UNTERÄGERI: Bei ihm dreht sich alles um den Käse

Marzell Gwerder war Initiator des Muotataler Alpchäsmärchts. Das Milchprodukt sein Leben – selbst nach Arbeitsschluss.

Charly Keiser
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Marzell Gwerder arbeitet hauptberuflich im Milchhuus Schwyz. (Bild: Charly Keiser)

Marzell Gwerder arbeitet hauptberuflich im Milchhuus Schwyz. (Bild: Charly Keiser)

Es ist mehr als 15 Jahre her, dass der Autor dieser Zeilen Marzell Gwerder kennen lernte. Und zwar in der Hinderist-Hütte auf 1596 Meter über Meer und am Fusse des Wasserbergs im Bisistal. Gwerder war damals wohl einer der modernsten Älpler der Welt. Denn das Internet stand noch in seinen Anfängen, und trotzdem fütterte der junge Alpkäser schon damals täglich seinen Webauftritt. Dieser bestand notabene aus einer einzigen Seite, mit Neuigkeiten «von der Alp». Es sei «verdammt» teuer gewesen, sich mit dem Natel einzuloggen und die Daten raufzuladen, erinnert er sich.

Es erstaunt darum auch nicht, dass der innovative Käser Marzell Gwerder den Anstoss für den Alpchäsmärcht in Muotathal gab, der heuer bereits zum 18. Mal stattfindet und jedes Jahr Tausende Besucher anzieht (siehe Box). Seine Idee war, den Muotataler Alpkäse einem breiteren Publikum bekannt zu machen und die Direktvermarktung mehr zu fördern. An einer Orientierungsversammlung, zu der alle Älpler des Muotatals eingeladen wurden, präsentierte Marzell Gwerder 1996 den Plan eines Alpchäsmärchts. Daraufhin wurde die Interessengemeinschaft Alpchäsmärcht Muotathal gegründet, mit Marzell Gwerder als erstem Präsidenten.

Raclette ist seine Passion

Das Alpkäsen ist für Gwerder mittlerweile Geschichte. «Ich bin nicht sicher, ob ich an den Markt gehe», antwortet er denn auch auf die entsprechende Frage. Nichtdestotrotz hat Gwerder mit Käse auch heute noch sehr viel zu tun. Vor sechs Jahren ist er als Teamleiter nach Schwyz ins Milchhuus gekommen. Und vor fünf Jahren haben er und seine Frau den «Chäsladä» in Unterägeri übernehmen können. Gwerders Frau führt den Laden, er selbst arbeitet noch in Schwyz.

Raclette und Fondue sind heute nebst der Arbeit Gwerders grösste Passion. Und zwar sowohl bei der Herstellung als auch beim eigenen Genuss. «Den Raclettekäse kaufen wir aus der ganzen Schweiz ein, und zwar so, dass wir den besten anbieten können.» Die «sehr ausgewählten» Fonduemischungen stellt Gwerder hingegen selber her, wie er erläutert. Und auch beim Klassiker für kalte Stunden in der Skihütte stammt der Käse aus verschiedensten Regionen der Schweiz. So verkaufen die Gwerders im «Chäsladä» in Unterägeri rund zwölf verschiedene Standardmischungen von mild bis rezent. «Wir haben aber auch ganz spezielle Mischungen wie zum Beispiel das Zuger Fondue aus Zuger Käse, das Muotathaler-Wetterfrosch-Fondue mit Alpkäse und Speck, das Tomatenfondue mit getrockneten Tomaten. Das geht hoch bis zu Trüffelfondue.» Mieten könne man zudem das sogenannte Zigeunerfondue, führt Gwerder aus: ein Partyplausch im Freien für bis zu 20 Personen, die aus einem Fonduekessel, der über einem offenen Feuer hängt, Fondue geniessen.

Und welchen Käse liebt Gwerder besonders? «Alle», sagt er. «Vor mir ist kein Käse sicher.»

Hinweis

Weitere Infos zum Muotitaler Alpchäsmärcht: www.alpkaesemarkt.ch; www.ch&;#228;sladä.ch.