen. Übrigens gleich viele, denen die Zuwanderung Sorge bereitet. Lediglich 25 Prozent der Befragten mit Präferenz FDP blicken mit Sorge auf den Klimawandel. Gerade dies ist allerdings ein von Parteichefin Petra Gössi verordnetes Wahlkampfthema.

SVP: Klimawandel kommt hier nicht vor

Das dominierende Thema bei den Zuger Anhängern der SVP ist mit 78 Prozent die Zuwanderung. Deutlich weniger beschäftigen Unabhängigkeit und Souveränität mit 42 Prozent Nennungen. Die Krankenkassenprämien bereiten 34 Prozent Sorge, während die Beziehungen zur EU und die Reform der Altersvorsorge mit 23 Prozent weniger beschäftigen. Interessant ist, dass eines der SVP-Kernthemen – Kriminalität und Sicherheit – nur gerade von 18 Prozent der Befragten, die der Partei zuneigen, genannt wird.

CVP: Beziehung zur EU interessiert am meisten

49 Prozent der Befragten, die eine Präferenz zur CVP äusserten, beschäftigt die Frage nach den Beziehungen zur EU am vordringlichsten. Mit 47 Prozent ähnlich stark beschäftigt die Reform der Altersvorsorge. Auffallend ist, dass sowohl bei SVP, FDP und CVP die Krankenkassenprämien in den Auswertungen nach Parteipräferenz an dritter Stelle liegen. Bei der CVP etwas höher gewichtet (42 Prozent) als bei SVP (34 Prozent) und FDP (38 Prozent). Die Sorge um den Klimawandel beschäftigt die CVP-Wählerschaft mit 31 Prozent in etwa gleich stark wie die Wettbewerbsfähigkeit und die Wirtschaft (30 Prozent). Lediglich 15 Prozent machen sich Sorgen um Unabhängigkeit und Souveränität.

SP: Die Partei setzt eigene Schwerpunkte

Bei den Befragten, die sich für die SP entscheiden, steht der Klimaschutz an erster Stelle (61 Prozent), gefolgt von der Reform des Rentenalters (49 Prozent). Wichtig ist für die SP-Anhänger der Natur- und Landschaftsschutz mit 45 Prozent der Nennungen. Etwas weniger wichtig und in der Umfrage nur von der SP-Wählerschaft genannt, sind die Wohnungspreise (26 Prozent). Die Gleichstellung der Frauen – hier ist die SP ebenfalls alleine – beschäftigt 20 Prozent, während die Beziehung zur EU noch für 19 Prozent eine politische Herausforderung ist. Die Krankenkassenprämien sind für die SP-Wählerschaft nur marginal ein Thema.

ALG: Umweltthemen dominieren deutlich

Top-Thema bei der Alternative – die Grünen (ALG) bildet der Klimawandel mit 94 Prozent der Nennungen. Deutlich dahinter folgt mit dem Natur- und Landschaftsschutz (47 Prozent) ein weiteres Kernthema der ALG. Weiter beschäftigen ihre Wählerschaft die Reform der Altersvorsorge (39 Prozent), die Krankenkassenprämien (27 Prozent) und die Zuwanderung (21 Prozent) sowie die Beziehungen zur EU (19 Prozent).

Auffallend ist, dass es sowohl bei den bürgerlichen als auch bei den linken Parteien thematische Gemeinsamkeiten – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung – gibt. So nennen die jeweiligen Wählerschaften aller Parteien als politische Herausforderung die Beziehungen zur EU oder die Reform der Altersvorsorge.

«Die Basis der SVP, FDP und der Grünen im Kanton Zug hat in etwa die gleichen Sorgen wie die Basis dieser Parteien im Rest der Schweiz, sowohl auf die Auswahl der wichtigsten Herausforderungen wie auch in Bezug auf deren Periodisierung», analysiert Bruno Wüest von Sotomo. «Für die Zuger CVP-Wählerschaft ist das Thema der Beziehungen zur EU hingegen vergleichsweise wichtiger als in der restlichen Schweiz, was mit dem Einfluss von Parteipräsident Gerhard Pfister, der häufig zu diesem Thema politisiert, zu tun haben könnte.»

Die Zugerinnen und Zuger, die der SP nahestehen, «setzen bei den sozialpolitischen Themen eigene Schwerpunkte», so Wüest. «Konkret sind die Wohnungsknappheit und die Altersvorsorge wichtigere Sorgen als die Krankenkassenprämien. Dies hat sicher damit zu tun, dass die Krankenkassenprämien im nationalen Vergleich eher tief ausfallen und zudem auch der Mittelstand die Wohnungsknappheit im Kanton Zug beklagt.»

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