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UNTERÄGERI: Nun trauern viele um die Linde

Der mächtige Baum wurde gestern gefällt. Das sorgte für Aufsehen und Ärger: Es wurden alle überrascht – auch die Gemeindeverwaltung.
Carmen Rogenmoser
Unaufhaltsam greift der Kran ins Geäst der über 200 Jahre alten Linde bei der Spinnerei. Zahlreiche Schaulustige wohnten der Fällaktion bei. (Bild Stefan Kaiser)

Unaufhaltsam greift der Kran ins Geäst der über 200 Jahre alten Linde bei der Spinnerei. Zahlreiche Schaulustige wohnten der Fällaktion bei. (Bild Stefan Kaiser)

Carmen Rogenmoser

Der lange Arm der grossen Forstmaschine greift nach den Ästen. Mit einem lauten Knarren stürzt das erste Holz gestern Morgen kurz nach 9.30 Uhr auf die Strasse. Weitere folgen ihm und fallen knackend zu Boden. Stück für Stück wird der grosse Baum auseinandergenommen. Ein Spektakel, das man nicht alle Tage erlebt. Passanten bleiben stehen, zücken ihr Handy, machen Fotos oder filmen den Vorgang sogar. Denn es handelt sich dabei nicht einfach um irgendeinen grossen Baum, sondern um die alte Linde bei der Spinnerei in Unterägeri. Während der letzten Wochen beschäftigte das Schicksal des rund 200 Jahre alten Baumes das ganze Dorf (Ausgabe vom 22. Juli). An der Gemeindeversammlung vom Juni wurde der Bebauungsplan Mülirein von der Bevölkerung klar angenommen (siehe Box). Bestandteil des Plans ist es auch, dass die alte Linde durch einen neuen Laubbaum ersetzt werden soll.

1000 Unterschriften gesammelt

Viele Unterägerer wollten diesen Entscheid so nicht hinnehmen und sammelten Unterschriften für den Erhalt der Linde. Rund 1000 Unterschriften sind laut Initiantin Mariann Hess (Alternative-die Grünen) zusammengekommen. «In den nächsten Tagen wollte ich diese bei der Gemeindeverwaltung in Unterägeri einreichen», sagt sie aufgelöst. Dafür ist es nun zu spät. Doch ans Aufgeben denkt Mariann Hess auch in diesem Moment keinen Augenblick. Sichtlich geschockt versucht sie alles, damit die Motorsägen gestoppt werden. Sie diskutiert mit den Vertretern der SAE Immobilien AG, auf deren Grundstück die Linde steht, und mit dem Verantwortlichen der Zürcher Firma, die den Baum abholzt. Sogar die Polizei hat sie aufgeboten. Doch auch diese kann nicht mehr tun, als zu schlichten. Kurze Zeit später verabschieden sich die beiden Polizeibeamten wieder. Es nützt nichts. Unaufhörlich fallen Äste zu Boden. Der Baumstamm wird immer kahler – und schliesslich aufgesägt. Es zeigt sich: Die alte Linde war tatsächlich morsch.

Baum wäre wohl abgestorben

Eine Baustelle in der näheren Umgebung hätte sie wohl nicht überlebt. Eine Verantwortliche der SAE Immobilien AG sagt: «Der Baum befindet sich auf Privatgrund, wir erhielten keine Verfügung. Wir sind rechtlich abgesichert.»

Nur zählt das in diesem Augenblick für Hess und ihre Unterstützer nicht. Eine Frau hat ihre kleine Tochter mitgebracht. Diese bricht beim Zusehen des Spektakels in Tränen aus. Eine ältere Dame meint: «Was hier geschieht, ist unerhört. Man kann den Baum doch nicht einfach fällen, weil einem der Boden, in dem er wächst, gehört. So etwas kann man doch gar nicht besitzen.» Weitere Schaulustige zeigen für das Vorgehen mehr Verständnis: «Die Entscheidung wurde an der Gemeindeversammlung gefällt, dann soll man das auch akzeptieren», so der O-Ton. Knapp zwei Stunden dauert es, bis die grosse Linde verschwunden ist, zersägt in Hunderte Einzelteile.

Anrufer machten aufmerksam

Überrascht, dass der Baum gestern gefällt wurde, waren aber nicht nur Aktivisten und Nachbarn, sondern auch die Gemeindeverwaltung selber. «Wir haben erst davon erfahren, als wir gestern Morgen Anrufe aus der Bevölkerung erhalten haben», gibt Mediensprecher Remo Stierli Auskunft.

Zwei Beschwerden

Der Bebauungsplan Mülirein bildet die Grundlage für die Erschliessung und Anpassung der denkmalgeschützten Spinnereigebäude an die heutigen Bedürfnisse. Geplant ist neben der Bushaltestelle zudem ein Neubau. Ein halböffentlicher Platz gehört ebenfalls zum Plan. Die alte Linde wird durch einen Laubbaum ersetzt und durch den Henggeler-Brunnen ergänzt. Der Bebauungsplan wurde an der Gemeindeversammlung vom 20. Juni nach Diskussionen deutlich mit 152 Ja- gegenüber 75 Nein-Stimmen angenommen.

Widerstand hat sich formiert

In den letzten Wochen hat Mariann Hess (Alternative-die Grünen) 1000 Unterschriften für den Erhalt der Linde gesammelt. Zudem wurde gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung vom Zuger Heimatschutz eine Beschwerde eingereicht. Eine Stimmrechtsbeschwerde ist ebenfalls hängig. Da es sich um laufende Verfahren handelt, kann die Gemeinde dazu keine Stellung nehmen.

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