Umstrittener Verein «Uniter» zieht nach Rotkreuz

Das Netzwerk Uniter beschäftigt in Deutschland Behörden, Medien und Politik. Der Sitz des Vereins war bislang in Stuttgart (D) – jetzt wurde er in den Kanton Zug verlegt.

Harry Ziegler
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Das Logo von Uniter: Schwert, Eichenlaub und der Buchstabe T, der auch für ein Kreuz gehalten werden kann.

Das Logo von Uniter: Schwert, Eichenlaub und der Buchstabe T, der auch für ein Kreuz gehalten werden kann. 

Bild: Uniter

Der Verein Uniter (lat: in eins verbunden) steht unter Beobachtung des  deutschen Verfassungsschutzes. Der Verein sorgt in Deutschland für Schlagzeilen. Sei es durch paramilitärische Trainings, Verbindungen in die Politik oder sogar mutmassliche Anschlagspläne. Nun hat der Verein, der 2016 gegründet wurde, laut eines Berichts des Onlinemagazins watson seinen Vereinssitz in den Kanton Zug verlegt - nach Rotkreuz. Dass der Sitz in den Kanton Zug verlegt wurde, ist wenig überraschend. Präsident und Vizepräsident leben in Zug und Luzern, wie wir früher berichteten.

«Die Zuger Polizei hat Kenntnis von Uniter sowie dem Umzug in den Kanton Zug. Aufgrund der uns vorliegenden Informationen übt der private Verein keine Tätigkeiten aus, die uns gemäss den gesetzlichen Vorgaben zu einem Handeln verpflichten», sagt Frank Kleiner, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. «Zudem sind uns zum jetzigen Zeitpunkt auch keine gewalttätigen oder strafrechtlich relevanten Aktivitäten bekannt. Auch möchten wir an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass es sich bei Uniter um keine in der Schweiz verbotene Organisation handelt», so Kleiner weiter.

Verlockende Schweizer Neutralität

Weshalb der Kanton Zug und die Schweiz nun als neuer Sitz ausgewählt wurden, begründete der Uniter-Vizepräsident gegenüber unserer Zeitung bereits im April des letzten Jahres folgendermassen: Mit einem Umzug in die Schweiz wolle man ein Zeichen für die eigene Neutralität setzen. Zudem sei auch von Vorteil, dass in der Schweiz viele UNO-Organisationen ihren Sitz hätten, zu denen sich Uniter hingezogen fühle. In den Vereinsstatuten heisst es: 

«Der gemeinnützige Verein Uniter ist ein Netzwerk, das dem Grundgesetz, den Menschenrechten und dem Frieden verpflichtet ist.»

Und weiter: «Uniter distanziert sich klar von jeder Art von Extremismus und unterstützt keine verbotenen oder extremistischen Organisationen. Wir leben unsere Leitgedanken und schaffen durch unser Netzwerk eine tragfähige Struktur gegenseitiger Hilfestellung abseits aller parteipolitischen Überlegungen. Unabhängig von nationalen Grenzen ist es das Ziel von Uniter, ein besseres gesellschaftliches Zusammenleben zu fördern.»

Verbindungen von Uniter zur Prepper-Szene?

Das deutsche Magazin «Focus» und die Tageszeitung «TAZ» brachten Uniter im November 2018 in die Schlagzeilen. Sie veröffentlichen damals ihre Recherchen über einen deutschen Soldaten, der der Eliteeinheit der Bundeswehr angehört hat – dem Kommando Spezialkräfte (KSK). Name: André S., Deckname: Hannibal. Hannibal ist Kopf und Mitgründer von Uniter. Weitere Medien wie die «NZZ», die «Welt» oder das Fernsehmagazin «Monitor» folgten.

Gleichzeitig hat André S. alias Hannibal mehrere Chat-Gruppen mit Personen aus der Prepper-Szene unterhalten. Der Begriff stammt vom englischen «to prepare».  Prepper bereiten sich auf Situationen vor, in denen das Leben nicht wie gewohnt stattfindet: Naturkatastrophen, Versorgungsengpässe, Aufstände. Sie decken sich mit Vorräten ein, horten Konserven, Wasserreserven, Treibstoff. Dazu raten zwar auch die Behörden. Dennoch sind Prepper eine Minderheit, der ein Ruf als Verschwörungstheoretiker, Weltuntergangs-Fantasten und Schwarzmaler anhaftet.

Ermittlungen wegen Terrorverdachts

Zudem geriet eine Person aus einer Chatgruppe Hannibals ins Visier der Justiz. Der ehemalige Soldat der deutschen Bundeswehr soll einen Terroranschlag geplant haben, für den er einen Asylbewerber verantwortlich machen wollte, um den Fremdenhass in Deutschland zu schüren. Gegen zwei weitere Personen aus einer Chatgruppe wurden Ermittlungen wegen Terrorverdachts aufgenommen. Der Verdacht: Unter dem Deckmantel des als gemeinnützig deklarierten Vereins Uniter  entstünde ein rechtes Untergrundnetzwerk, eine rechtsnationale Schattenarmee.

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