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UNTERÄGERI: Ein Familienzentrum der besonderen Art

Seit kurzem gibt es im Dorf eine neue Anlaufstelle für Mütter und Väter. Das Projekt ist im Kanton Zug einzigartig – und schon gut frequentiert.
Petra Infanger (2. von links) ist eine der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich bei Kindline um den Nachwuchs sorgen. (Bild Werner Schelbert)

Petra Infanger (2. von links) ist eine der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich bei Kindline um den Nachwuchs sorgen. (Bild Werner Schelbert)

Marco Morosoli

Mütter müssen Nerven wie Drahtseile haben. Von früh bis spät für den Nachwuchs da zu sein, kostet sie viel Energie. Es bleibt ihnen daneben aber unter der Woche kaum einmal Zeit, um die eigenen Batterien aufzuladen. Da kommt ein Angebot wie dasjenige von Kindline (www.kindline.ch) an der Oberdorfstrasse in Unterägeri wie gerufen. Dort können Kinder auch mal nur eine oder zwei Stunden in treu sorgende Hände übergeben werden – und das gegen ein bescheidenes Entgelt. Alle Betreuerinnen haben mindestens einen Babysitterkurs besucht.

Diese Dienstleistung ist aber nur eine unter vielen, welche Kindline anbietet. «Wir wollen die Familie in allen Lebenslagen stärken», sagt Andrea Roder. Die 40-jährige ehemalige medizinische Praxisassistentin hat zusammen mit drei anderen Müttern die neue Institution aufgebaut und bezeichnet sie heute als «Grossfamilie».

Weder kommerziell noch staatlich

Kindline ist ein aussergewöhnliches Projekt: Denn es ist weder mit einer staatlichen, schulergänzenden Betreuung zu vergleichen, noch mit einem kommerziellen Angebot. Vielmehr entstand das Familienzentrum allein aus privater Initiative und ist als gemeinnütziger Verein organisiert, bei dem viele Helferinnen und Helfer ehrenamtlich oder bei nur symbolischer Bezahlung tätig sind.

Andrea Roder zieht selber drei Kinder im Alter von 14, 13 und 9 Jahren gross. Obwohl sie mit ihrem eigenen Nachwuchs schon genug zu tun hat, trägt sie ein Neugeborenes in ihrem Arm. Und ihre ruhige Art überträgt sich auch auf das Kleinkind. Es wirkt glücklich und zufrieden und schreit auch nicht. Und dies, obwohl rund um sie herum im Kindline-Café ein babylonisches Sprachengewirr herrscht. Die Geschäftsfrau und Mutter hat für alle Gäste Zeit, wenn es manchmal auch nur ein paar Worte sind. Diese Kommunikation erzeugt Respekt und Nähe.

Roder und ihre Mitstreiterinnen haben klein angefangen: «Zuerst konnten die Leute bei uns aus drei Angeboten auswählen. Treffpunkt war eine Wohnung», erzählt die 40-Jährige. Das war vor rund acht Jahren. «Wir sind seither ständig gewachsen. Wir haben immer das aufgebaut, was gerade gebraucht wurde.» Heute kann die Klientel – zu der in Zeiten der Gleichberechtigung auch Männer gehören – zwischen über 15 Dienstleistungen auswählen. Einige kommen auch einfach für einen Schwatz vorbei und trinken im kleinen Café etwas. Roder sagt: «Uns geht es um den Menschen, nicht um die Konsumation.» Der nächste Babyschritt in die neuen Lokalitäten sei ein «Risiko», sagt die Klindline-Geschäftsführerin und fügt an: «Wir haben einen Businessplan erstellt.» Viel bleibt für die Initiantinnen nicht: «Wir leben schon von der Hand in den Mund.» Bei der Finanzierung der Inneneinrichtung haben sie auf Crowdfunding gesetzt. Das habe gut funktioniert.

Obwohl Andrea Roders Pendenzenliste immer noch sehr umfangreich ist, ist ihr Enthusiasmus und derjenige der anderen Kindline-Macher ungebrochen: «Wir sind ein Projekt, das sich immer wieder neu erfindet.» In der letzten Zeit hat sich herauskristallisiert, dass nicht nur Mütter bestrebt sind, sich untereinander zu vernetzen. Jetzt bietet sich im Kindline auch bald eine Möglichkeit, dass die Herren der Schöpfung ungezwungen miteinander ins Gespräch kommen können. Damit wäre das «neuste Baby» – die «Männerrunde» – geboren. Sie soll ab Oktober jeweils am 1. Montag im Monat stattfinden. Roder sagt dazu: «Wir können sehr flexibel sein. Veränderungen gehören bei uns ganz einfach dazu.»

Über 30 Helferinnen im Einsatz

Um den breiten Fächer der Dienstleistungen anbieten zu können, braucht es viel Personal. Laut Andrea Roder sind mittlerweile über 30 Helferinnen in den verschiedensten Chargen im Einsatz. Viele arbeiten dabei ehrenamtlich, andere wiederum bessern sich mit ihrem Engagement ihr Taschengeld auf. Stolz erzählt Roder, dass auch ihr ältester Sohn (14 Jahre alt) am Samstagmorgen im Café aushelfe. Und das ohne äusseren Druck.

Einzigartig im Kanton Zug

Eine Institution wie das Kindline gibt es im Kanton Zug bisher nicht. «Die Idee ist sehr gut und bringt Mütter zusammen», sagt Rita Herzog. Sie ist Bereichsleiterin der Mütter- und Väterberatung der Zuger Fachstelle Punkto Jugend und Kind. Letztere Institution bietet seit einiger Zeit ihre Beratungen einmal pro Woche auch in den Räumlichkeiten von Kindline an. Das Angebot werde gut genutzt, wie Andrea Roder erklärt.

Hinweis

Samstag, 19. September: Tag der offenen Tür im Kindline-Familienzentrum, Oberdorfstrasse 3, Unterägeri (12 bis 18 Uhr).

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