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Unterägeri: Residenzwohnungen statt Kinderhotel

An der Informationsveranstaltung am Mittwochabend in der fast vollen Ägerihalle warb der Investor um Unterstützung für seine Alternative zum gescheiterten Kinderhotel Babalou. Aus dem Publikum kam jedoch viel Kritik. Es scheint viel Vertrauen verloren gegangen zu sein.
Christopher Gilb
Etwa so sollen die geplanten Residenzwohnungen dereinst aussehen. (Visualisierung: Bonainvest)

Etwa so sollen die geplanten Residenzwohnungen dereinst aussehen. (Visualisierung: Bonainvest)

«Bonainvest, so nicht!» steht auf den Anstecker, die mehrere Teilnehmer der Informationsveranstaltung beim Verlassen der Ägerihalle trugen. Oswald Iten, einer der Kritiker des Investors, hatte diese mitgebracht. Die meisten der rund 100 Anstecker seien schnell weg gewesen. Der Investor, Bonainvest vertreten durch den Vorsitzenden der Geschäftsleitung Ivo Bracher hatte in der sehr gut besuchten Ägerihalle keinen einfachen Stand. Bonainvest hatte am Mittwochabend dorthin geladen, um zu erklären, wieso es in mehreren Stockwerken des Hauses G der Überbauung Am Baumgarten, wie unlängst bekannt wurde, nun doch kein Kinderhotel geben wird, und um die neuen Pläne vorzustellen.

Er müsse sich selber an der Nase nehmen, so Bracher. «Ich habe einfach zu lange vertraut und mich zu wenig um die Details gekümmert» – vertraut auf den ehemaligen Direktor des Kurhauses Annahof und die namhaften Experten, mit denen dieser das Projekt entwickelt habe. Dafür habe er dann auch intern viel Kritik einstecken müssen. Als dann die, bereits im fortgeschrittenen Stadium in Auftrag gegebene, Expertise des externen Hotelexperten zu den zu erwartenden Erträgen gekommen sei, seien viele dieser Personen schnell weg gewesen. Die Expertise habe gezeigt, dass die Mieteinnahmen für das Hotel 1,3 Millionen Franken weniger ergeben würden, als erwartet.

Auch er selbst habe Geld verloren

Er, Bracher, habe das Projekt dann selbst an die Hand genommen und seine Abklärungen bei alfälligen Kunden habe die Prognose bestätigt. Diese Erkenntnis schmerze umso mehr, da sehr viel Engagement und Entwicklungsarbeit in diese Idee geflossen seien. «Wir waren mit viel Herzblut dabei.» Ein Teil des nun verlorenen Geldes sei auch sein eigenes gewesen, sagt er immer wieder. Doch solche Reue-Bekundungen goutierte das Publikum nur bedingt. «Ein Taschentuch für die Tränen bitte», so eine der spontanen sarkastischen Reaktionen.

«Wir waren mit viel Herzblut dabei.»
Ivo Bracher, Bonainvest

Auch Hugo Berchtold, Präsident der Stiftung St. Anna - beide Institutionen sind mit 50 Prozent an der Betreibergesellschaft für die Überbauung beteiligt - nahm Stellung. «Aufgrund unserer Kenntnis war das Vorhaben Kinderhotel Babalou ernsthaft», sagte er in Richtung der Zweifler und betont, dass sich die Stiftung abgesichert habe unter anderem mit einem Vorkaufsrecht bei einem alfälligen Verkauf der Wohnungen.

Berchtold führte das Scheitern des Kinderhotels auch auf die rasante Entwicklung im Gesundheitssystem von stationär zu ambulant zurück und dass dadurch immer weniger Kosten übernommen werden. Der Stiftungsrat sei sich der Verbundenheit der Unterägerer zum Annahof bewusst. «Auch der Stiftungsrat ist sehr enttäuscht.» Er zeigte sich aber zusammengefasst überzeugt, das mit dem neuen Konzept, dem Auftrag der Bevölkerung genüge getan werde.

44 Residenzwohnungen

Dieses stellte dann Bracher vor: «Wir haben zunehmend Anfragen von Personen aus Unterägeri und auch von auswärts erhalten, die uns aufforderten, für ältere Menschen zeitgemässen Wohnraum mit Betreuung zu schaffen.» Das neue Konzept für Haus G heisst deshalb bonaLiving. 44 betreute Altersresidenzwohnungen sind vorgesehen. Wesentlicher Bestandteil soll ein Concierge Service sein. Er sei überzeugt, dass die Gemeinde von diesem «Leuchtturmprojekt» profitiere. Bereits seien rund 100 Personen auf der Anmeldeliste. Das Sockelgeschoss werde zudem weiterhin als öffentlicher Bereich entstehen.

Nach dem Informationsteil ging es dann während über einer Stunde richtig zur Sache: «Das ist eine gewaltige Kehrtwende. Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder ist Herr Bracher ein ehrlicher Mann, der nicht fähig ist ein Unternehmen zu leiten oder uns wurde mit dem Kinderhotel bewusst eine Finte gelegt», so Oswald Iten. Bracher erinnere ihn an einen Staubsaugerveräufer, «viel flotte Sprüche, dann ist er wieder weg», sagte Thomas Hess. Auch beim Kinderhotel habe er vom «Leuchtturmprojekt» gesprochen, sei aber ebenfalls nie mit konkreten Zahlen gekommen. «Bitte reden sie Klartext Herr Bracher, wir wollen wissen, ob sich auch Unterägerer diese Residenzwohnungen leisten können», so Renato Henggeler. Doch konkrete Zahlen nannte Bracher keine. Die detaillierten Berechnungen würden noch laufen.

Gemeinde geht von erneuter Auflage aus

Den Grund für den zahlreichen Unmut zusammenzufassen gelang ALG-Kantonsrätin Mariann Hess ganz gut: «Ein Hotel für kranke Kinder, wer hat da schon etwas dagegen», sagte sie mit Bezug auf die einst zügige Annahme des Bebauungsplans, der stark über das Hotel beworben worden war.» Nebst dem Haus G beinhaltet dieser drei Neubauten mit Wohnungen, zudem werden drei bestehende Wohnhäuser renoviert.

Es gab aber auch verhalten Beifall fürs neue Konzept und auch eine positive Wortmeldung. Eine Dame, die für eine private Spitex arbeitet und selbst in einer Wohnung von Bonainvest lebt, zeigte sich überzeugt vom Service-System und auch von der existenten Nachfrage fürs geplante bonaLiving.

Bracher jedenfalls glaubt, dass die Nutzungsänderung, da seiner Einschätzung nach konform, von der Gemeinde bewilligt und der Baustopp aufgehoben werde. «Wir werden das jetzt in aller Ruhe prüfen», so Gemeindepräsident Josef Ribary dazu auf Nachfrage. Es könne aber gut sein, dass es zur öffentlichen Auflage komme. Dass es in diesem Fall Einsprachen geben wird, scheint derweil fast sicher.

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