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UMWELT: «Das Stromtanken sollte gratis sein»

Die Elektromobilität in Zug lässt gemäss einem Tesla-Fahrer im Vergleich zum Ausland zu wünschen übrig. Trotzdem ist er begeistert – und hat dafür gute Gründe.
Wolfgang Holz
Frisch gezapft: Diego Dudli an der E-Tankstelle im «Zugerland». (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Frisch gezapft: Diego Dudli an der E-Tankstelle im «Zugerland». (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

«Wir haben das Glück, seit einem Jahr mit einem Tesla vollelektrisch unterwegs zu sein», erzählt Diego Dudli. Nach drei Wochen Ferien in Skandinavien, in denen er 6150 Kilometer mit seiner Familie durch Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland und retour gefahren ist, steht für den Hünenberger fest: «Noch nie waren wir so komfortabel, sicher, schnell und entspannt unterwegs.» Etappen von täglich 400 bis 600 Kilometern, aber auch das Stromtanken sei kein Problem – dank des flächendeckenden «Supercharger»-Netzes. Sprich: jenes Schnellladesystems, das von Tesla selbst aufgebaut worden ist. Gratis-Ökostrom inklusive. Die Batterie mit Strom «zu füllen», dauere nur zwischen einer halben und einer Stunde. Dudli: «Das ist höchst willkommen nach einer zwei- bis dreistündigen Fahrt: Zeit für einen Kaffee, die Toilette und einen Spielplatzbesuch.»

Für einen Stromer quasi paradiesische Verhältnisse. Doch wie sieht es mit Elektromobilität in der Praxis im Kanton Zug aus? Denn da dauert das Stromaufladen deutlich länger. Einen «Supercharger» gibts in Zug keinen – der nächste steht in Beckenried in Nidwalden. Oder in Wallisellen. Insgesamt sind nur sieben öffentliche E-Tankstellen registriert.

Zapft Strom vor allem zu Hause

Diego Dudli zapft deshalb Strom für seinen Tesla Model S vor allem zu Hause in der Tiefgarage an der eigens installierten Privat-Tankstelle – und zwar 100 Prozent Ökostrom der Elektrogenossenschaft Hünenberg. «Hätte ich nicht meine eigene Stromtankstelle, sähe es schlecht aus. Ich kann doch nicht ständig ins Zugerland, bei den WWZ oder sonst wo laden gehen und dort stundenlang warten, bis der Akku voll ist.» Der Hünenberger, der von Beruf Planer ist, räumt denn auch ein, dass in der Schweiz und im Kanton Zug bislang noch zu wenige Autofahrer vollelektrisch unterwegs sind. Die Gründe: ein ungenügendes Fahrzeugangebot, mangelnde staatliche Anreize sowie eine fehlende und unpraktikable Ladeinfrastruktur. «Notwendig wäre vor allem ein einheitliches, flächendeckendes Ladenetz mit gleichen Steckern.» Zudem müsste laut Dudli der Zugang zu den Ladesäulen verbessert werden – ohne komplizierte RFID-Karten-Bezugssyteme von lokalen Betreibern mit einfachen Zahlungsmöglichkeiten wie Kreditkarten oder via App. Und: «Das Stromtanken sollte als Anreiz bis ins Jahr 2025 gratis und erst danach kostendeckend sein.» Doch davon ist man im Kanton Zug teilweise noch Lichtjahre entfernt – selbst wenn man an einigen E-Tankstellen im Zugerland oder bei der Amag gratis tanken kann. Denn für die neue WWZ-E-Tankstelle in Baar etwa wird nämlich eine Pauschale von 2 Franken pro Ladung verlangt. Dies sei kostenorientiert und solle dazu beitragen, dass keine fast vollgeladenen Fahrzeuge den E-Parkplatz blockieren, hiess es seitens der WWZ.

«So wie beim Benziner»

Doch ob dies wirklich genug Anreiz ist, dort zu tanken, bleibt fraglich. Bis jetzt sieht man jedenfalls nur wenige Autofahrer an der neuen Baarer E-Tankstelle der WWZ, die bis Ende Jahr ja noch sieben weitere Ladestationen installieren wollen. «Aktuell arbeiten wir intensiv an der Entwicklung von Ladelösungen im privaten Bereich – charge@home – und ziehen auch den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur mit Schnellladestationen in Betracht», informiert Robert Watts, WWZ-Kommunikationsverantwortlicher. In puncto weiterer E-Tankstellen sei man abschliessend mit Zug und Cham im Gespräch. Watts ist überzeugt: «Der Kunde muss wissen, dass er laden kann – insbesondere dort, wo er wohnt.» Auch wenn die Reichweite der E-Autos laufend zunehme und bei vielen Modellen schon heute für den Nahverkehr ausreichend sei, so Watts, «ist die Gewissheit, jederzeit einfach nachladen zu können, massgeblich für den Kaufentscheid. So wie man es sich vom Benziner gewohnt ist.»

Dudli ist mittlerweile von der Elektromobilität überzeugt. Erstens, weil er die Umwelt nicht mehr mit Lärm und 7200 Kilogramm CO2 pro Jahr belaste. «Und beim Verbrauch schlägt das Elektroauto alle vergleichbaren Benziner und Dieselfahrzeuge.» Sein wahrer gemessener Jahresdurchschnittsverbrauch betrage 24,1 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Dies entspreche einem vergleichbaren Benzinverbrauch von 2,65 Litern. Die Betriebskosteneinsparung bei 25 000 gefahrenen Kilometern pro Jahr liege momentan bei über 4000 Franken. Dudli: «Das ist das beste Auto, das ich je hatte.» Kein Wunder: Der Tesla kostete 115 000 Franken.

Wolfgang Holz

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