Unterägeri
Nach 47 Jahren hat die Minigolfanlage ausgedient – die neue wird wohl schwieriger

Bis zu den Sommerferien sollen Freizeitspieler im Birkenwäldli auf 18 Bahnen einlochen können. Die Gemeinde will ausserdem weitere Spielmöglichkeiten bauen.

Raphael Biermayr
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Dieser triste Anblick der Unterägerer Minigolfanlage soll im Sommer 2021 der Vergangenheit angehören.

Dieser triste Anblick der Unterägerer Minigolfanlage soll im Sommer 2021 der Vergangenheit angehören.

Bild: Stefan Kaiser
(22. März 2019)

Das Verdikt fällt deutlich aus: «Die Beleuchtung ist (…) in einem desolaten Zustand.» Dieses Attribut treffe sinngemäss auch auf weitere Teile der fast 47 Jahre alten Minigolfanlage im Birkenwäldli in Unterägeri zu. Zu dieser Einschätzung gelangte die Gemeinde in der Vorlage zur Gemeindeversammlung im Dezember. Die Stimmberechtigten teilten sie und bewilligten 590'000 Franken für einen Neubau.

Die zweite Anlage im Kanton

Die klassische Minigolfanlage ist eine Schweizer Erfindung, wie «Das grosse Bahnengolf-Buch» weiss. Der Gartenarchitekt Paul Bongni vertrat die Idee, dass das Golfspiel für jedermann erschwinglich sein soll. Er tüftelte Bahnen aus, die mit einem Schlag bewältigbar waren, und liess diese patentieren. Die meisten der heute noch verwandten Bahnen sind auf Bongnis Pläne zurückzuführen.

Die weltweit erste Anlage mit 18 Löchern wurde 1954 in Ascona eröffnet. Binnen eines Jahres gab es landesweit schon 17 weitere. In Zug spielte man seit 1960 auf der heute noch existierenden Anlage auf der Schanz Minigolf, 1974 folgte die nun zu ersetzende 12-Loch-Anlage in Unterägeri. Auch im Chamer Villettepark (seit 1989) und im Rotkreuzer Breitfeld (1995) gibt es Anlagen.

Gegenwärtig liegt das Baugesuch auf. Die Dokumente zeigen die geplanten Minigolfbahnen, aber auch die daneben liegenden weiteren Spielmöglichkeiten: zwei Pétanque-Felder sowie ein auf Betonplatten am Boden gezeichnetes Schachbrett. Dazwischen steht eine mächtige Esche. Wer nun in Gedanken an die emotionale Lindenfällung vom August 2016 bei der ehemaligen Spinnerei in Unterägeri Befürchtungen hegt, es könnte wieder ein bedeutender Baum fallen, der sei beruhigt: Die Esche bei der Freizeitanlage bleibt stehen und den Nutzern als Schattenspender dienen – auch den Spielern am Pingpongtisch, der neu positioniert wird.

Beim Blick auf die die geplanten Minigolfbahnen fällt als Erstes auf, dass die Anlage für Freizeitspieler besonders knifflig werden dürfte. So fehlt zum Beispiel die vielerorts zu Beginn anzutreffende ebene Bahn ohne Hindernis. Und schon als dritte Herausforderung wartet der berüchtigte «Blitz» mit seinem für Kopfzerbrechen sorgenden Winkeln (Ein Tipp für Nichtprofis und abseits des Reglements: Der Ball lässt sich mit etwas Übung lupfen!).

Und auch der Schluss verspricht Nervenaufreibung. Denn die oft über Sieg und Niederlage entscheidende «Sprungschanze mit Reuse», die im Volksmund «Netzbahn» heisst, kommt an 16. Stelle, das «Labyrinth» zum Schluss.

Auch auf Kunstrasen kann gespielt werden

Im Gegensatz zur bisherigen Minigolfanlage mit 12 Löchern wird die neue in Unterägeri über die übliche Anzahl von 18 verfügen. Drei davon finden sich auf besonderen Bahnen mit Kunstrasenelementen. Dadurch scheint klar, dass die Anlage nicht für offizielle Turniere genutzt werden kann. Das bestätigt der Unterägerer Gemeindepräsident und Bauchef Josef Ribary im Zuge der schriftlichen Beantwortung einer Anfrage unserer Zeitung: «Dies war nie ein Ziel bei der Neuplanung.» Die «trendige» Anlage sei für die Freizeitspieler ausgelegt.

Wer entschieden hat, welche Bahnentypen gebaut werden und nach welchen Kriterien dies geschah, lässt Ribary unbeantwortet, sondern er schreibt allgemein:

«Ziel war, eine Familienanlage für Jung und Alt zu bauen – dies auch als Freizeitbereicherung und Attraktivität für alle Einwohner*innen und aber auch für die Gäste aus Nah und Fern.»

Läuft alles nach dem Plan der Gemeinde, werden die Arbeiten im März beginnen und die Anlagen ab den Sommerferien genutzt werden können. Die Minigolfanlage und den Kiosk im Birkenwäldli werden wie schon in der letzten Saison Carla Nussbaumer und Susanne Meier führen. Ihr Betrieb unterliegt Öffnungszeiten. Die Pétanque-Felder und das Schachbrett sind hingegen jederzeit zugänglich.