Kolumne

Und dann eine Banane...

Redaktor Andreas Faessler wirft einen Seitenblick auf die Kunst in einer seiner Lieblingsmetropolen.

Andreas Faessler
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Redaktor Andreas Faesser.

Redaktor Andreas Faesser.

Bild: Stefan Kaiser

Wieder einmal trieb mich ein akutes Bedürfnis nach kultureller Erbauung in eine meiner Lieblingsmetropolen. Nirgends ist die Fülle an Kunst auf so kleinem Raum so kompakt und hochkarätig wie in der Ewigen Stadt. Hier ist selbst die kleinste, verborgenste Kirche ein Museum für sich, überall haben die gefeiertsten Architekten ihre Spuren hinterlassen, jede Seitengasse scheint zu irgendeiner Sehenswürdigkeit zu führen, die andernorts als Wahrzeichen einer ganzen Stadt gelten würde. Schönheit am Laufmeter, an jeder Ecke, in jedem Innenhof.

Geradezu berauschend: eine Promenade durch die prächtigen Fluchten des Palazzo Doria Pamphilj mit einer der bedeutendsten Privatsammlungen der Welt. Wie so vieles in Rom kenne ich sie schon, aber ich muss immer wieder hin. Hier hängen Brueghels, Raffaels, Massys, Caravaggios, Guercinos oder Tizians in barocker Hängung gemeinsam mit Hunderten weiterer Alter Meister wild verstreut an den grossflächigen Wänden – während man für sie in anderen Museen eigene Schauräume einrichten würde.

Rom halt...

Erfüllt und zufrieden verliess ich die Stadt nach vier Tagen wieder, einmal mehr bestätigt in meinem (!) Verständnis davon, was wahre Kunst wirklich ist – so wie sie mich fesselt und einnimmt. Es liegt ja sinngemäss schon im Wort: «Kunst» bedeutet, etwas meisterlich beherrschen, Kenntnis, Wissen – und vor allem Können.

Und dann pappt in Miami irgendein Held eine Banane an die Wand, verkauft die «Installation» mehrfach für 120000 Dollar – und frisst die Banane. Auch das schimpft sich heutzutage «Kunst». Ha ja, auch er «kann» schliesslich was: Bananen ankleben und schälen.

Oh, verkehrte Welt...