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Unbekannte Moderne mit Laienorchester

Unter der Leitung von Manuel Oswald spielte das Kammerorchester Werke von Elliott Carter, John Adams und nach Johann Sebastian Bach. Der Versuch gelang.
Jürg Röthlisberger

«Wagen Sie mit uns diese abenteuerliche Entdeckungsreise» – so schrieb das Orchester über sich selber auf das Programmblatt. Tatsächlich, die Aufführung war in mehrfacher Hinsicht ein Wagnis: Man verzichtete auf den Beizug eines von auswärts kommenden Hauptsolisten. Die Streicher blieben durch das ganze Programm unter sich.

Die beiden amerikanischen Komponisten Elliott Carter (1908-2012) und John Adams (geb. 1947) sind wenigstens in der Schweiz relativ wenig bekannt. Trotz all dem fand sich ein erfreulich zahlreiches Publikum in der Baarer St. Martinskirche.

Offensichtlich wirkt auch das Baarer Kammerorchester auf sich selbst gestellt bereits als Publikumsmagnet, was auch den vergangenen Konzerten ein gutes Zeugnis ausstellt.

Ein Vertreter der «Minimal Music»

Das umfangreichste Werk waren die «Shaker Loops» von John Adams. Der Komponist wird oft als Vertreter der sogenannten «Minimal Music» verstanden, was auch die Aufführung bestätigte: In enger Folge wiederholten sich kleinräumige Muster mit immer gleichen Tonfolgen und Bogenstrichen – fast wie bei einer Etüde.

Später folgten zahlreiche Flageolett-Töne, bei welchen sich die einzelnen Register oft auffächerten. Es gab aber auch Elemente der Programmmusik, in dem der Komponist das Werk als ein Nachempfinden ekstatischer religiöser Tanzformen verstand.

Die Wiedergabe wirkte in sich stimmig: Dank intensiver Vorbereitung gelang ein präzises Zusammenspiel; auch bei ungewohntem harmonischem Grundgerüst bestand der Eindruck fein abgestimmter und genauer Intonation. Darüber hinaus verlieh Manuel Oswald dem ganzen Geschehen eine angemessene grossräumige Dynamik, welche von der Komposition her durch Registerwechsel unterstützt wurde.

Gute Vorbereitung und Führung

Andere Wege ging Carter mit seinen «Sound Fields», die er im Alter von 99 (!) niederschrieb. Hier dominierten gehaltene Töne, vom Komponisten als «Klangschichten» bezeichnet, analog zu den Farbschichten der amerikanischen Malerin Helen Frankenthaler, die ihn zu dieser Komposition inspiriert haben soll.

Auch hier der gleiche Eindruck: Mit erneut guter Vorbereitung und Führung durch die Profi-Stimmführer erschienen Intonation und Einsätze klar. Es war erfreulich und fast erstaunlich, wie intensiv die Laienmusiker der hinteren Pulte in einem Programm mitwirkten, das in beiden Hauptwerken kaum wohlklingende Melodiebögen aufwies.

Ausgedünnt bis auf die Einstimmigkeit

Eine solche klare Melodie gab es wenigstens beim «Bach-Choral» aus der Matthäus-Passion. Die Bezeichnung steht in Anführungszeichen, weil Johann Sebastian Bach für die Oberstimme auf Paulus Gerhardt (1656) zurückgegriffen hat und lediglich die Begleitstimmen selber komponierte. Auch die Titel-Angabe wurde zu Recht weggelassen. Der Choral-Satz erscheint – in verschiedenen Tonarten – innerhalb der Matthäuspassion nicht weniger als vier Mal mit den unterschiedlichen Textanfängen «Erkenne mich, mein Hüter», «Ich will hier bei dir stehen», «O Haupt voll Blut und Wunden», sowie «Wenn ich einmal soll scheiden». Die Bearbeitung liess den Notentext fast unverändert. Der volle Quartettsatz wurde in insgesamt 12 Strophen aber durch das Weglassen einzelner Stimmen unterschiedlich stark bis auf die Einstimmigkeit ausgedünnt.

Für Publikum und Orchester anstrengend

Bei diesem sowohl für die Ausführenden wie für das Publikum sehr anstrengenden Programm erschien die Gesamtdauer von knapp einer Stunde angemessen. Die Aufführung betonte vor allem das Verbindende, auch zwischen den Chorälen und den modernen Stücken. So erfolgte erst am Schluss ein kräftiger und intensiver Applaus.

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