UNTERÄGERI: Die Narren haben das Zepter übernommen

Mit der Inthronisation in Unterägeri fiel der Startschuss zur Fasnacht - mit zahlreichen Einkaufswagen.

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Mit grossem «Tamtam» werden der Ehrenbadjöggel Beat Iten und die Narrenmutter Tania Bassing auf dem Dorfplatz in Unterägeri gefeiert. (Bild Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Mit grossem «Tamtam» werden der Ehrenbadjöggel Beat Iten und die Narrenmutter Tania Bassing auf dem Dorfplatz in Unterägeri gefeiert. (Bild Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Aus allen Startlöchern, wo sie sich für ihren Auftritt vorbereitet hatten, strömten die Narren auf den abgedunkelten Dorfplatz, wo mit einem gewaltigen Knall die ach so schöne Fasnachtszeit eröffnet wurde. Und wie auf Kommando legten die Guggenmusigen los und schränzten ihren kakofonischen Sound. Nicht ganz so zahlreich wie in anderen Jahren war das Narrenvolk erschienen, die Kälte dürfte einige Zuschauer abgehalten haben. Vom Publikum sehnlichst erwartet wurde die Narrenkarosse mit den beiden Fasnachtsrepräsentanten, dem Ehrenbadjöggel Beat Iten und der Narrenmutter Tanja Bassing. Wie zu vernehmen war, sind beide als langjährige Guggenmusiker fasnächtlich vorbelastet, und zudem dürften der amtierende Bürgerpräsident und die angehende Kindergärtnerin, beide erschienen im Goldlook, ihre Repräsentationspflichten bestens zu meistern wissen.

Die Narrenmeile im Dorf
Die 47. Wylägerer Narrenfasnacht steht unter dem Motto «Wylägerer Narrenmeile», und so wurden bereits bei der Eröffnung Parallelen gezogen zur kürzlich fertiggestellten Shoppingmeile. So mag es nicht verwundern, dass Mitglieder der einzelnen Fasnachtsgruppen in Einkaufswagen auf den Dorfplatz gekarrt und dort entsprechend vorgestellt wurden. Doch Höhepunkt der Zeremonie war zweifellos die Übergabe des Narrenzepters durch Gemeindepräsident Sepp Ribary an Narrenvater Hugo I., dies als Zeichen, dass im Dorf ab sofort die Narren das Sagen haben. Zu den ersten Gratulanten gehörten einmal mehr die Hornberger Freunde aus deutschen Landen.

Der Badjöggel beobachtet
Sogar das Symbol der Wylägerer Narren, der Badjöggel, fuhr im Einkaufswagen vor und wurde anschliessend von Tanja und Beat zu den Klängen der Badjöggel-Polka auf seinen Hochsitz gehievt. Süffisant lächelnd wird er mit seinem Himmelwärtsblick das närrische Treiben von oben beobachten. Doch sind seine Tage gezählt – also nichts wie los ins Getümmel des fasnächtlichen Geschehens. Und gegen die bissige Kälte gabs nur eines – Bewegung. Tänzeln wie die Nüssler, bödele wie die Badjöggel oder die Flügel schwingen wie die gackernden Hühner der Bommerhüttli-Isebähnli-Brauchtumsgruppe. Nicht zu frieren brauchten auch die als Eskimos verkleideten Mitglieder der Guggenmusig Möschtliblöser. «Schau mal, wie süss», meinte eine Zuschauerin am Strassenrand, als sie den kleinen Dreikäsehoch-Eskimo entdeckte, der fast wie ein Grosser seine Spielzeugtrommel schlug.

Elvira Herz/Neue ZZ