UNTERÄGERI: Patrik Merz stürzt sich auf Schlittschuhen Eispisten herunter – zum Spass

Patrik Merz hat ein ausgefallenes Hobby: Er stürzt sich auf Schlittschuhen Eispisten hinunter. Der 27-Jährige erzählt von seiner Faszination dafür und von seinem besonderen Training.

Raphael Biermayr
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Patrick Merz stürzt sich in Wagrain / Österreich eine Eispiste herunter. (Bild: Mark Roe (Wagrain [Ö], 8. Dezember 2016))

Patrick Merz stürzt sich in Wagrain / Österreich eine Eispiste herunter. (Bild: Mark Roe (Wagrain [Ö], 8. Dezember 2016))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Wenn Patrik Merz von seiner Leidenschaft Ice Cross Downhill erzählt, fällt oft das Wort «Gefühl». Dieser liebliche Begriff steht im Kontrast dazu, worum es bei seiner Passion geht: um Rasanz, um Wagemut, um Nervenkitzel. Der Unterägerer Merz und seine Mitstreiter stürzen sich auf Schlittschuhen eine Eispiste hinunter. Dabei überwinden sie Hindernisse und behaupten sich gegen drei Konkurrenten – mit Tempi von bis zu 70 Stundenkilometern. Um das alles erleben, ausleben und vielleicht auch überleben zu können, braucht es besagtes Gefühl für das Eis.

Weil Eis nicht gleich Eis ist – so sorgen beispielsweise die Temperaturschwankungen für eine wechselnde Härte der Unterlage –, muss dieses Gefühl stets neu erlangt werden. Die Suche danach treibt Merz an und bringt ihn in den kommenden acht Wochen weit herum: nach Marseille, Finnland und nach Nordamerika, wo Anfang März der letzte der vier Grossanlässe im Rahmen der Crashed-Ice-­Serie auf dem Programm steht. Jene ist von Red Bull auf die Beine gestellt worden und wird von der Firma vermarktet. Wie von anderen Extremsportanlässen unter dem Patronat des Energy-Drink-Herstellers gewohnt, ist die Inszenierung grossartig und bewegt die Massen. Zu den ­Crashed-Ice-Wettkämpfen finden sich mehrere zehntausend Zuschauer ein. Sie feiern die Athleten und auch sich selbst.

Patrik Merz stösst sich am Eindruck Aussenstehender, dass es dabei mehr um eine hedonistische Show als um heroischen Sport geht. «Früher war das vielleicht so. Heute aber ist das Niveau so hoch, dass es sich kein Fahrer mehr leisten kann, vor den Läufen Party zu machen.» Deshalb sei es auch nicht mehr denkbar, dass – wie zu den Anfangszeiten – Skifahrer oder Eishockeyspieler ohne besonderes Training zu den Schnellsten gehören. «Man muss sehr gut Schlittschuh laufen können. Eishockey ist als Grundlage ideal, aber man muss hart arbeiten, um weiterzukommen», sagt Merz. Er hat als Junior im EVZ gespielt und ist 2008 in den Ferien erstmals mit Ice Cross Downhill in Berührung gekommen.

Ein Platz unter den Besten

Der Verdrängungskampf ist tatsächlich gross. Zu den vier Grossanlässen der Saison sind die 64 Besten der Weltrangliste sowie einige eingeladene Fahrer aus den Austragungsländern zugelassen. Merz hat sich in der vergangenen Saison auf den letzten Drücker einen Platz im Tableau gesichert, der ihm fixe Starts garantiert – das hat nur eine Hand voll weitere Schweizer geschafft. Der Beste von ihnen ist der Luzerner Kilian Braun (Ausgabe vom 27. Dezember).

Diese Gewissheit hilft Merz einerseits bei der Organisation, schliesslich muss der SBB-Lokführer seinen Arbeitsplan auf die Wettkämpfe abstimmen. Andererseits hat es ihm einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben. Der 27-Jährige trainierte während der vergangenen Monate erstmals gezielt. Auf Inlineskates bewältigte er Hindernis-strecken für Biker aus Asphalt, und er liess sich einen Trainingsplan schreiben, um seine Fitness und die Körperstabilität zu verbessern. Sein Ziel für die bevorstehende Saison ist das regelmässige Erreichen der besten 32, also das Überstehen der ersten Runde an einem Wettkampf, sagt Merz. Doch man merkt, während er das ausführt, dass er eigentlich an mehr denkt. «Die Top 16 sind möglich», erklärt er schliesslich mit einem Flackern in den Augen. An seinem Gefühl soll es nicht scheitern.

Rasanz, Wagemut und Nervenkitzel im Kampf zählen. (Bild: Mark Roe (Wagrain [Ö], 8. Dezember 2016))

Rasanz, Wagemut und Nervenkitzel im Kampf zählen. (Bild: Mark Roe (Wagrain [Ö], 8. Dezember 2016))

Mit Tempi bis 70 Stundenkilometer stürzt sich Patrik Merz die Eispiste herunter. (Bild: Mark Roe (Wagrain [Ö], 8. Dezember 2016))

Mit Tempi bis 70 Stundenkilometer stürzt sich Patrik Merz die Eispiste herunter. (Bild: Mark Roe (Wagrain [Ö], 8. Dezember 2016))

Patrik Merz hat auch in Schlittschuhen einen sicheren Stand. (Bild: Mark Roe (Wagrain [Ö], 8. Dezember 2016))

Patrik Merz hat auch in Schlittschuhen einen sicheren Stand. (Bild: Mark Roe (Wagrain [Ö], 8. Dezember 2016))