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«Unbehandelt bleibt er gefährlich»

Aus nichtigen Gründen hat ein junger Mann einen Zuger ausgeraubt und mit einem Messer verletzt. Trotz der Schwere des Vergehens erkennt das Gericht strafmildernde Umstände, erachtet eine stationäre Massnahme aber als unumgänglich.
Andreas Faessler
Das Zuger Strafgericht sprach den Angeklagten unter anderem der versuchten schweren Körperverletzung und des Raubes schuldig. (Werner Schelbert/Zuger Zeitung)

Das Zuger Strafgericht sprach den Angeklagten unter anderem der versuchten schweren Körperverletzung und des Raubes schuldig.
(Werner Schelbert/Zuger Zeitung)

Eine Freiheitsstrafe von 38 Monaten muss ein 20-Jähriger verbüssen, der vom Zuger Strafgericht erstinstanzlich wegen Raub, versuchter schwerer Körperverletzung und Drogenmissbrauch verurteilt worden ist.

Im Januar 2017 war der im Kanton Bern wohnhafte Mann mit einem Kumpel in Zug unterwegs und bedrohte im Dunkel des Abends an der General-Guisan-Strasse einen zufällig vorbeikommenden Einheimischen mit einem Messer. Er forderte diesen auf, ihm sein Geld auszuhändigen. Der Bedrohte übergab ihm seine Brieftasche mit insgesamt 40 Franken. Als der Angreifer sein Opfer aufforderte zu gehen, holte Ersterer unvermittelt doch noch mit seinem Messer aus und verletzte das Opfer erheblich, indem er ihm einen tiefen, sieben Zentimeter langen Schnitt im Mundwinkel zufügte. Der Angreifer und sein Kumpane konnten später noch in Zug verhaftet werden. Der Angeklagte räumte ein, vor der Tat Marihuana konsumiert zu haben.

Bereits vorbestraft

Explizit vom Gericht nach dem Grund für seine Tat gefragt, wusste der Angeschuldigte auch am Prozess keine schlüssige Antwort. Dass er «nichts überlegt» habe in diesem Moment, «nicht wusste», warum er überhaupt ein Messer mit sich trug und dass er sein Handeln dem Alkohol-, respektive Marihuanakonsum zuschrieb, überzeugte das Gericht nicht. Der Beschuldigte ist denn auch kein unbeschriebenes Blatt, ist laut Akten bereits im familiären Umfeld sowie in der sozialtherapeutischen Institution, wo er in diesem Zeitraum einsässig war, mit Gewaltandrohung aufgefallen. Bereits im Vorfeld hatten gegen ihn schon Strafbefehle vorgelegen wegen Nötigung, Raub und Drohung. «Haben Sie denn dadurch nichts gelernt?», fragte der Richter.

Die Staatsanwaltschaft stützt ihren Antrag auf ein ausführliches psychologisches Gutachten, welches zur Person des Beschuldigten erstellt worden ist. Dieses empfiehlt eine stationäre Massnahme für den jungen Mann, da es die Gefahr als hoch einstuft, dass er wieder straffällig würde. Aufgrund der Schwere und der Verwerflichkeit des Vergehens sowie wegen der «lapidaren Beweggründe» erachtet die Staatsanwaltschaft sein Verschulden als schwer und fordert neben einer Freiheitsstrafe von vier Jahren, die im Gutachten empfohlene stationäre therapeutische Massnahme gemäss Artikel 59, umgangssprachlich auch als «kleine Verwahrung» bezeichnet.

Der Beschuldigte befürchtet, dass eine stationäre Massnahme es ihm besonders schwer mache, den Schulabschluss nachzuholen und eine Arbeit zu finden, was er sich zum Ziel gemacht habe. Sein Verteidiger kritisiert die Anklageschrift, die ihn als «kaltblütigen Verbrecher» darstelle, und führt dem Gericht noch einmal die schwierigen biografischen Hintergründe seines Mandanten vor Augen.

Im Alter von drei Jahren ist er aus bitterarmen Verhältnissen im Drittweltland Madagaskar von einem Schweizer Ehepaar adoptiert worden, hat aber gemäss Verteidiger auch nach seiner Adoption keinen richtigen familiären Halt gefunden, fühlte sich im Stich gelassen und daher kaum fähig, seine Persönlichkeit zu entwickeln. Der Verteidiger stellt das massgebliche Gutachten infrage. «Die Einschätzung der Gefährlichkeit einer Person ist stets subjektiv aus Sicht der Gutachter», betont er und fügt an, dass die «kleine Verwahrung» einer «Zwangspsychiatrisierung» gleichkäme, was ihm seine Zukunft massiv erschwere. «Er braucht Strukturen und Perspektiven, die es ihm ermöglichen, zu einem geregelten Leben zu finden. Das gibt ihm die stationäre Massnahme aber nicht», argumentiert die Verteidigung.

Strafmildernde Faktoren

Nach der Anhörung der Plädoyers ist das Gericht binnen zwei Stunden zu einem Urteil gekommen. Es sieht im Falle des Beschuldigten keine Alternative zur stationären Massnahme und deklariert das erwähnte Gutachten als ausschlaggebend. Das Gutachten zeige deutlich eine gestörte Persönlichkeit. Unbehandelt bleibe der Delinquent weiterhin gefährlich, eine ambulante Massnahme käme somit nicht in Frage. «Diese Unterstützung ist aus unserer Sicht nötig, wenn der Beschuldigte es zum Ziel hat, früher oder später ein geregeltes Leben führen zu können», so das Gericht und führt dabei aber auch deutlich strafmindernde Faktoren an. Unter anderem die Tatsache, dass der Beschuldigte von Anfang an kooperativ und vollumfänglich geständig war.

Auch die im Gutachten festgehaltene eingeschränkte (mittlere) Schuldfähigkeit wirkt sich mildernd aus und ferner auch der Umstand, dass es sich beim von ihm eingesetzten Messer nicht um eine Waffe im eigentlichen Sinne handle – aufgrund seiner Beschaffenheit und der Tatsache, dass es ein frei verkäufliches Modell ist. Dennoch macht der Richter dem Beschuldigten unmissverständlich klar, dass Raub und (versuchte) schwere Körperverletzung schwerwiegende Taten sind, die entsprechend hart bestraft werden.

Schliesslich wird der Angeklagte der versuchten schweren Körperverletzung und des Raubes gemäss Art. 140 Abs. 1 StGB sowie der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen und zur erwähnten Freiheitsstrafe verurteilt. Hinzu kommen eine Geldbusse, ein Schadenersatz sowie eine Genugtuung für das Opfer. Er hat zudem die Verfahrenskosten zu tragen.

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