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UNIKUM: Cham und sein «blaues Auge»

In leuchtendem Königsblau «blickt» die Turmuhr der reformierten Kirche Cham Richtung Süden. Dieses auffällige Zifferblatt ist eine regionale Besonderheit.
Andreas Faessler
Das «blaue Auge» liegt über der südlichen Schallöffnung der reformierten Kirche Cham. (Bild: Andreas Faessler (Baar, 28. Juli 2016))

Das «blaue Auge» liegt über der südlichen Schallöffnung der reformierten Kirche Cham. (Bild: Andreas Faessler (Baar, 28. Juli 2016))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Das reformierte Kirchengebäude von Cham, erbaut 1915, geizt nicht mit Besonderheiten. So war an dieser Stelle schon vom Glasfenster mit den Naville-Kindern oder vom harmonischen Parsifal-Geläut im Glockenturm zu lesen. Und dem Glockenturm wenden wir uns nun erneut zu. Schlicht konzipiert mit hohen rundbogigen Schallöffnungen und klassischer, ziegelbedeckter Spitzhaube setzt er eingangs Dorf einen baulichen Akzent. Unser «Fundstück» sitzt an der Südseite des Turms – ein königsblaues Zifferblatt. Seine Grundfläche ist quadratisch, die Ränder und Ecken sind goldfarben staffiert. Untypischerweise ist das Zifferblatt nicht an der Aussenmauer angebracht, sondern liegt über der Schallöffnung. Im Volksmund wird die Turmuhr der reformierten Kirche Cham «blaues Auge» genannt. Die Kirche schaut «blauäugig» Richtung Süden dorfeinwärts.

Das Spezielle an diesem blauen Zifferblatt ist nicht primär dessen auffälliges Erscheinungsbild, sondern viel eher die bemerkenswerte Tatsache, dass kein anderes reformiertes Kirchen­gebäude im Kanton Zug eine Uhr hat. Insofern ist das «blaue Auge» von Cham ein regionales Unikum und gleichsam ein farbliches Gegenstück zum bordeauxroten Zifferblatt der Turmuhr der Pfarrkirche St. Jakob.

An dieser Stelle sei noch eine allgemeine Eigenheit von Kirchenuhren mit römischen Zahlen erwähnt. Entgegen der üblichen Praxis wird die Vier an Turmuhren fast immer als IIII dargestellt und nicht als IV. Hierfür gibt es mehr als eine mögliche Erklärung. Das ästhetische Empfinden des Barocks etwa sah man durch das schwerfällige IV gestört. Eine weitere Herleitung besteht darin, dass sich mit der Form IIII auf beiden Hälften des Zifferblattes je exakt 14 Zeichen befänden und der Kreis somit im «Gleichgewicht» steht – auch dies ein von der Ästhetik motiviertes Argument. Und zu guter letzt kommt als Grund auch in Frage, dass das IV in der Antike als Kurzform für den Gott Jupiter (IVPITER) verwendet wurde. Und da Jupiter als Gott des Staates und somit des Irdisch-Welt­lichen nichts im kirchlich-geist­lichen Umfeld verloren hat, verzichtete man auf das IV an Kirchenuhren.

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