Umzugsvorbereitungen im Doku-Zug laufen auf Hochtouren

Das Doku-Zug (Dokumentationszentrum Zug) bekommt in der Bibliothek Zug ein neues Zuhause.

Daniela Sattler
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3, 2, 1, los: Das Doku-Zug zieht bald um. Sara Marty (links), Patrick Mühlefluh und Denise Schlegel sind bereit.

3, 2, 1, los: Das Doku-Zug zieht bald um. Sara Marty (links), Patrick Mühlefluh und Denise Schlegel sind bereit.




Bild: Matthias Jurt (Zug, 1. Oktober 2020)

6750 Klappdeckelschachteln mit einem Gesamtgewicht von rund 20 Tonnen müssen laut Geschäftsführerin des Doku- Zug Sara Marty Anfang November über die Strasse gebracht werden. «Die Integration in die Bibliothek Zug ist für Doku-Zug ein Riesenprojekt und die Umzugsvorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren», erklärte sie weiter. Mit einem Tag der offenen Tür läutete das Dokumentationszentrum Zug den letzten Monat an seinem Standort ein. Zahlreiche Gäste trafen sich daher letzten Donnerstag an der St.-Oswalds-Gasse 16, um gemeinsam mit den Mitarbeitern durch die einzigartige Geschichte der Doku-Sammlung zu streifen, nochmals in den Themendossiers zu stöbern und um mit dem Gründer und langjährigen Geldgeber des Dokumentationszentrums, Daniel Brunner, einige Worte zu wechseln.

Brunner, Mitgründer und Verleger der «Zuger Presse», machte in den frühen 1980er-­Jahren linke Politik. Er erklärte, warum er seine private Sammlung 1991 der Öffentlichkeit zur Verfügung stellte.

Möglichkeit für Studenten, sich zu informieren

Nicht aus Eitelkeit gründete der Landis + Gyr Erbe mit publizistischer Leidenschaft aus seiner improvisierten Dokustelle am Ibelweg Mitte der 1990er-Jahre das Dokumentationszentrum Büro Gegenwind mitten in der Altstadt. Seine politischen Mitstreiter, später auch Studenten von Hochschulen, sollten sich gut informieren können.

Aus der Parteipolitik hat er sich schon lange zurückgezogen. Nicht aber aus seinem Engagement für das Doku-Zug. Dieses verabschiedete sich mit der Aufstockung des Personals 1993 vom Privatarchiv. Das öffentlich zugängliche Doku-Zug umfasst heute mehr als drei Millionen Dokumente in rund 4600 Dossiers sowie Informationen über rund 200 Länder dieser Welt, rund 600 Zeitschriften und über 8000 Sachbücher. Die Besucher werden beim Sammeln von Informationen und bei umfangreichen Recherchen von Dokumentationspersonal mit breitgefächerten Kenntnissen unterstützt.

Eine teure Leidenschaft, die Brunner hegte. Die Betriebskosten des Doku-Zug, die sich auf rund eine Millionen Franken jährlich beliefen, hat er mehr als 25 Jahren alleine getragen. Um Doku-Zug finanziell breiter abzustützen, gründete Brunner Mitte 2017 die Stiftung Doku-­Zug und erklärte, weiterhin jährlich mindestens 200000 Franken beizusteuern und allfällige Finanzlücken bis Mitte 2019 zu schliessen.

Auswirkungen vermutlich erst später sichtbar

Doch die Stiftung konnte nicht genügend finanzielle und politische Unterstützung mobilisieren, um Doku-Zug eine selbstständige Zukunft zu garantieren. Die Themendossiers und in der Bibliothek noch nicht enthaltene Zuger Medien werden nun dort mit der bestehenden Zuger Sammlung zusammengeführt. «Dadurch wird unser Bestand natürlich aufgewertet», freut sich Margrith Zobrist, Teamleiterin Zuger Sammlung, Bibliothek Zug. Der Restbestand an Büchern, den die Bibliothek Zug nicht übernimmt, wird anderen Bibliotheksprojekten zugeführt. Die Veränderung von Doku-Zug sei eine ambivalente Sache, so Brunner. Die Bibliothek Zug habe schon eine breitere Nutzung, meint er. «Die Auswirkung wird man vermutlich erst später sehen.»

Durch die Integration von Doku-Zug in die Bibliothek ­ändert sich die Aufgabe der gleichnamigen Stiftung: «Wir bezwecken weiterhin, der Bevölkerung einen niederschwelligen Zugang zu Informationen und Dokumenten zeitgeschichtlicher Natur zu ermöglichen. Der modifizierte Stiftungszweck ist momentan in Prüfung bei der Stiftungsaufsicht», so Joe Häfliger, Präsident der Stiftung Doku-­Zug.

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