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UNTERÄGERI: Ihr Schaffen schafft Perspektiven

Die Privatschule Dr. Bossard wurde vor kurzem ausgezeichnet. Der Familien­betrieb wird schon von der vierten Generation geleitet – und die ist voller Tatendrang.
Samantha Taylor
Sie leiten den Betrieb in der vierten Generation: Fridolin Bossard (links), Stefanie Köppel, Laura Bossard und Konrad Bossard junior. (Bild Stefan Kaiser)

Sie leiten den Betrieb in der vierten Generation: Fridolin Bossard (links), Stefanie Köppel, Laura Bossard und Konrad Bossard junior. (Bild Stefan Kaiser)

Samantha Taylor

Wer sich in Unterägeri nicht allzu gut auskennt, dem kann es schon mal passieren, dass er am Eingang der Privatschule Dr. Bossard einfach vorbeigeht. Nur ein diskretes Schild am Hauseingang der Zugerstrasse 15 weist auf die pädagogische Stätte hin. Und was sich hinter diesem unscheinbaren Eingang verbirgt, lässt sich von aussen schon gar nicht erahnen. «Wir sind ein Dorf in der Stadt», sagt Konrad Bossard, Leitungsmitglied der dritten Generation, im Vorbeigehen und lächelt. Als «Harry-Potter-Haus» bezeichnen es die Kinder. Treffender könnte man es nicht beschreiben. Denn im Innern der Zugerstrasse 15 findet sich ein Innenhof, der mehr wirkt wie ein kleiner Dorfplatz, um den die Häuser gruppiert sind, die im Innern völlig verwinkelt sind. «Mit einem halben Haus an der Zugerstrasse hat alles begonnen», sagt Fridolin Bossard (33), Betriebsleiter der Schule. «Unsere Urgrossmutter Fridolina Bossard-Hürlimann sowie unser Grossvater Konrad Bossard konnten immer mehr dazukaufen und die Anlage organisch weiterentwickeln», erzählt er. Heute umfasst das Grundstück rund 5000 Quadratmeter, sechs Gebäude und viel Grünfläche.

Breites Spektrum

Zur Verfügung steht diese Oase 55 Kindern, die alle ihre Besonderheiten haben. Denn die Bossard-Schule betreut – mit einer Leistungsvereinbarung des Kantons – in ihrer Tagesschule und dem Internat Kinder von der 1. bis zur 6. Klasse mit Verhaltensauffälligkeiten und Sprachstörungen. Sie kommen vorwiegend aus den Kantonen Zug und Schwyz sowie aus anderen Zentralschweizer Kantonen und vereinzelt auch aus Zürich oder dem Aargau. Alle werden über die schulpsychologischen oder die sozialen Dienste zugewiesen. «Unser Spektrum ist breit. Es reicht von Kindern mit ADHS über Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen bis hin zu Kindern, die Autismusspektrumsstörungen aufweisen», sagt Schulleiterin Laura Bossard (43). Sie führt den Familienbetrieb gemeinsam mit ihren beiden Brüdern Fridolin und Konrad sowie mit der Cousine Stefanie Köppel, die das Internat betreut, in vierter Generation (siehe Box). Für ihr Schaffen wurde die Schule Anfang März mit dem Doron-Preis ausgezeichnet (wir berichteten).

Viele treue Mitarbeiter

Neben der Anlage im Dorf gehört zum Schulareal auch das sogenannte «Birmi», ein Bauernhaus mit einem Anbau, rund zehn Minuten vom Dorf entfernt, am Hang, mit traumhafter Aussicht über das Ägerital, einem Fussballplatz, einer grossen Wiese sowie einem Wäldchen mit Bach und einer Grillstelle. Dort besuchen die älteren Schüler ab der 4. Klasse den Unterricht. Insgesamt sind acht Klassenlehrerinnen für die Schule tätig. Hinzu kommen Fachlehrerinnen und Logopädinnen, Fachpersonen für die Freizeitbetreuung sowie Mitarbeiter in der Küche, dem Haushalt und der Administration. «Wir haben knapp 50 Angestellte», sagt Fridolin Bossard. Die meisten Mitarbeiter seien sehr treu. «Viele sind schon über zehn Jahre bei uns. Das ist äusserst wertvoll für uns. Die Konstanz ist aber auch wichtig für die Kinder», so der 33-Jährige weiter.

