UNTERÄGERI: Ägerital verliert letzte Papeterie

Das Schreib-warengeschäft am Dorfplatz beugt sich dem Druck der Konkurrenz. Der Entscheid ist der Besitzerin nicht leichtgefallen.

Rahel Hug
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Die Regale und Kisten in Gabriela Itens Papeterie leeren sich. Morgen hat das Geschäft zum letzten Mal geöffnet. (Bild Stefan Kaiser)

Die Regale und Kisten in Gabriela Itens Papeterie leeren sich. Morgen hat das Geschäft zum letzten Mal geöffnet. (Bild Stefan Kaiser)

Die Tage der Papeterie am Dorfplatz in Unterägeri sind gezählt. Das Traditionsgeschäft schliesst am Freitag seine Türen – für immer. Das Geschäft an der Zugerstrasse 1 hat die Konkurrenz durch Grossverteiler derart stark zu spüren bekommen, dass der Verkauf mit der Zeit nicht mehr rentierte. Im letzten Sommer hat sich Geschäftsführerin Gabriela Iten deshalb entschieden, ihren Laden zu schliessen. Mit diesem Schritt verliert das Ägerital seine letzte Papeterie. Im Jahr 2010 ging bereits der Betreiber der Papeterie Letter in Oberägeri in Pension und schloss sein Geschäft.

Bauarbeiten erschwerten Zugang

Die Unterägererin Gabriela Iten hat die Papeterie am Dorfplatz vor 13 Jahren von ihrem Vorgänger übernommen, der das Geschäft während 25 Jahren geführt hatte. Damals hat die 51-Jährige noch nicht geahnt, dass ihrem Geschäft einst ein so eisiger Wind entgegenwehen wird. Erst nach ein paar Jahren habe sie die Konkurrenz durch Grossverteiler wie Coop und Migros zu spüren bekommen, sagt Gabriela Iten. Auch die Post, die ihr Sortiment um Büromaterial erweitert hat, sei immer mehr zu einem Gegenspieler geworden.

Schliesslich kam eine weitere Handelskette dazu, die dem kleinen Geschäft das Leben schwermachte. Im Jahr 2010 eröffnete nämlich die deutsche Drogeriemarktkette Müller an der Seestrasse in Unterägeri eine Filiale. Müller verkauft neben Drogerieartikeln auch Papeterieware. «Dadurch spürten wir massive Einbrüche bei unserer Kundschaft», sagt Gabriela Iten. Die anschliessenden Bauarbeiten im Dorfzentrum hätten der ganzen Entwicklung «noch zusätzlich ein Krönchen aufgesetzt», sagt sie. Die Arbeiten an der Strasse hätten die Laufkundschaft vermindert und den Zugang zu ihrem Geschäft erschwert. Kurz vor der Eröffnung der Müller-Filiale habe sie zwischenzeitlich gespürt, dass die Papeterie Letter in der Nachbargemeinde ihre Türen geschlossen habe. «Dann sind einige Kunden auch aus Oberägeri zu mir gekommen.» Doch dieser kurze Erfolg konnte das Traditionsgeschäft nicht retten: «Das Ende hat sich eigentlich schon vor zwei Jahren abgezeichnet», sagt Gabriela Iten.

Etwa 5000 Artikel

Gabriela Iten beschäftigte in ihrer Papeterie drei Angestellte, zwei davon Teilzeit. Auf rund 140 Quadratmetern lagerte und verkaufte sie etwa 5000 Artikel. «Einen gewissen Teil des Büromaterials kann Coop oder Migros abdecken», sagt die Geschäftsführerin. Viele Artikel gebe es aber ausschliesslich in der Papeterie. Die Papeteristin bleibt jedoch realistisch: «Mittlerweile kann man alles auch im Internet bestellen. Das ist eine Entwicklung, die man nicht aufhalten kann.» Heute habe sie sich damit abgefunden, aber der Entscheid im vergangenen Sommer sei ihr sehr schwergefallen, sagt Gabriela Iten. «Es ist ein Lebensabschnitt, der für mich zu Ende geht. Das fühlt sich schon komisch an.» Trotz aller Wehmut schaut die 51-Jährige auf eine schöne Zeit zurück: «Ich hatte viele treue Kunden und möchte die Erfahrungen nicht missen.» Viele Leute hätten Bedauern geäussert, dass sie ihr Geschäft schliessen müsse.

Neuer Job ab Ende März

Ihre Artikel sind mittlerweile zu einem grossen Teil verkauft, auch dank Sonderangeboten und Rabatten. Zum Schluss hat Gabriela Iten alles zu einem Preis von 50 Prozent verkauft. «Es ist viel weggekommen», sagt sie.

Doch jetzt blickt die Unterägerin in die Zukunft. Sie hat bereits eine neue Stelle gefunden, die sie am 31. März antreten wird.