UNTERÄGERI: «Es wird auch mitgeteilt, dass Littering strafbar ist»

Entlang der Lorze liegt Unrat, den Asylbewerber dort hingeworfen haben – genauer eine bestimmte Gruppe.

Charly Keiser
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Eine veritable Müllhalde haben hier in Unterägeri Asylbewerber aus dem Lorzeufer gemacht. (Bild Stefan Kaiser)

Eine veritable Müllhalde haben hier in Unterägeri Asylbewerber aus dem Lorzeufer gemacht. (Bild Stefan Kaiser)

PET-Flaschen, Plastiksäcke, Papier, Wein- und Bierflaschen, Plastik aller Art, Alu-Getränkedosen und Karton. Unter dem Haus an der Zugerstrasse 91 in Unterägeri, in dem Asylbewerber einquartiert sind, ist eine veritable kleine Müllhalde. Der Abfall liegt teils am Ufer der Lorze – viel Unrat hat wohl bereits seinen Weg in Richtung Neuägeri genommen.

«Das ist eine Riesenschweinerei», ärgert sich ein Ägerer, der unserer Zeitung die «fürchterliche Sauerei» gemeldet hat. Der Baudirektion respektive dem Amt für Umweltschutz sei bekannt, dass die Bewohner der Liegenschaft Zugerstrasse 91 den Hausabfall den Abhang zur Lorze hinunterwerfen würden, sagt Baudirektor Urs Hürlimann und fügt an: «Das Amt für Umweltschutz hat bereits vor einiger Zeit mit dem Vermieter der Liegenschaft und der Gemeinde Kontakt aufgenommen und Massnahmen besprochen.»

Sie hätten vor etwa zwei Monaten auch schon Reklamationen gehabt, bestätigt Unterägeris Gemeindepräsident Josef Ribary unsere Nachfrage. «Wir haben dann mit unseren Leuten vom Werkhof den Unrat eingesammelt und entsorgt. Und wir haben auch Jris Bischof vom kantonalen Sozialamt informiert.» Er könne nicht verstehen, warum man dies den Asylbewerbern nicht beibringen könne, ergänzt Ribary. Denn wenn er die Leute jeweils treffe, seien sie freundlich und würden auch immer schön grüssen. «Das müsste doch auch mit dem Güsel klappen.»

Ankömmlinge werden informiert

Die Asylsuchenden, die der Bund dem Kanton Zug zuweise, würden bei ihrer Ankunft umgehend und umfassend über ihre Rechte und Pflichten sowohl übliche Gepflogenheiten, insbesondere im Bereich Ordnung und Sauberkeit im Alltag, informiert, betont Jris Bischof. «Dazu gehört auch die sachgerechte Entsorgung von Abfall beziehungsweise das Recycling.» Den Asylsuchenden werde klargemacht, dass möglichst wenig Abfall produziert werden solle, dass Abfall getrennt werden müsse und dass Abfall, der nicht recycelt werden könne, in Müllsäcken zu entsorgen sei. «Es wird auch mitgeteilt, dass Littering strafbar ist», ergänzt Bischof.

Doch warum landet in Unterägeri trotzdem allerhand in der Lorze? Der Leiter Liegenschaften der Abteilung Soziale Dienste Asyl des kantonalen Sozialamtes, Roland Hotz, sei gestern Morgen von der privaten Immobilienverwaltung über die Problematik im Lorzentobel informiert worden. Er sei sofort aktiv geworden, erklärt Bischof. «Bei den Fehlbaren handelt es sich um abgewiesene Asylbewerberinnen und Asylbewerber, also Personen mit Nichteintretensentscheid oder Negativ-Asylentscheid, die von der Nothilfe leben und gemäss Zuger Polizei bekanntlich immer mal wieder negativ auffallen.» Bei dieser Personengruppe würden alle Kantone mit den gleichen Problemen kämpfen, verrät Bischof weiter und sagt: «Roland Hotz hat veranlasst, dass der Abfall im Lorzentobel von Asylsuchenden heute Donnerstag entfernt und sachgerecht entsorgt wird.»

Unterschiedliche Perspektive

Der Unterschied der Asylsituation macht offenbar auch das unterschiedliche Verhalten aus, wie auf die Fragen nach dem Dispositiv in der neuen Unterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber im Salesianum in Zug zeigt.

«Beim Salesianum handelt es sich um eine Unterkunft mit 24-Stunden-Aufsicht», erklärt Bischof. «Vorfälle wie in der abgelegenen Unterägerer Notunterkunft sind nicht zu erwarten. Im Salesianum wohnen Menschen mit einer Bleibeperspektive, die nicht negativ auffallen wollen.»

Flüchtlinge würden generell nicht mehr und nicht weniger Abfall als andere produzieren, erläutert Jris Bischof weiter. «Wie viel Abfall anfällt, hängt vor allem mit Ess- und Kochgewohnheiten zusammen. Es ist aber so, dass manche Flüchtlinge aus Ländern stammen, wo Abfalltrennen keine Tradition hat und wo Abfall nicht sachgerecht entsorgt wird.» Deshalb würden Neuankömmlinge auch entsprechend instruiert, wie das Abfallmanagement in der Schweiz funktioniere.

«Wie erwähnt», fügt Bischof an: «Die allergrösste Mehrheit der Asylsuchenden verhält sich korrekt. Ein paar wenige Unbelehrbare – oft Leute ohne Bleiberecht – halten sich nicht an die Regeln.» Bei abgewiesenen Asylbewerberinnen und Asylbewerbern habe die Androhung von Sanktionen kaum abschreckende Wirkung.

Charly Keiser