Unterägeri
Ein neuer Nachbar für die denkmalgeschützte Spinnerei

Fast fünf Jahre ist es her, seit der Bebauungsplan Mülirein gutgeheissen wurde. Damals spielte eine rund 200 Jahre alte Linde eine Hauptrolle. Jetzt ist ein Bauprojekt ausgearbeitet worden.

Carmen Rogenmoser
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Die SAE Immobilien AG plant einen Neubau neben der Direktionsvilla der Inneren Spinnerei in Unterägeri.

Die SAE Immobilien AG plant einen Neubau neben der Direktionsvilla der Inneren Spinnerei in Unterägeri.

Bilder: Maria Schmid
(17. Februar 2021)

Lange war es ruhig rund um das Gebiet Mülirein bei der Inneren Spinnerei in Unterägeri. Der Wurzelstock der alten Linde steht seit 2016 wie ein Mahnmal am Strassenrand und erinnert an die Aufregung rund um das Bauland. Die mächtige, rund 200 Jahre alte Linde wurde damals, kurz nachdem der Bebauungsplan Mülirein von der Gemeindeversammlung angenommen worden war, gefällt. Das sorgte im Dorf für Aufsehen und Ärger.

Obwohl bereits im Bebauungsplan festgehalten ist, dass die alte Linde durch einen neuen Laubbaum ersetzt werden soll, wurden für das Erhalten des Baumes rund 1000 Unterschriften gesammelt. Der Zuger Heimatschutz reichte gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung eine Beschwerde ein. Seither ist – zumindest vordergründig – nicht viel passiert.

Doch jetzt tut sich etwas: Bis vor kurzem lag das Baugesuch für den Abbruch des bestehenden Gebäudes an der Alten Landstrasse 192 sowie den Neubau eines Wohn- und Gewerbegebäudes mit Tiefgarage bei der Einwohnergemeinde Unterägeri öffentlich auf. «Beim Vorhaben handelt es sich um einen Neubau als Ergänzung zum historischen und denkmalpflegerisch geschützten Fabrikensemble der ehemaligen Spinnerei am Dorfeingang in Unterägeri», erklärt Bauherr René Koch von der SAE Immobilien AG.

Der 40 Meter lange Bau füge sich mit zurückhaltender Eleganz in den Bestand ein und stelle den Übergang vom Gewerbe- ins Wohngebiet dar. «Vorgesehen ist eine vorgehängte Betonelementfassade mit Strukturmatrizen. Die Fensterformate und deren stark rhythmisierte Anordnung orientieren sich an den benachbarten Industriebauten», so Koch. Die SAE Immobilien AG arbeitet mit der G&A Architekten AG aus Altdorf zusammen. Die Beteiligten wie auch die Behörden seien auf eine hochwertige Umsetzung bedacht.

So soll der Neubau dereinst aussehen.

So soll der Neubau dereinst aussehen.

Visualisierung: PD

13 Mietwohnungen mit Wintergarten

Im Erdgeschoss entsteht eine der Vorfahrt zugewandte, überhohe und bei Bedarf unterteilbare Gewerbefläche von etwa 350 Quadratmetern. Im Untergeschoss befinden sich die Tiefgarage mit zirka 25 Parkplätzen und die Keller der Wohnungen. In den Obergeschossen entstehen 13 Mietwohnungen, die über den rückwärtigen Laubengang erschlossen sind.

Es handelt sich dabei mehrheitlich um 3,5-Zimmer-Wohnungen mit etwa 80 Quadratmetern Nutzfläche. «Die Wohnungsgrundrisse sind klar strukturiert und damit effizient gehalten. Eine vorgelagerte Schicht aus Wintergärten schützt vor Verkehrslärm und erweitert die Wohnfläche um einen qualitativ hochwertigen Aussenraum. Die Raumhöhe von 2,6 Meter ist eine Anlehnung an die vorgefundene Industriearchitektur auf dem Areal», erklärt René Koch.

Der Baubeginn ist für Januar 2020 vorgesehen, das Bauende für den Sommer 2023. Rund 8 Millionen Franken kostet das Vorhaben laut Baugesuch. Eine vorsorgliche Einsprache liege vor, bestätigt René Koch. Diese komme von Seiten des Gewässerschutzverbandes der Region Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ) und stehe im Zusammenhang mit der Umlegung einer Kanalisationsleitung. «Wir sind zuversichtlich, dass mit den Einsprechern schon bald eine Lösung gefunden wird.»

Auf die Frage nach der langen Dauer seit der Annahme des Bebauungsplans bis zur Ausarbeitung eines Projekts verweist Koch auf die Einsprache des Zuger Heimatschutzes gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung. «Die Einsprache wurde bis zum Verwaltungsgericht weitergezogen, wo die Klage wiederum abgewiesen wurde.» Zudem verlangten die Gemeinde wie auch die kantonale Denkmalpflege ein qualitativ hochstehendes Bauprojekt. «Dies hat die Planungszeit merklich verlängert. Aus unserer Sicht war aber die investierte Zeit und die Zusammenarbeit ein Gewinn für das Projekt.»

Ein neuer Laubbaum

Auch die alte Linde wird nicht vergessen – im doppelten Sinn: Einerseits sei die alte Linde auch innerhalb der Immobilienfirma immer mal wieder Thema, sagt Koch. «Sie hat definitiv einen Platz in unserer 188-jährigen Firmengeschichte gefunden.» Andererseits wird ein neuer Laubbaum gepflanzt. «Der Bebauungsplan sieht einen Ersatz-Baum als Teil der neuen Platzgestaltung mit historischem Brunnen und Bushaltestelle vor. Selbstverständlich kommen wir dieser Auflage mit unserem Projekt vollumfänglich nach.»

Der Strunk der alten Linde im Vordergrund. Im Hintergrund stehen die Direktionsvilla und die Fabrikgebäude.

Der Strunk der alten Linde im Vordergrund. Im Hintergrund stehen die Direktionsvilla und die Fabrikgebäude.

Es sei ein Anliegen, vor und um den Neubau attraktive Aussenräume zu schaffen. Dadurch werde auch die Umgebung der denkmalgeschützten Direktionsvilla aufgewertet. Weiterführende Projekte hingegen seien im Moment nicht vorgesehen.