Ungeschoren bleibt hier niemand

Menzingen, wie es lacht und singt: Ein Abend mit Kunst, Entschleunigung und tanzenden Gemeinderäten.

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Die Menzinger wurden in den Schnitzelbänken aufs Korn genommen. (Bild: Maria Schmid/Neue ZZ)

Die Menzinger wurden in den Schnitzelbänken aufs Korn genommen. (Bild: Maria Schmid/Neue ZZ)

Vollgepackt ist der Saal am Donnerstagabend, es ist der 40. Bergspiegel, und die Menzinger sind in Fasnachtslaune. Und staunen wie Kinder: Majestätisch schlängelt sich eine riesige Ballon-Boa durch die Halle, ein silbernes Stück Eleganz zieht seine Kreise, und wenn es direkt auf jemanden zusteuert, kann schon mal ein archaischer Anti-Schlangen-Instinkt aufflackern. Zum Glück ist das Ding per Funk gesteuert. Der Mann an den Knöpfen ist Baldrian, der Meister der Langsamkeit, und verkündet: «Wer langsamer lebt, ist später tot!»

Zum langsameren Leben kann heute wohl keiner überzeugt werden. Es ist Schmutziger Donnerstag, und die Show in der Schützenmatthalle ist eher dazu angetan, die eine oder andere Chesslete-Leiche aufzuwecken: Zwei französische Conférenciers malen mit Menschen Bilder. Sie schnappen sich eine Dame aus dem Publikum und zwei «tierische» Herren, die dann knien müssen, während die Dame ihnen ein Wasserflasche vorhält, und taufen das Bild: «Suleika tränkt ihre Kamele», und das Publikum kann nicht mehr. Und erst recht nicht, als ein Ehepaar auf die Bühne muss, die Dame steigt aufs Sofa, mit ihrem Mann durch eine Leine verbunden. «Ehemann lässt seinen Drachen steigen», nennen die Jungs das Bild.

Dann kommen die Schnitzelbänke, und ungeschoren kommt keiner im Dorf davon: weder die Brüder, die mit dem Einachser in die Bibliothek fahren – «aber nöd öppe i die Mänzige, sondern i die z Zug unne» – und prompt mit dem Rapid im Parkhaus steckenbleiben, noch der Sirenentest. Dies dank den beiden glorreichen Testern, die sich in der Zigarettenpause selber aussperrten: «De Schlüssel, wo si bim Türöffne wür unterstütze, tuet ufem ne Tisch im Rum äbe gar nüt nütze.»

Und als beim Yasmine-Mélanie-Konzert auch noch der Gemeindepräsident samt Bau- und Sicherheitschef Samba tanzen muss, ist das Fest komplett.

Falco Meyer / Neue ZZ