Kolumne

Und immer wieder «bling, bling, bling»

Wie der Weg über den letzten bewachten Bahnübergang im Kanton Zug der Autorin die Augen öffnete.

Zoe Gwerder
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Es gibt Tatsachen, die fallen erst auf, wenn sie einem betreffen. So war mir zwar durchaus bewusst, dass die Zugstrecke zwischen Zug und Rotkreuz eine Vielbefahrene ist. Wie viel befahren, war mir aber bis vor kurzem nicht klar – bis es mich betraf.

Denn seit kurzem führt mein Weg regelmässig über den letzten von einer Bahnschranke bewachten Bahnübergang im Kanton Zug: jener beim Bahnhof Cham. Und fast immer, wenn ich bei der Schranke vorbeifahre, ist diese entweder geschlossen oder die Warnglocke weist auf das bevorstehende Schliessen hin: «bling, bling, bling», während rund einer Minute. Reicht die Zeit zwischen der Durchfahrt zweier Züge nicht, öffnet sich die Schranke schon gar nicht. So durfte ich auch schon mal mehr denn zehn Minuten warten, bis ich durchfahren konnte.

Zwar gibt es glücklicherweise die Möglichkeit, den Bahnübergang zu umfahren. Von Seiten der Hauptstrasse her, ist dies kein Problem – sieht man dort doch gleich, ob die Schranke unten ist oder nicht. Kommt man allerdings von der Seeseite her an den Übergang, ist die nächste Unterführung so weit weg, dass es sich nicht lohnt, weiterzufahren.

Die gefühlt ewig geschlossene Schranke zeigt aber auch die Entwicklung des Bahnverkehrs. So mag ich mich von Ausflügen in meiner Kindheit noch gut an den alten Bahnübergang und dessen Bahnschranke im Choller erinnern – er führte zwischen der alten Lorze und dem Häuschen neben dem «Spanier» über die Gleise.

Hier sass nämlich eine Frau im Wärterhäuschen. Mit dem Auftrag, die Bahnschranke jeweils runter und wieder rauf zu lassen. Dass ihre Aufgabe durch die Automatisierung weggefallen ist, wäre oder ist – je nach deren Daseinsstatus – wohl auch für sie aus heutiger Sicht eine Erleichterung.

Die Frau müsste Oberarme wie eine Kugelstösserin haben – zumindest auf jener Seite, mit welcher sie die Kurbel betätigte. Bei pro Richtung und Stunde vier S-Bahn-Zügen, zwei Interregios beziehungsweise Intercitys und zusätzlichen Schnellzügen, die derzeit – auch aufgrund der Bauarbeiten Zugersee-Ost – via Rotkreuz fahren, käme sie wohl nicht mal mehr zu einer WC-Pause.