UNTERÄGERI: 400 Narren besuchen das Dorf

Die Wyl­ägerer Fasnachtsgesellschaft organisiert eine grosse Zunfttagung – und läutet damit ein besonderes Jahr ein.

Silvan Meier
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Auch der Badjöggel, die traditionelle Wylägerer Fasnachtsfigur, wird die Vertreter der 68 Narrenzünfte begrüssen. (Bild: Neue ZZ)

Auch der Badjöggel, die traditionelle Wylägerer Fasnachtsfigur, wird die Vertreter der 68 Narrenzünfte begrüssen. (Bild: Neue ZZ)

Die Urzeln reisen aus Sachsenheim östlich von Karlsruhe an, die Wangemer Kuhschelle aus dem Allgäu, die Krakeelia aus Waldkirch im Schwarzwald. Sie und 65 weitere Narrenzünfte aus dem schwäbisch-alemannischen Raum treffen sich dieses Wochenende in Unterägeri zur Herbstarbeitstagung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Im mittlerweile 90-jährigen Verein sind Fasnachtszünfte aus dem süddeutschen Raum und fünf Schweizer Gruppen dabei. Neben der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft sind dies die Narro-Altfischerzunft aus dem aargauischen Laufenburg, die Zürcher Fasnachtsgesellschaft Berschis, die Röllizunft Siebnen und die Karnöffelzunft Willisau. «Wir erwarten rund 400 Teilnehmer», sagt Hugo Nussbaumer, Präsident der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft. Die Herbstarbeitstagung wird jedes Jahr von einer anderen Mitgliedszunft organisiert. Nun hat erstmals ein Schweizer Verein die Verantwortung übernommen. Aus gutem Grund: «Wir läuten mit der Arbeits­tagung unser 50-Jahr-Jubiläum ein», erklärt Narrenvater Nussbaumer.

Beizensterben bereitet Sorgen

Doch was tun 400 Narren während zweier Tage? «Einerseits geht es natürlich um Geselligkeit», sagt Hugo Nussbaumer. Unter den verschiedenen Zünften bestünden viele Freundschaften. Auch die Wylägerer pflegen regen Kontakt mit befreundeten Fasnachtsgruppen. «Ganz intensiven Austausch haben wir mit der Narrenzunft Hornberg», erklärt der Narrenvater. Eine Delegation aus dem Schwarzwälder Dorf nordöstlich von Freiburg sei seit 40 Jahren an jeder Fasnachtseröffnung dabei. Und die Unterägerer Badjöggel und Nüssler statten Gegenbesuche ab. Im November werden gegen 60 Wyl­ägerer Fasnächtler nach Hornberg reisen.

Andererseits diene die Herbstarbeits­tagung auch der Arbeit, so Nussbaumer. «Wir kämpfen alle mit ähnlichen Problemen», erklärt er. «Gegenseitiger Austausch hilft oft.» Mit übermässigem Alkoholkonsum bis zum Komatrinken oder Vandalismus hätten praktisch alle zu kämpfen. «Wir in der Schweiz noch weniger als unsere deutschen Kollegen», so Nussbaumer. «Das Beizensterben bereitet aber überall Sorgen.» In Unterägeri bedauert man die Schliessung des Restaurants Kreuz und sieht der angekündigten Betriebsaufgabe des Restaurants Ägerihof auf Ende Jahr beunruhigt entgegen. «In diesen beiden Beizen hat sich an der Fasnacht vieles abgespielt», weiss Nussbaumer.

Bunter Abend

Diskutieren über diese Schwierigkeiten werden die ersten Narrenzünftler ab Freitagnachmittag. Die meisten der 400 Tagungsteilnehmer reisen auf Samstagmittag an. Sie tun dies aber abgesehen von einigen wenigen Insignien in Zivil. «Mit Maske aufzutreten, ist unter dem Jahr verpönt», sagt Nussbaumer. «Das macht man nur an der Fasnacht.» Ganz auf Fasnachtsfiguren muss man an der Tagung allerdings nicht verzichten. Die Wylägerer werden ihre Zunftfiguren zeigen. Ägeritaler Brauchtum ist auch am Abend Trumpf. In der Ägerihalle beginnt um 20 Uhr (Türöffnung 19 Uhr; Eintritt 15 Franken) ein öffentlicher bunter Abend. Neben der Akrobatik-Truppe Herianos und den Match­less Dancers treten auch Trychler, die Frauenriege und die Brauchtumsgruppe auf. «Ein solches Fest gibt es sonst an den Herbstarbeitstagungen nicht», sagt Hugo Nussbaumer. Die Wyl­ägerer Fasnachtsgesellschaft will damit den Unterägerern aber etwas zurückgeben: «Wir werden von den Behörden und der Bevölkerung immer sehr unterstützt. Bei uns stehen alle komplett hinter der Fasnacht.»

Hinweis

www.wylaegeri.ch