Und wieder mal war kein Platz mehr frei

Mit dem Baarer Räbechüngball hat die heisse Phase der Fasnacht begonnen. Der Ball der alten Schule zieht auch neues Publikum in seinen Bann.

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Am Räbechüngball steppte der Bär so richtig, und der Baarer Gemeindesaal platzte aus allen Nähten. (Bild: Maria Schmid / Neue Zuger Zeitung)

Am Räbechüngball steppte der Bär so richtig, und der Baarer Gemeindesaal platzte aus allen Nähten. (Bild: Maria Schmid / Neue Zuger Zeitung)

In der Lounge teilen sich ein Pirat, der dicke Obelix und der süsse Idefix ein Bartischchen. Und das in friedlicher Eintracht – noch schimpft kein wütender Pirat aus wogenden Wellen und den Trümmern seines Schiffs den starken Galliern hinterher. Was vermutlich auch in den nächsten Stunden nicht passieren wird. Denn auf dem Baarer Räbechüngball gehts harmonisch zu. «Der Räbechüngball ist anders als andere Bälle», sagt Sarah Branca alias Idefix, «die Leute sind nicht hier, um sich zu betrinken.»

Nein, man gebe sich viel Mühe mit dem Kostüm, wolle es einfach nett haben und komme auch, um ganz konkret die anderen Ballgäste zu treffen. Sarah Branca ist sowohl mit ihrer Clique als auch mit ihren Eltern und Schwiegereltern hier. Mit ihrem Alter straft die 24-jährige Baarerin zudem alle Unkenrufe Lügen, der Räbechüngball sei nur was fürs alte Eisen.

Dieser Ball ist noch ein Ball

In der Tat tummeln sich gegen 23 Uhr in der Lounge Alt und Jung. Der Bar entlang schwatzen die arrivierten Fasnächtler miteinander, die Prinzen und Prinzessinnen aus 1001 Nacht, die das OK-Team bilden, die schillernden Figuren der Guggenmusig Fidelios sowie der eine und andere Vampir, der wohl schon einiges an Fasnacht überdauert hat. Die, die sich einen Sessel ergattert haben, sind meist etwas jünger und trinken in vertrauter Runde zusammen ein Gläschen.

Währenddessen spielen im Saal die Swiss Boys zum Tanz auf: Pia und Freddy Dosenbach gehören zu denen, die sich seit Jahr und Tag über diese Musik freuen, über das Potpourri altbekannter Melodien. «Links, rechts, vor und zurück» – in der Mitte des Saals wackelt eine fröhliche Schlange aus Punk, Clown und Gretel wie befohlen in ebendiese Richtungen und hat einen ziemlichen Spass dabei. «Die Stimmung ist sehr gut, das Essen und die Musik sind es auch», lobt Pia Dosenbach den Räbechüngball. «Dieser Ball ist der einzige, der noch unserem Alter entspricht», meint ihr Mann Freddy.

«Nur noch laut, schräg und jung», so habe vor etlichen Jahren das Angebot an Fasnachtsveranstaltungen in etwa ausgesehen und so komme es, dass vor 16 Jahren der Räbechüngball ins Leben gerufen worden sei. Sagt Ruedi Suter, Chef des OK. Dieser Ball sei noch ein Ball: «Es geht ums Tanzen, Essen und Zusammensein.» Suter spricht von einem «geschützten Rahmen, dessen Inhalt nichtsdestotrotz lässig ist». An dieser Theorie des Prinzen aus 1001 Nacht muss etwas dran sein: Trotz gerade begonnener Skiferien und grassierender Grippewelle, die auch einige Fasnächtler erfasst hat, ist der Räbechüngball wie immer ausverkauft.

Die beste Strasse in Baar

Suter selbst hat an diesem Abend bereits an einem Programmpunkt mitgebastelt, der ein absolutes Muss und eine grosse Tradition ist. Das war, bevor die schillernden Fidelios wie pastellene Drachen und mit Seepferdchen auf dem Kopf auf der Bühne aufspielten und das gesamte Publikum zu einer Riesen-Polonaise animierten. Das war, als die Räfeler Täfeler zum ersten Mal in dieser Fasnacht ihre Schnitzelbänke zum Besten gaben. Von Rosi Suter erfährt man, dass die Räfeler Täfeler alle in einer Strasse wohnen, der Inwilerstrasse. «Die beste Strasse in Baar», sagt Rosi Suter mit dem überzeugenden Lächeln einer Prinzessin aus 1001 Nacht im Gesicht. In dieser besten Strasse in Baar wird gedichtet, was dann zur Fasnacht zum Besten gegeben wird. Am Samstag beispielsweise: «D’Rigistrass und Baby-Boom/wer d’Lüüt det kännt – de glaubt das chuum/schtatt meh Sex und Altersränte/hend’s meh Verchehr – wäg de Tangänte.» Da lachen nicht nur die sechs Appenzeller am Tisch ganz vorne.

Trudi Meier, mit Mann und Freunden da, findet zwischen Zuhören und Mitlachen sogar noch Zeit, hochprozentige kleine Präsente aus dem Appenzell zu verteilen. Und aus der Zuger Nachbarschaft hat es Prinz Charly I. von den Letzibuzäli nach Baar geschafft – «zu einem der letzten Bälle im Kanton».

Susanne Holz