UNIHOCKEY: Ein Talent als Entwicklungshelferin

Die 19-jährige Hünenbergerin Micheline Müller gehört zu den vielversprechendsten jungen Torhüterinnen der Schweiz. Die NLA-Keeperin von Zug United hat ihr Wissen in einer besonderen Weltgegend weitergegeben.

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Micheline Müller hat ihre Karriere als Feldspielerin begonnen. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 30. November 2016)

Micheline Müller hat ihre Karriere als Feldspielerin begonnen. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 30. November 2016)

Die beiden Assistenztrainer von Zug Uniteds NLA-Frauenteam, Patrick Bucheli (34) und Sandro Margraf (23), schätzen die Torhüterin Micheline Müller (19) so ein: «Sie ist eine Frohnatur, immer gut gelaunt, teamstark, hilfsbereit und motiviert die Spielerinnen. Sie ist sehr lernwillig und sorgt für eine gute Stimmung – auf, aber auch neben dem Spielfeld.» Müller, die in Hünenbergs Seeteil aufgewachsen ist und noch dort wohnt, ist eine leidenschaftliche Unihockeyspielerin. Die Freude an dieser Sportart entdeckte sie beim Verein Einhorn Hünenberg. Sie erinnert sich: «Ich besuchte einmal einen Schnuppertag. Und es hat mich gleich gepackt und bis heute nicht mehr losgelassen. Seit der dritten Klasse spiele ich nun Unihockey. Es ist eine coole Sportart, die alles beinhaltet. Begonnen hatte Müller als Feldspielerin. «Ich habe mich nie getraut, zu sagen, dass ich lieber im Tor stehen würde. Doch dann entdeckte einer meiner Juniorentrainer ein verstecktes Talent in mir – und ich wurde Goalie», schildert Müller lachend.

Die 19-Jährige, die an der Universität Luzern Rechtswissenschaft studiert, ist nach ihren Anfängen beim Stammverein im Jahr 2012 zum Nachwuchs von Zug United gewechselt. Seit dieser Saison gehört sie fix dem Kader der NLA-Equipe an. Müller: «Ich profitiere viel und kann gute Erfahrungen auf höchstem Niveau sammeln. Wir haben ein junges und sehr ehrgeiziges Team.» Sie hegt grosse Ambitionen mit dem Team: «Wir wollen die Grossen in der NLA etwas ärgern und so lange wie möglich um den Meistertitel mitspielen. Wer weiss, vielleicht gelingt uns ja eine Überraschung. Wir sind sicher nicht die Favoriten auf den Meistertitel, können aber gefährlich werden.»

Aufgewachsen ist die Studentin in einer musisch und sportlich begeisterten Familie. Mutter Sonja war Kunstturnerin und Vater Stephan frönt seine Hobbys als Mitglied einer Musikgesellschaft. Bruder Lars (22) spielt Fussball und Schwester Kim (17) ist Badmintonspielerin. «Es ist sicher interessant, da wir verschiedene Hobbys ausüben. Der Gesprächsstoff geht uns am Küchentisch nie aus», sagt Micheline Müller.

Ihren grössten bisherigen Erfolg feierte sie mit der U19-Nationalmannschaft im Mai dieses Jahres. «Wir holten im kanadischen Belleville die Bronzemedaille. Das war ein Erlebnis – einfach unbeschreiblich. Das werde ich nie vergessen.» Der nächste Schritt wäre der Sprung in den A-Kader der Frauennationalmannschaft. «Eines Tages auf internationaler Bühne bei den Besten zu spielen, wäre ein grosses Ding für mich. Ich arbeite auf dieses Ziel hin.»

Auf den Spuren von Helen Bircher

Dass dieses Unterfangen eines Tages Wirklichkeit werden kann, hat Helen Bircher (26) bereits bewiesen. Die Torhüterin, die wie Müller aus Hünenberg stammt und bei Zug United spielte, ist aktuell in Schwedens Eliteliga bei Rönnby Västeras engagiert. Bircher wurde U-19-Weltmeisterin und hat schon 60 Länderspiele im A-Nationalteam absolviert, unter anderem bestritt sie drei Weltmeisterschaften. «Ich habe ihre Karriere mitverfolgt. Es ist schon beeindruckend, was sie bisher leistete und erreichte», sagt Müller, ergänzt aber selbstbewusst: «Doch, ich gehe meinen eigenen Weg und habe eigentlich keine Vorbilder. Birchers Karriereleiter hat mir aber gezeigt, was alles möglich ist, wenn man an seine Träume glaubt.» Vorausgesetzt natürlich, die Gesundheit lässt es zu. Die 19-Jährige musste auch schon von der Bank aus mitleiden. Sie erzählt: «Ich war innerhalb von anderthalb Jahren zweimal ausser Gefecht aufgrund von Meniskusproblemen. Das war eine harte Zeit für mich, wenn man nicht spielen kann.»

Wenn sie spielt, dann meistens gut: Müller gehört zu den grössten Talenten ihres Jahrgangs landesweit und zu den Leistungsträgern in der NLA. «Sie will immer die Beste sein und weiss, was sie will. Sie setzt sich auch unter Druck, manchmal etwas zu fest», weiss Zugs Assistenztrainer Patrick Bucheli. Und sein Kollege Sandro Margraf ergänzt: «Sie ist wichtig für das Team. Ihre positive Körpersprache ist ansteckend. Sie ist eine gute Regisseurin und sehr kommunikativ.» Sie selbst sagt: «Ich bin eine Teamplayerin. Ich könnte keinen Einzelsport ausüben, sondern kann nur in einem Team funktionieren.» Das gilt auch für das Privatleben, sie sieht sich als Familienmensch. «Meine Freunde, meine Familie und mein Freund sind mir sehr wichtig», betont sie.

Die Menschen standen auch im Zentrum eines besonderen Ausflugs: Drei Wochen lang war sie mit verschiedenen Unihockeytrainern und -spielern aus der Schweiz in Südamerika. «Ich reiste mit der Organisation Unihockey für Strassenkinder› nach Ecuador. Dort konnte ich den Kindern und Jugendlichen die Freude am Unihockey vermitteln und das einfache Abc dieser Sportart zeigen. Darüber schrieb ich später auch meine Maturaarbeit. Das war eine schöne Erfahrung und Lebensschule für mich. Ich erlebte herzliche Begegnungen mit Menschen, die mit ganz wenig im Leben zufrieden sind.»

Michael Wyss
redaktion@zugerzeitung.ch