Positive Erlebnisse schaffen

Ziel der Schule ist, die Mädchen und Buben möglichst gut auf die Rückgliederung in das öffentliche System vorzubereiten. Der Unterricht folge den Lernzielen der öffentlichen Schule, sagt Laura Bossard. «Nur eben in kleineren Klassen, strukturierter und mit heilpädagogischer Betreuung.» Daneben besuchen die meisten täglich einen 30-minütigen Einzellogopädieunterricht. «Es ist wichtig, dass wir im Unterricht positive Erlebnisse schaffen», erklärt die Schulleiterin. Viele der Kinder müssten Selbstvertrauen aufbauen und Vertrauen in ihr Können gewinnen. «Wir haben auch Schulverweigerer bei uns.» Das Verhalten entstehe oft durch Frust oder zu grossen Druck. Es sei wichtig, negative Gefühle durch positive zu ersetzen.

Und das geschieht nicht nur im Unterricht. Auch die Freizeit spielt eine grosse Rolle. Dort werden die Sozialkompetenz und die Eigeninitiative gefördert. «Die Kinder sind in der unterrichtsfreien Zeit wirklich frei. Die Schule ist für sie streng. Darum sollen sie sich in der Freizeit wirklich erholen können», führt Laura Bossard aus. Die beiden Anlagen bieten dazu zahlreiche Möglichkeiten. «Dreckeln», Arbeiten im Wald, Brettspiele, Hütten bauen, Turnen in der Gymnastikhalle, Bäche stauen, Fussball spielen, Reiten, Musikunterricht an der öffentlichen Musikschule und Proben in der Bossard-Schulband. «Sie sollen das tun, was ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht», sagt die Schulleiterin.

Andere Erfahrungen sammeln

Dass Fridolin, Laura und Konrad Bossard zusammen mit ihrer Cousine Ste­fanie Köppel den Familienbetrieb dereinst weiterführen werden, war nicht immer ganz klar. Denn alle wollten sie erst andere Erfahrungen sammeln. «Für mich war zwar immer klar, dass ich im Schulbereich tätig sein wollte», sagt Laura Bossard, die ein Studium zur Sekundarlehrerin und Psychologin absolviert hat. «Ich wollte aber nicht direkt in den Familienbetrieb einsteigen.» Sie habe darum erst an einer öffentlichen Schule unterrichtet. Im Jahr 2006 sei sie zunächst als Lehrperson und dann als Schulleiterin im Betrieb eingestiegen. Fridolin Bossard ist seit vergangenem Sommer dabei. Zuvor war er als Unternehmensberater tätig. Stefanie Köppel, Heilpädagogin, und Konrad Bossard jun., Forstwart, sind seit über zehn Jahren dabei. «Derzeit arbeitet auch die dritte Generation noch mit. Es gibt bei uns keine Stichtagübergaben. Das läuft alles fliessend», sagt Fridolin Bossard.

Doch die junge Generation denkt bereits über die Zukunft nach, wie Laura Bossard sagt: «Interessieren würde uns, das Angebot auf einen Kindergarten oder sogar für das Vorschulalter auszubauen. Je früher man Kinder mit solchen Schwierigkeiten betreut, umso besser sind ihre Chancen.»

Grosse Tradition

st. Die Privatschule Dr. Bossard ist ein Familienbetrieb und wird heute von der dritten und vierten Generation geleitet. Ihre Wurzeln hat sie in der Medizin. Der Arzt Josef Hürlimann eröffnete am 1. Mai 1881 in Unterägeri seine «Kinderkuranstalt am Ägerisee». 15 Jahre später eröffnete auch seine Schwester Fridolina Bossard-Hürlimann ein Kinderheim. Sie nahm überzählige Kuranten bei sich auf. Das Angebot erfreute sich grosser Beliebtheit. So trafen 1908 die ersten Gäste aus den USA ein, und die erste Lehrerin für die Langzeitgäste wurde eingestellt. Zehn Jahre später kaufte die Familie das Bauerngut «Birmischlos». Nach dem Tod von Fridolina Bossard-Hürlimann 1928 übernahmen ihre Söhne, die Ärzte Konrad und August, das Kinderheim. Vom Erziehungsrat des Kantons Zug wurde die Schule 1945 als Privatschule anerkannt. In den 1970er-Jahren nahm die Zahl der Feriengäste ab. Dafür gewann die Schule an Bedeutung. Inzwischen leitete Ida Elena Bossard-Arnold, die Frau des 1972 verstorbenen Konrad Bossard, die Institution. 1981 wurde der Verein Privatschule Dr. Bossard als Trägerschaft der Schule gegründet. 1988 verstarb Ida Elena Bossard, und ihre Kinder Konrad, Maria, Constantin und Elisabeth übernahmen. Seit 2008 ist die vierte Generation im Betrieb aktiv.

Die Anlage im Jahr 1927. (Bilder Stefan Kaiser/PD)

Die Anlage im Jahr 1927. (Bilder Stefan Kaiser/PD)

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