UMZUG ALOSEN: Fasnächtler feiern «Nöd ganz hundert»

Wenn Dorfgrössen vom Gemeinderat eine Defizit- garantie für ein Quartierfest verlangen, ist das ein Thema für die Alösler Fasnacht.

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Das Herti-Stadion war ebenso bei den Alösler Legoren am Fasnachtsumzug ein Thema. (Bild Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Das Herti-Stadion war ebenso bei den Alösler Legoren am Fasnachtsumzug ein Thema. (Bild Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Unter dem Motto «Nöd ganz hundert» nahmen die Alösler Legoren gestern mit träfen Versen lokale, aber auch internationale Ereignisse auf die Schippe. Manchmal liebevoll, dann aber auch wieder bissig. Die Legoren von Alosen sind besonders stolz darauf, dass sie mit Ausnahme der Guggenmusigen die Sujets mit den eigenen Leuten bestreiten. «Wir verfügen über langjährige und zuverlässige Wagenbaugruppen», sagt dazu Legorenvater Herbert Schönmann.

Enge Kurven umschifft
Von den 15 Nummern waren deren acht aufwändig gemachte Sujetwagen, von denen sich die brisantesten aufs Lokale bezogen. So zum Beispiel «s chli Füürhorn», das mit dem «Millionendorf» ein Ereignis karikierte, das scheints im Dorf einiges Kopfschütteln verursacht haben soll. Es ging um das Begehren von nicht unbekannten Dorfgrössen, die Gemeinde möge doch für ein Quartierfest eine Defizitgarantie abgeben.

Allerdings erschwerten die engen Kurven im Kern von Alosen den zum Teil überdimensionierten Gefährten, welche die Wagenbauer konstruiert hatten, das Durchkommen.

Bühnenspiel mit vielen Pointen
Wem die Sujets nicht auf Anhieb etwas sagten, konnte sich beim Bühnenspiel schlau machen. Allerdings musste man mit dem Schweizerdeutschen vertraut sein. Die Alösler Legoren verwenden - neben modernen Vokabeln - gerne kernige Mundartausdrücke. So bei der Beurteilung des Stadionneubaus im Herti, wo es hiess: «Sie händ es Nüübuüprojekt, das isch ganz verreckt.» Andere Nummern, wie zum Beispiel die goldene Hochzeit des englischen Königspaares, waren weniger verfänglich. Allerdings nahmen es die Büttenredner zum Anlass, um über Dinge zu spotten, die wenig mit Majestäten zu tun hatten.

Besucher an der Alösler Fasnacht werden nicht zum Kauf einer Plakette angehalten. Trotzdem gab es auch bei der 99. Ausgabe der Fasnacht für jedes Kind ein Päckli. Das ist auch nur möglich dank den Sponsoren. «Das Sponsoring läuft heute privat wie geschäftlich, meist über Beziehungen», sagte dazu der oberste Legor. Der Einsatz, den es dafür brauche, sei nicht zu unterschätzen.

Planung fürs 100-Jährige läuft
Das wird sich im nächsten Jahr noch akzentuieren, wenn die Alösler Legoren das 100-jährige Bestehen feiern. Die Planung habe schon begonnen, sagt Herbert Schönmann, ohne Einzelheiten zu verraten. Die Umzugsbesucher wurden aufgefordert, sich das Datum der nächsten Fasnacht jetzt schon zu merken. Und zwar gereimt:«Das müend er üch hinder d Ohre schrybe, dass er dänn au zwe Täg chönd blybe!»

Hansruedi Hürlimann