UNTERÄGERI: Integration oder Auflösung?

Mit der Gründung des neuen Vereins Ägerital-Sattel Tourismus stellt sich die Frage, was aus den traditionellen Verkehrsvereinen wird. In Unterägeri wird die Diskussion nun lanciert.

Carmen Rogenmoser
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Hansruedi Albisser, Präsident des Kur- und Verkehrsvereins Unterägeri, hat viel Arbeit vor sich. Bild: Werner Schelbert (17. März 2016)

Hansruedi Albisser, Präsident des Kur- und Verkehrsvereins Unterägeri, hat viel Arbeit vor sich. Bild: Werner Schelbert (17. März 2016)

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Einen Schritt nach dem anderen wolle man machen, erklärt Hansruedi Albisser, Präsident des Kur- und Verkehrsvereins Unterägeri. Rasche Entscheidungen oder Richtungswechsel ist der Traditionsverein nicht gewohnt. Schon seit längerer Zeit steht eine Weiterentwicklung an. Mit der Überführung der touristischen Vermarktung der Region von der ehrenamtlichen auf die institutionelle Ebene ist ein entscheidender Schritt vollzogen worden. Nun steht auch für den Unterägerer Verein eine grosse Veränderung kurz bevor: Bei der kommenden Generalversammlung am Freitag, 17. März, geht es um nicht weniger als die Frage, ob der Verein weiterhin bestehen bleiben soll.

Anstoss dazu ist die Gründung des neuen Vereins Ägerital-Sattel Tourismus Ende Januar 2017 als übergeordnete Vermarktungsinstitution. Da stellt sich die Frage, welche Aufgaben den traditionellen Kur- und Verkehrsvereinen noch bleiben werden. Reicht es, sich um die Wanderbänke, die Minigolfanlage und um Anlässe wie das Seenachtsfest oder Kurkonzerte zu kümmern? «Wir müssten neue Aufgaben suchen», meint Hansruedi Albisser. Denn auch finanziell wird sich einiges ändern. Die Kurtaxen fliessen in den neuen Verein. Dem ursprünglichen Verein bleiben bloss noch die Mitgliederbeiträge und der Pachtzins der Minigolfanlage, der aber für deren Unterhalt verwendet wird.

Zwei Szenarien stehen zur Auswahl

Der Vorstand hat sich nun entschieden, die Diskussion rund um die Zukunft des Vereins zu lancieren. «Es geht nicht darum, sofort eine Entscheidung zu fällen», erklärt der Präsident und meint weiter: «Wir wollen den Puls spüren und den Mitgliedern Gelegenheit geben, sich mit dem Thema zu beschäftigen.» Ihm und seinen Vorstandskollegen sei es wichtig, dass die Leute sich nicht vor den Kopf gestossen fühlen. «Wir wollen transparent informieren und unsere Überlegungen mitteilen.» Die allfällige Auflösung des rund 130 Jahre alten Vereins wird nicht auf die leichte Schulter genommen.

Erwartet werden an der GV rund 100 der insgesamt 700 Mitglieder. Diesen werden zwei Szenarien vorgestellt: Einerseits, dass der Kur- und Verkehrsverein die verbleibenden Bereiche an andere Institutionen überführt und im neuen Verein Ägerital-Sattel Tourismus aufgeht. Dieser ist bereits so ausgelegt, dass er die lokalen Vereine integrieren kann. Andererseits aber könnte der Kur- und Verkehrsverein als eigenständiger Verein, aber ohne touristischen Auftrag bestehen bleiben. Er könnte sich dann in Anlehnung an die Kulturkommission zu einem Kulturverein mit der Pflege und Bewirtschaftung bestehender Infrastrukturen weiterentwickeln.

Der Vorstand tendiert zur Integration. «Die Idee der Zusammenführung der drei Verkehrsvereine gibt es schon lange», erklärt Albisser. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt dafür. «Wir wollten schrittweise vorgehen und zuerst den neuen Verein gründen und nicht gleichzeitig den alten auflösen.»

Eine konkrete Entscheidung ist erst für die Generalversammlung im nächsten Jahr angesetzt. Dass das einigen Mitgliedern trotzdem zu schnell geht, dafür hat Hansruedi Albisser Verständnis: «Wenn ich diesen Prozess nicht so eng begleiten würde, hätte ich wahrscheinlich auch Mühe damit, den Traditionsverein aufzulösen», erklärt er. Die Forderung an Kritiker ist aber eindeutig: «Wer den Kur- und Verkehrsverein Unterägeri als lokalen Verein weiter erhalten will, muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.»