UNTERÄGERI: «Unser Hühnerhof hat keinen Güggel»

Die Frauengruppe Bomerhüttli-Ysebäänli von der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft feiert heuer ihr 35-jähriges Bestehen. Die Gruppe erinnert an ein Dorforiginal.

Charly Keiser
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Hanna Nussbaumer (links) und Brigitte Wallimann freuen sich auf ihre Jubiläumsfasnacht. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Januar 2017))

Hanna Nussbaumer (links) und Brigitte Wallimann freuen sich auf ihre Jubiläumsfasnacht. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Januar 2017))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Morgen Freitag ab 20 Uhr geht im Mehrzwecksaal des Altersheims Chlösterli in Unterägeri die Post ab. Dies beim Ball 2017 der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft (WFG).

Ganz besonders im Fokus steht am diesjährigen Maskenball die Wylägerer Fasnachtsgruppe Bomerhüttli-Ysebäänli. Diese ist zwar die jüngste Brauchtumsgruppe der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft, aber die einzige ausschliessliche Frauengruppe. Ausserdem feiert sie heuer ihr 35-jähriges Bestehen.

Es begann mit der Gruppe Äxgüsi

1982 nahmen einige Unterägerer Fasnächtlerinnen als Gruppe Äxgüsi erstmals an der fünften Jahreszeit teil und marschierten als Rätschwiiber am Unterägerer Fasnachtsumzug mit. Daraus entwickelte sich 2003 Bomerhüttli-Ysebäänli. Die Gruppe erinnert an das Unterägerer Original Anna Iten, die im Volksmund liebevoll und neckisch «s Bomerhüttli-Ysebäänli» genannt wurde. Die ledige Frau lebte mit ihren drei ebenfalls ledigen Brüdern im Hof Bommerhüttli. Sie hielt einen Hühnerhof mit etlichen Hühnern. Bei einer Kleinviehzählung während des Zweiten Weltkrieges versicherte sie einem Beamten glaubhaft, dass es wegen des ständigen Hin und Her des Federviehs nicht gelänge, dieses zu zählen. Die Eier brachte sie regelmässig in einer «Chindsscheese» ins Dorf zu den Kunden und karrte bei der Rückkehr Lebensmittel für den eigenen Bedarf nach Hause. Anni machte jahrein, jahraus pünktlich wie die Eisenbahn ihren Kehr, weshalb man von ihr nur noch vom «Ysebäänli» sprach. Sie starb 1946 im Alter von 80 Jahren.

Seit 30 Jahren ist Brigitte Wallimann bei der Frauengruppe, davon war sie 20 Jahre bis im Jahr 2013 Präsidentin, ihre Nachfolgerin ist Daniela Iten. «Wir haben im Moment 24 Aktivmitglieder, 19 sind jeweils als ‹Bomerli› verkleidet und fünf als ‹bunte Hühner›», erzählt Wallimann. Und sie betont: «Und wir sind die einzige Gruppe der Wylägerer Fasnacht, in der ausschliesslich Frauen dabei sind.» Kollegin Hanna Nussbaumer ist im Moment Aktuarin des Vereins und feiert ebenfalls ein Jubiläum: Sie ist seit 20 Jahren Mitglied bei Bomerhüttli-Ysebäänli.

Rund 800 hart gesottene Eier verteilen Wallimann und Nussbaumer zusammen mit ihren Kolleginnen während der Fasnachtszeit. Sie tun damit das im Schalk und mit Freude, was das Original Anna Iten für ihr Auskommen tat.

Doch warum sind keine Männer bei Bomerhüttli-Ysebäänli dabei? «Unser Hühnerhof hat keinen Güggel», sagt Nussbaumer und lacht. Wallimann ergänzt: «Und wir brauchen auch keinen Güggel.» Nussbaumer fügt mit einem Lachen an: «Aus Spass ‹picken› die ‹Bomerlis› oder Hühner mal einen aus der Fasnachtsmenge – und lassen ihn dann wieder in die Freiheit ziehen.»

Beträchtlicher Aufwand

Der Aufwand für die Mitglieder der Gruppe ist gross. Werden doch einmal im Monat die Lieder geübt, die während der Fasnacht vorgetragen werden – begleitet von Wallimann auf dem Schwyzerörgeli, wie Nussbaumer erklärt. Ab Januar werde jeweils wöchentlich geübt, sagt sie. Und sie fügt an: «Und darum sind wir bereit für unsere Jubiläumsfasnacht.»