Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

UNTERÄGERI: Nachhilfe in Sachen Tradition

Senioren haben Fünft- und Sechstklässlern aus Neuheim die Grundlagen des Jassens vermittelt. Zu Besuch bei einem besonderen Generationentreffen.
Raphael Biermayr
Die Schüler Leo und Eliáš (im Vordergrund, von links) klatschen einander ab, die Jasslehrerin Klara Betschart (Mitte) hält sie zum Vorwärtsmachen an. Der Beisitzer Werner Huber und die Schülerin Alexandra beobachten die Szene. (Bild: Raphael Biermayr (14. November 2017))

Die Schüler Leo und Eliáš (im Vordergrund, von links) klatschen einander ab, die Jasslehrerin Klara Betschart (Mitte) hält sie zum Vorwärtsmachen an. Der Beisitzer Werner Huber und die Schülerin Alexandra beobachten die Szene. (Bild: Raphael Biermayr (14. November 2017))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

«Nicht schlafen!», sagt Klara Betschart mit einer Strenge, die sich sogleich in ihrem Lachen auflöst. Die 89-Jährige ist eine von elf Seniorinnen der Altersinstitution Chlösterli in Unterägeri, die sich einer besonderen Herausforderung stellen: der Jugend von heute das Jassen beizubringen. Diese Jugend besucht die 5. und 6. Klasse der Tagesschule Elementa in Neuheim.

Wie es für Privatschulen typisch ist, sind viele Schüler nicht in der Schweiz aufgewachsen und nicht mit den hiesigen Traditionen vertraut – wie eben dem Jassen. Das Generationentreffen in Unterägeri läuft unter dem Fach «Allgemeinbildung», erklärt Monica Roth. Die Geschäftsführerin der Schule und Klassenlehrerin ist eine versierte Verkäuferin der Sache. Diese Veranstaltung sei ein Paradebeispiel für «altersdurchmischtes Lernen», sagt sie.

Der Beobachter ist angetan

An den Tischen ist das Lernen in der Regel einseitig. «Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen», stellt Klara Betschart nachsichtig fest, als der begeisterungsfähige Eliáš (11) aus Zug eine gute Karte verwirft. Er spielt diese Partie mit dem vorwitzigen Leo (10), der hier in Unterägeri ein Heimspiel hat und den Tisch unterhält. Die Vierte im Bunde ist die zurückhaltende Alexandra (10) aus Baar. Sie habe weder in England, wo sie geboren ist, noch in Italien, woher ihre Familie stammt, je Jasskarten gesehen. Als Beobachter am Tisch sitzt Werner Huber (83). Er ist in Laufen aufgewachsen, das bis 1989 zum Kanton Bern gehörte und seither im Baselbiet liegt. Den früheren Angestellten des «Chlösterli» hat das Jassen nie richtig gepackt. «Als ich ein Kind war, hatten wir keine Karten zu Hause. Und meine zwei Kinder haben immer mit meiner Frau und meinem Schwager gespielt. Ich war also das fünfte Rad am Wagen – aber das war mir recht», sagt er offen. Wie sich die Schüler während der 60 Minuten schlagen, findet Huber beachtlich: «Es ist schön, zu sehen, mit wie viel Leidenschaft sie spielen», sagt er.

Die Konzentration lässt jedoch mit fortschreitender Spieldauer nach. Klara Betschart mahnt den Jass-Nachwuchs immer mal wieder zum Vorwärtsmachen. Die gebürtige Artherin, die «nach Ägeri geheiratet» und sechs Kinder grossgezogen hat, lacht herzlich, als die Schüler sich gegenseitig ihre Blätter zeigen. «Genau das ist das Geheimnis», versucht sie den drei zu vermitteln. Diese zucken mit den Achseln und legen die Karten nach Gutdünken auf den Teppich. In der nächsten Runde freut sich Leo über die vier Asse in seiner Hand. Als Klara Betschart ihm den Tipp gibt, dass er nun davon die «Schilten-Sau» spielen soll, nimmt das Gekicher am Tisch fast kein Ende.

Es gibt für die Schüler nicht nur im regulären Unterricht noch eine Menge zu lernen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.